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Virtualisierung des Menschen: US-Militär will verletzte Soldaten mit Körperteilen aus 3D-Druckern versorgen

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geschrieben von Jürgen Kroder

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Wenn wir Science-Fiction-Romane lesen oder derartige Filme sehen, freuen wir uns meist auf die Zukunft. Hier fliegen Menschen durchs All, man beamt sich auf unbekannte Planeten und wenn jemand schwer erkrankt ist, dann wird er flink geheilt. Oder seine Körperteile werden durch künstliche Implantate ersetzt. Letzteres ist weniger Fiktion als man denken mag. 

Eingescannte Menschen

Wie „The Telegraph“ berichtet, sind Experten der University of Nevada im Gespräch mit der US-Army, um virtuelle Kopien von Soldaten zu erstellen. Die Idee klingt einleuchtend und realistisch zugleich: Mittels 3D-Scanner sollen gesunde Soldaten vermessen und ihre Daten gespeichert werden.

Verlieren die Soldaten im Einsatz einzelne Körperteile wie beispielsweise Knochen oder Gliedmaßen, könnten diese anhand von 3D-Druckern und den zuvor gespeicherten Daten reproduziert werden. Das auch in Kriegsgebieten.

Kieferknochen aus Titan

Menschen bis ins letzte Detail zu erfassen und als virtuelles Modell umzusetzen, das ist mit Röntgenstrahlung, Ultraschall und MRI (Magnet Resonance Imaging) möglich. Das wird zum Beispiel bei den „Anatomage Tables“ eingesetzt. Hierfür scannt man echte Leichen ein und stellt sich auf den Tischen als dreidimensionale Modelle dar, damit zum Beispiel Medizin-Studenten daran üben können.

Auch das Ausdrucken von Körperteilen ist mittlerweile mehr Science als Fiction. Wissenschaftler haben beispielsweise bereits mit 3D-Druckern Kieferknochen aus Titan hergestellt.

Umsetzung könnte dauern

Die Möglichkeiten sind also bereits da, um verletzten Soldaten auf dem Schlachtfeld schneller helfen zu können. Somit ist verständlich, dass das Militär daran Interesse zeigt. Aber auch für Zivilpersonen wären 3D-„Ersatzteile“ eine extrem nützliche Sache.

Doch bis wir alle in den Genuss einer solchen medizinischen Versorgung kommen, wird es wahrscheinlich noch viele Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte dauern. Zum einen, weil die technischen Möglichkeiten erst noch intensiver erforscht und umgesetzt werden müssen. Andererseits darf auch das Thema Kosten nicht vergessen werden.

Viel Zündstoff für Diskussionen

Und was auch ganz wichtig ist: Wie geht man hier mit dem Thema Datenschutz um? Wer darf die Daten erheben, wer verwaltet sie, wer darf auf sie zugreifen, wer garantiert die Sicherheit?

In den neuen Technologien liegen also viele Potentiale – für die Forschung, die Entwicklung, der Verbesserung unseres Lebens, aber auch viel Zündstoff für heiße Diskussionen. Faszinierend.

Bilder: Anatomage Medical


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Über den Autor

Jürgen Kroder

Jürgen bezeichnet sich als Blogger, Gamer, Tech-Nerd, Autor, Hobby-Fotograf, Medien-Junkie, Kreativer und Mensch. Er hat seine unzähligen Hobbies zum Beruf gemacht. Und seinen Beruf zum Hobby. Obwohl er in Mainz wohnt, isst er weiterhin gerne die Maultaschen aus seiner Heimat.

2 Kommentare

  • Jahre? Jahrzehnte? Heute sind zB. Hüftpatienten auch nach Monaten noch nicht schmerzfrei und können sie nie wieder voll belasten. Bis also Soldaten in Kriegsgebieten mit Ersatzteilen innerhalb von Tagen oder Wochen wieder einsatzbereit sind, dürfte ein deutlich längerer Zeitraum vergehen. Daran ändern auch Teile aus hippen 3D-Druckern nichts.

  • Man sollte aber auch den technologischen Fortschritt nicht unterschätzen, was heute Alltag ist war vor zehn Jahren noch undenkbar. Ich denke der 3D-Druck wird in den nächsten Jahren stark weiterentwickelt und verbessert werden, vielleicht ist die Idee der „gedruckten Körperteile“ doch gar nicht mehr so weit entfernt.

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