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Unser Weg zum Start-up, Teil VII: Die Bastelstunde des Prototyps

Denis Rotthardt
Aktualisiert: 17. Mai 2016
von Denis Rotthardt
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In der wöchentlichen Serie „Unser Weg zum Start-up” berichtet Gründer Denis Rothhardt von seinem Weg zum eigenen Unternehmen und nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise hinter die Kulissen der Start-up-Gründung. Diesmal: Die Bastelstunde.

Die Idee, ein Start-up zu gründen, kam mir irgendwann zwischen der dritten und vierten guten Idee, die man im Laufe der Jahre dann doch mal hat. Natürlich gab es weit mehr Ideen, aber man muss sich bei manchen überlegen, ob nur ich mich gerade total dafür begeistern kann oder ob die Welt soetwas tatsächlich braucht. Schon waren 90 Prozent der Ideen verworfen.

Was übrig blieb, war eine Mischung aus Software, Hardware und nettem Gegenstand, auf den die Welt hoffentlich gewartet hat. Eine Idee davon war zumindest am Anfang ganz ohne Software umzusetzen. Um das Thema im Text zu veranschaulichen als ganz banales Beispiel: Einen Apfel-Halter.

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Wie setzt man nun also die Idee um?

Ich habe ein paar Bekannte, die Industriedesign studiert haben und mir in recht simpler Art und Weise klar gemacht haben, wie man soetwas anfängt. So blöd es klingt, als erstes stand die Frage nach dem für jeden individuell perfekten Arbeitsumfeld. Man hat mich also belehrt darüber, dass ohne ein Arbeitsumfeld, in dem ich mich wohl fühle, kein kreativ sinnvolles Produkt entstehen könne.

Also nachdenken, wo man sich kreativ fühlt und was auch machbar ist. Bei mir spielen die Umgebungsgeräusche eine echt große Rolle. Da nun nicht jeder die Möglichkeit hat, sein Lieblingsumfeld, in dem er arbeiten möchte, aufzusuchen, muss man improvisieren. Ich habe mir schlichtweg die Kopfhörer aufgesetzt und meine „Denker“-Musik angemacht. Hat wirklich was gebracht. Erster Schritt ist also die Herstellung des besten und für jeden sehr individuellen Arbeitsumfeldes.

Grund-Modell basteln

Der zweiter Tipp und Schritt ist die Herstellung eines Grund-Modells. In unserem Beispiel dementsprechend ein Apfel. Auch wenn ein Apfel eigentlich jederzeit zur Verfügung steht, sollte ich trotzdem einen basteln, um mir dessen Eigenschaften klarzumachen. Klingt alles ein wenig gaga, ist aber echt hilfreich.

Also basteln wir einen Apfel, etwa. aus Styropor, da es sich am leichtesten bearbeiten lässt. Tipp meinerseits: Diese Styropor-Flocken sind die Hölle. Seht zu, dass ihr das an einem Ort macht, der keine statisch aufgeladenen Materialien hat (Teppich, Laminat, Stoff, etc.).

Das hergestellte Grund-Model ist nun die Vorlage für den eigentlichen „Apfel-Halter“. Je nachdem, wie dieser Halter aussehen soll, kann man nun mit Papier, Pappe, Holz, Styropor, Plastik, etc. weiterbasteln.

Den besten Entwurf finden – Eigenschaften

Ich würde gerne bei meinem Beispiel des Apfel-Halters bleiben. So lässt sich die nächste Überlegung auch sehr gut beschreiben.

Welche Eigenschaften soll nun dieser Apfel-Halter haben? Klingt simpel. Er soll halt einen Apfel halten. Aber man muss weiter denken. Er muss den Apfel auch halten können, wenn der schon angeknabbert ist. Der Halter darf also nicht durchweichen aufgrund des saftenden Apfels. Gleichzeitig muss der Halter den kleinen Apfel aus Nachbars Garten ebenso halten können, wie den genetisch veränderten Zuchtapfel mit seinen 500 g Eigengewicht.

Das klingt vielleicht lächerlich (gut, ich habe auch ein Stück übertrieben) aber es gibt da wirklich große Unterschiede. Wir Deutschen essen gerne Äpfel mit einem Durchmesser von ca. 7 cm. Die Engländer hingegen haben kleinere Äpfel von ca. 5 cm Durchmesser lieber. Das ist teilweise nichtmal so groß wie ein Pfirsich. In Russland hingegen steht man auf Äpfel mit ca. 10 cm Durchmesser. Dieses Wissen habe ich aus einer TV-Reportage und gilt als nicht näher recherchiertes und ungarantiertes Halbwissen, soll aber nur mein Beispiel untermahlen.

Den besten Entwurf finden – verschiedene Versionen

Wenn man denn nun glaubt, dass der Markt einen Apfel-Halter benötigt, dann sollte man auch bestrebt sein, das beste bzw. effektivste Produkt herzustellen. Also sollte man sich auch überlegen, wie so ein Apfel-Halter aussehen könnte. Beispielsweise kann man den Apfel ja in eine Art Mulde auf einem Brett legen, ihn aber auch auf einer Art Stil aufspießen oder ihn zwischen mehreren Stilen einklemmen. Es gibt also mehrere Wege zum Ziel. Um wirklich den besten Weg zu finden, sollte man sich auch ernsthaft mehrere verschiedene Apfel-Halter aus- und durchdenken.

Danach müssen die verschiedenen Halter auch tatsächlich gebaut und direkt in der Praxis getestet werden. Erst am Grund-Model, also dem Apfel-Model, und dann am Original-Objekt. Nicht zuletzt sollte man auch eine gewisse Stabilität garantieren können. Hier kristallisiert sich meist schon ein Model als das sinnvollste heraus. Das bedeutet aber nicht, dass alle anderen Modelle verworfen werden müssen. Klar hat man seinen Favoriten, aber im Laufe der Zeit könnten ja Probleme auftauchen, die ein anderes Model besser lösen kann. Genauso stellt sich die Frage, warum man denn nur eine Version auf den Markt werfen sollte. Also bitte nicht gleich alles anderen in den Müll feuern.

Der Prototyp

Wenn man nun glaubt, dass man sich des herzustellenden Models sicher ist, dann kann man einfach mal loslegen und den Prototypen so herstellen, wie man ihn eigentlich auch in der Massenanfertigung anfertigen möchte. In meinem Fall, und daher auch im Fall des Apfel-Halters, entstand ein Produkt aus Papier und eines aus Kunststoff. Welche Art von Kunststoff man da wählt ist vorerst irrelevant, denn mit den konkreten Eigenschaften muss man sich später auseinandersetzen (Flexibilität, Farbe, Lebensmittel-geeignet, Beschaffungspreis, etc.). Dies solltet ihr dann aber auch tun.

Den Prototypen aus Papier herzustellen ist wahrscheinlich die einfachste Methode und hängt sehr von den eigenen Origami-Künsten ab. Pappe und Papier gibt es im gut sortierten Schreibwarengeschäft in verschiedensten Stärken und Farben zu kaufen. Das ist erstmal kein Problem. Interessanter wird es beim Kunststoff. Meine Lösung für die Herstellung war nicht die Bastelstunde im Keller sondern der 3D-Druck.

Try Again. Fail again. Fail better.

Ist nun der Prototyp erstellt, geht es ans Ausprobieren. Bei meinem Papiermodel habe ich ca. 20.000 Mal nachbessern müssen, um das, meiner Meinung nach, beste Model am Ende in den Händen zu halten. Beim Kunststoff-Model sollte ich dann hoffentlich nicht so lange brauchen, sonst bin ich pleite.

Dieser Arbeitsgang kann allgemein recht ermüdend sein. Denn in dem Augenblick, wo man glaubt, die letzte Nachbesserung getätigt zu haben, stellt man fest, dass durch diese Nachbesserung an anderer Stelle wieder alles zu locker sitzt. Das kann ein paar Stunden und Tage so gehen. Zumindest ging es mir so. Da machte sich der Ratschlag vom Anfang wieder sehr gut – und aus meiner Denker-Musik wurde Beruhigungsmusik.

Ist dann endlich alles so weit, dass man tatsächlich einen funktionierenden Prototypen hat, geht es darum, sich klar zu werden, wie das in größeren Mengen hergestellt werden könnte. Also Möglichkeiten und Preise erkunden, aber davon erzähle ich euch in einem der weiteren Teile von „Unser Weg zum Start-up“.

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vonDenis Rotthardt
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Denis Rotthardt ist Gründer und hat auf BASIC thinking über seinen Weg zum Start-up in der gleichnamigen Kategorie berichtet.

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