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Coworking-Tische sind mehr als nur ein Brett mit vier Beinen

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von Gastautor

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Einfache Fragen bedürfen manchmal schwierige Antworten. Was ist ein Coworking Space ? Die Wikipedia beschreibt Coworking Spaces als Orte, an denen Arbeitsplätze und Infrastruktur zeitlich befristet zur Verfügung gestellt werden. Was Coworking wirklich ist, lässt sich allerdings nur sehr schwer definieren. Vor allem, was es einem bringen kann. Für mich persönlich ist es das Community-Management, das den Unterschied macht.

Ähnlich sieht es mit dem wohl elementarsten Bestandteil eines Coworking Space aus, dem Tisch. Es ist nicht möglich, genau zu definieren, was ein Tisch eigentlich ist. Ein an die Wand angebrachtes Brett wird genauso als Tisch angesehen, wie die traditionell anmutende Form eines Bretts mit vier gleich langen Beinen. Was ein Tisch ist, entscheidet sich deshalb, meiner Meinung nach ähnlich wie beim Begriff Coworking, von der Funktion her.

Im Sommer 2015 bin ich zusammen mit meiner Freundin Kati über zwei Monate lang durch Europa gereist und habe meine Arbeit von unterwegs erledigt. Wir haben damals 26 Coworking Spaces in 18 verschiedenen Städten gesehen. Inzwischen sind es viele mehr geworden. So unterschiedlich aber auch jeder Coworking Space ist, alle besitzen Tische, die den entscheidenden Ort darstellen, an dem Coworker ihrer Arbeit nachgehen.

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Tische sind oft vergessene Orte der Arbeit

Und trotzdem ist der Tisch wohl einer der letzten Gegenstände, über den nachgedacht wird. Wahrscheinlich ist die Auswahl der Kaffeemaschine für viele Coworking Spaces vermeintlich wichtiger. Die meisten Tische sind weiß, besitzen eine rechteckige Grundfläche, die den Raum darunter überspannt. Sie sind leer, denn in der heutigen Arbeitswelt gibt es kaum noch Papierdokumente, Schreibutensilien und Festnetztelefone, auch Monitore sind selten.

Was an einem Tisch wichtig sein kann, ist die Fläche. Wie ist sie gestaltet? Gibt es beispielsweise im Tisch verbaute Steckdosen oder sind LAN-Anschlüsse vorhanden? Auch Kabelklammern können sich als vorteilhaft erweisen. Wichtigster Punkt, und das möchte man erst nutzen, wenn man es einmal hatte, ist die Höhenverstellbarkeit. Purer Luxus, aber nicht mehr allzu selten. Manche Coworking Spaces, wie das Berliner St. Oberholz, für das ich als Coworking Manager arbeite, suchen nach Alternativen.

Vor wenigen Wochen haben wir für das St. Oberholz ein paar Dutzend ehemalige OP-Bestecktische aus einem tschechischen Krankenhaus erworben. An einem Tisch, auch wenn der Begriff im Namen vorkommt, erinnern diese aber nicht. Drei Rollen bilden die Grundlage des Tisches, deren Füße in eine senkrecht nach oben verlaufende Stange führen, von der wieder abstehend eine Platte angebracht ist, auf der heute MacBooks und andere Laptops ausreichend Platz finden. Damit transformieren wir auch, wie unsere Mitglieder arbeiten. Die wenigstens wünschen sich Veränderung, sie nehmen sie aber an, wenn sie passiert.

OP-Bestecktisch im St. Oberholz (Image: Tobias Schwarz, St. Oberholz)
Im St. Oberholz gibt es auch OP-Bestecktische fürs Coworking (Bild: Tobias Schwarz/St. Oberholz)

Die Funktion ist bestimmend, diese sollte neu gedacht werden

Durch die Besonderheiten eines OP-Bestecktisches lässt sich auch vollkommen neu arbeiten. Ich selber nutze den Tisch sehr gerne. Durch die Rollen kann ich auch meine Position im Raum verändern, mich meiner Umgebung anpassen und auf Faktoren wie Licht, Ton und Bewegungen individuell reagieren. Dies ermöglicht mir eine vollkommen neue Wahrnehmung meines Arbeitsplatzes. Etwas, dass ich vorher nicht einmal vermutet hätte.

Viele andere Coworking Spaces haben so etwas noch nicht, allerdings hat das St. Oberholz auch einen Entwicklungsvorsprung von mehreren Jahren. Ich vermute, wir werden Innovation den Tisch betreffend bald überall auf der Welt beobachten können. Bisher zeichnen sich die verschiedenen Coworking Spaces durch ihre Individualität aus. In der Farbe, manchmal auch in der Form des Tisches, finden sich bereits kleine Unterschiede in den europäischen Coworking Spaces.

Mein liebster Arbeitsplatz auf unserer Reise war gar kein Tisch im eigentlichen Sinne. In der belgischen Stadt Gent besuchten wir das LikeBirds, ein Coworking Space in der ehemaligen Kantine einer Gasfabrik. An den großen Fenstern befand sich ein langes Brett, an dem man arbeiten konnte. Es war für mich ideal: ein Platz mit Ausblick, Breite statt Tiefe, und reich an natürlichem Licht.

Tobias Schwarz in Gent (Bild: Kati Kremkau, CC BY 4.0)

Tobias Schwarz ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank “Institut für Neue Arbeit” gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

Artikelbild: Kati Kremkau, CC BY 4.0

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