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Ist Live-Streaming im Sport eine tickende Zeitbombe für TV-Sender?

Livestreaming Sport Fußball
geschrieben von Philipp Ostsieker

2016 ist ein Sportjahr mit zwei großen Höhepunkten: Unternehmen und TV-Sender rüsten sich daher sowohl für die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich als auch für die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Aber könnten 2016 auch die weltweiten TV-Zuschauerzahlen ihren Höhepunkt erreicht haben?

„Live-Streaming im Sport ist im Moment eine tickende Zeitbombe für klassische TV-Sender.“ So äußerte sich zumindest Pedro Avery, Global Chief Executive bei Haas Sports & Entertainment, während eines Panels der Advertising Week Europe und spielte damit auf die „Over-the-top Video-Plattformen“ (OTT) wie YouTube, Facebook und Twitter an. „Alle Sportsender müssen sich intensiv über ihre Rolle auf dem OTT-Markt Gedanken machen. Werbetreibende sind sehr dankbar für das Potenzial vieler zusätzlicher Optionen zur Segmentierung auf digitalen Kanälen.“

Live-Sport: das größtes Faustpfand oder die größte Herausforderung für TV-Sender?

Pedro Avery ist nicht der erste Branchenexperte, der die TV-Sender davor warnt, dass sie womöglich von den Millenials umgangen werden konnten, deren erster Impuls es ist, für Entertainment-Angebote online zu gehen.

Viele TV-Vertreter bestehen hingegen darauf, dass Live-Sport ein unabhängiges Phänomen darstellt. Denn: Nutzer wollen Sport live und auf einem großen Bildschirm sehen. Dafür sind z.B. Sky und BT bereit, 5 Milliarden Britische Pfund für die TV-Rechte an der britischen Premier League für die nächsten drei Jahre zu zahlen. Discovery hat die pan-europäischen Live-TV-Rechte für die Olympischen Spieler ab 2022 investiert.

Die größte Herausforderung der klassische Rechteinhaber wird es also sein, Pay-TV-Zuschauer auch online bzw. im mobilen Umfeld auf ihren Plattformen zu bleiben, während Google & Co. fleißig hochwertigen Content anbieten. In den USA steht der TV-Markt bereits vor ersten disruptiven Herausforderungen, nachdem etwa Twitter sich die Ausstrahlung einiger exklusiver NFL-Rechte gesichert hat.

Live-Streaming als tickende Zeitbombe? Pros und Contras

PRO: „TV-Sender bieten Expertise und Wissen. Obwohl die Nutzer jetzt Periscope und andere Arten von OTT-Plattformen schauen können, ist das Packaging der Inhalte das, was Konsumenten an das Medium TV bindet.“ (Jackie Fast, managing director, Slingshot Sponsorship)

CONTRA: „Der Schlüssel ist es, zwischen Rechtshaltern und TV-Sendern Partnerschaften mit Mehrwert aufzubauen. Das hilft dem Sport dabei, seine Präsenz in einem starken Wettbewerb zu verbessern und fördert auch den positiven Einfluss auf das Thema Sponsorship.“ (Sophie Goldschmidt, Group Managing Director, CSM Sport & Entertainment)

PRO: „Die Generation der Millenials konsumiert Sportinhalte bevorzugt über digitale Kanäle. Das wahrscheinliche Szenario ist, dass entsprechende Plattformen sich, zumindest mittelfristig,  neben den traditionellen TV-Sendern etablieren werden. (Misha Sher, Head of Sport and Entertainment, EMEA, MediaCom)

CONTRA: „Vielmehr als die Frage nach dem Medium ist die Frage entscheidend, wer die Sportrechte hält. Wir haben nach wie vor die traditionellen TV-Sender, weil sie über eine sehr große Kundenbasis verfügen, die entsprechende Umsätze generiert.“ (Steve Martin, Chief Executive, M&C Saatchi Sport & Entertainment)


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Über den Autor

Philipp Ostsieker

Philipp Ostsieker ist Medienmanager und Digitalstratege aus Hamburg. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit schreibt Philipp für BASIC thinking die Kolumne „Matchplan“, in der er über den Tellerrand blickt und durch die innovativen Ideen der Sportbranche führt.

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