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Kommentar: „Parship ist gewiss kein Engel, aber auch nicht der Teufel persönlich“

Parship, Liebe
geschrieben von Markus Werner

Stern TV zeigte letzten Mittwoch einen Beitrag über die fiese Abzockerei bei Parship. Der Bericht hinterlässt ein einseitiges und verzerrtes Bild in den Köpfen der Zuschauer. Da ist einiges schiefgelaufen. Ich möchte erklären, warum der Beitrag einen falschen Eindruck erweckt und die Sichtweise auf Parship relativieren. Ein Kommentar.

Am vergangenen Mittwoch strahlte stern TV einen Beitrag über Parship aus. Sicher hat der ein oder andere von euch diesen Bericht gesehen, falls nicht könnt ihr ihn bei stern TV nachschauen. In dem Beitrag geht es darum, wie Parship offenbar ganz gezielt seine Nutzer zum Kauf einer kostenpflichtigen Premiummitgliedschaft drängen will. Wer anschließend von seinem Widerrufsrecht gebraucht macht, dem drohen trotzdem hohe Kosten. Die Rede ist von einem sogenannten „Wertersatz“.

Garantierte Kontakte kommen bei Parship schnell zustande (Bild: Videoscreenshot)

Garantierte Kontakte bei Parship (Bild: Videoscreenshot)

Parship berechnet etwa 40 Euro pro garantierten Kontakt. Das Amtsgericht Hamburg urteilte bereits 2014, dass diese Praktik rechtswidrig sei. Das Urteil ist allerdings bis heute nicht rechtskräftig, da Parship damals in Berufung ging. Das zuständige Oberlandesgericht hat noch nicht entschieden. Besonders interessant fand ich in dem stern TV-Bericht die Geschichten der beiden Betroffenen – Christian S. und Sabine N. – die mich irritiert zurückließen. Warum? Das möchte ich euch im Folgenden kurz ausführen. Dazu muss ich zunächst aber etwas weiter ausholen.

Im vergangenen Jahr war ich selbst ein paar Monate bei Parship angemeldet und habe darüber meine jetzige Freundin kennengelernt. Auch ich habe eine Premiummitgliedschaft abgeschlossen, diese jedoch nicht widerrufen. Später, als wir uns als Paar abgemeldet haben, konnte ich meine Mitgliedschaft unkompliziert per E-Mail kündigen und hätte sie sogar einfach bis zum Laufzeitende an einen Freund oder eine Freundin übertragen können. Der Support von Parship war stets freundlich, hilfsbereit und ich hatte keinerlei Probleme.

Beide Betroffenen hätten sich den Ärger schenken können

Stern TV erweckt in seinem Bericht den Eindruck, als wären die beiden Geschädigten in der totalen Opferrolle und von Parship schamlos übers Ohr gehauen worden. Das stimmt allerdings so nicht ganz. Beide hätten sich den ganzen Stress und die entstehenden Kosten durchaus ersparen können, wenn sie sich mit der Plattform ausreichend beschäftigt und richtig gelesen hätten.

Die Anmeldung bei Parship ist kostenlos und dauert ca. 20 Minuten. Während der Registrierung wird ein Persönlichkeitstest gemacht, um das eigene Profil zu ermitteln. Darauf basiert das Matching für vorgeschlagene Personen. Jeder hat nach erfolgreicher Anmeldung die Möglichkeit, sich in aller Ruhe umzuschauen, um zu entscheiden, ob Parship einem zusagt oder nicht. Es gibt keine zeitliche Begrenzung.

Christian Stoll kritisiert im Bericht, dass er keine Bilder sehen konnte. Also schloss er eine Premium-Mitgliedschaft für 6 Monate ab. Parship bietet drei verschiedene Mitgliedschaften mit unterschiedlichen Leistungen an:

parship-preise

Parship: Premium-Mitgliedschaften im Detail

Bilder hätte er folglich mit dieser Mitgliedschaft nie gesehen. Zudem muss man wissen, dass Fotos bei Parship von vornherein unscharf dargestellt sind. Jeder Nutzer soll selbst entscheiden, wem er seine Bilder zeigen möchte. Das finde ich prinzipiell sinnvoll – wenngleich es für das Unternehmen natürlich auch gewinnbringend ist. Du musst dich zunächst mit dem Menschen dahinter und seinem Profil beschäftigen. In den Parship-FAQ wird das alles erklärt.

parship-bilder

Darum sind Bilder bei Parship verschwommen dargestellt

Bei Sabine N. war ich noch verwunderter. Sie meldet sich an, schließt quasi gleich eine Premiummitgliedschaft ab, nur um dann festzustellen, dass das Matching-System nichts für sie ist. Das hätte sie bereits mit einem kostenlosen Account herausgefunden.

stern TV erweckt einen falschen Eindruck

Stern TV zeigt den Zuschauern ein einseitiges, teilweise falsches und zugleich verzerrtes Bild von Parship. Beide Betroffenen haben im Grunde diese Situation selbstverschuldet. Das wird aber gekonnt unter den Teppich gekehrt und dem Unternehmen angelastet. Der Bericht verzerrt das Gesamtbild.

Man kann Parship ja viel vorwerfen, wie beispielsweise auch den irritierenden Werbeslogan „Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship.“ Aber keinesfalls, dass es seine Nutzer nicht ausreichend informiere. Auf das Thema „Wertersatz“ wird man vor dem Abschluss einer Premium-Mitgliedschaft offen hingewiesen. Genauso bieten die FAQ und zahlreiche Artikel, Videos etc. ausreichende Hilfestellung, um die Plattform kennenzulernen.

Die Art und Weise, wie Parship mit Nutzern umgeht, die von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch machen, ist definitiv kritikwürdig. Hier bleibt zu hoffen, dass es bald ein rechtskräftiges Urteil gibt und dieser Praktik den Riegel vorschiebt. Was Parship da abzieht, ist definitiv eine richtig miese Tour – in meinen Augen Abzocke, die derzeit leider legal scheint.

Und entsprechend ist das Unternehmen gewiss kein Engel, aber auch nicht der Teufel persönlich.


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Über den Autor

Markus Werner

Markus Werner (reraiseace) ist angehender Journalist und Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg. Er schreibt regelmäßig für SCREENGUIDE, BASIC thinking und seinen eigenen Blog reraise.eu über Android, IT Security, Netzpolitik und Webdesign.

5 Kommentare

  • trotz einiger kritischer Worte mutet dieser Artikel verdammt wie ein ungekennzeichneter „sponsored post“ an…
    just thinkin‘

    • Gibt es bei uns nicht und haben wir nicht nötig. Hier schildert ein Autor seine Erfahrungen mit Parship, relativiert das entstandene Bild und übt nebenbei Medienkritik an stern TV – das alles offen als Kommentar und damit Meinungsäußerung des Autors gekennzeichnet. Übrigens gab es erst kürzlich einen kritische(re)n Artikel über Parship bei uns – wir sind also weniger das Umfeld, in dem man einen Sponsored Post bucht als Dating-Portal.

      Auch wenn du eine andere Meinung hast, bitte halte solch haltlose Behauptungen zurück – wir sind eines der wenigen Magazine, das Sponsored Posts so extrem deutlich kennzeichnet (in der Kategorie, in der Überschrift und beim Autor). Viele Grüße!

      • Dann bitte ich darum, dass sie sich mit Bemerkungen, dass sei eine Behauptung, zurückhalten. Es ist sehr wohl ersichtlich, dass es sich um eine Meinung und keineswegs um eine Behauptung handelt!
        Ebenfalls Grüße!

  • Hallo, ich bin der oben genannte Herr Christian Stoll. Durch Zufall habe ich den Beitrag hier gefunden….und bin sehr verwundert! Offenbar hat der Herr Markus Werner nicht verstanden, um was es mir genau ging. Nämlich um das Widerrufsrecht von Parship, welches nicht wirklich ein Widerrufsrecht ist! Stellen sie sich vor, sie schließen einen Handyvertrag ab, und widerrufen diesen in der gesetzlichen Frist…der Betreiber sagt aber, sie müssen die kompletten Grundgebühren bezahlen, denn sie haben schon telefoniert!

    ….ohne Worte!

    Mit besten Grüßen
    C.Stoll

    • Ich habe sehr wohl verstanden, dass es in dem Stern TV Beitrag um das Widerufsrecht bei Parship und wie das Dating-Portal damit umgeht ging. Allerdings skizziert der Beitrag, wie in meinem Artikel beschrieben, auch ein sehr einseitiges und teilweise auch irreführendes Bild. Das ist eine Tatsache, die ich geraderücken wollte, da ich eben auch andere Erfahrungen gemacht habe.

      Im vorletzten Absatz steht:

      Die Art und Weise, wie Parship mit Nutzern umgeht, die von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch machen, ist definitiv kritikwürdig.

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