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Digital Natives im Berufsleben – Nur digital? Nicht optimal!

„Alles digital, immer online und mobil“. So werden die „Digital Natives“ in der Regel charakterisiert. Aber sind die technikbegeisterten Millennials, Centennials und die Generation X und Y Wirklichkeit oder Mythos? Warum bleiben viele Ausbildungsplätze in Deutschland unbesetzt und was müssen Unternehmen tun, um junge Talente an sich zu binden?

Die Digital Natives und ihre Karrieremöglichkeiten

Stimmt das Idealbild von den Digital Natives, dann wären die perfekten Arbeitgeber für sie Unternehmen wie Google, Facebook, Tesla & Co. oder eines der vielen Technologie-Start-ups. In der Tat gehen viele talentierte junge Menschen ins Ausland, um bei den großen Technologie-Konzernen zu arbeiten.

Realität ist aber auch, dass nicht alle bei einem hippen Start-up oder einem Branchenprimus unterkommen werden. Das wirft auch die Frage nach der generellen Kompatibilität dieser Generation und kleinen sowie mittelständischen Unternehmen auf.

Das Interesse am Mittelstand ist von ihren Seiten jedoch eher gering. Tragisch ist dieser Umstand, weil gerade in diesen Unternehmen die digital- und technikaffine Generation für die digitale Transformation dringend benötigt wird. Eine der wichtigen Führungsaufgaben ist daher, Unternehmensstrukturen stärker an den veränderten Bedürfnissen auszurichten.

Dazu müssen sich Unternehmen unter anderem die Frage stellen, was die digitale und analoge Generation unterscheidet und was sie voneinander lernen können.

Startup Stock Photo

Mehr IT-Support

Dazu ist es zunächst durchaus erhellend, sich ein genaues Bild vom aktuellen Wissensstand der neuen digitalen Generation zu machen. Denn einerseits beherrschen sie zwar den Umgang mit Snapchat & Co. perfekt, nutzen ganz selbstverständlich Cloud-Dienste und gehen ohne Smartphone nicht aus dem Haus. Andererseits ist all das aber nicht gleichbedeutend mit einem tiefgreifenden technischen Verständnis für IT-Technik.

Das belegte kürzlich auch eine Studie des Marktforschungsinstituts Vanson Bourne. Demnach ist es sogar so, dass die junge Generation im Vergleich zu älteren Mitarbeitern sich überproportional häufig an den IT-Support wendet. Desktop-Computer, Konferenztechnik oder Netzwerkinfrastrukturen bereiten ihnen dabei die größten Probleme.

Bestimmte Vorteile wie die geringen Berührungsängste mit digitalen Medien, können sich zudem im unternehmerischen Kontext sogar als problematisch erweisen. Ein zu „sorgloser“ Umgang mit digitaler Technik und Medien kann der Wirtschafts- und Industriespionage Tür und Tor öffnen. Im Vergleich zu Vertretern älterer Generationen gehen Digital Natives scheinbar grundlegend anders mit schwierigen Situationen und technischen Problemen um.

Ihre Lösungskompetenz ist nicht gleichermaßen ausgebildet und ihre Lösungsstrategien unterscheiden sich fundamental. Bei aller Kritik und Nachholbedarf ist aber wichtig festzuhalten, dass es sich bei diesem Personenkreis nicht um eine „Null-Block-Generation“ handelt. Sogar das Gegenteil ist der Fall.

Die Unterschiede zwischen den Generationen werden größer

Um angesichts dieser Herausforderungen eine passende Lösung zu finden, ist es wichtig, nach den Ursachen für die Gegensätze zwischen den Generationen zu suchen. Die Erfahrungswelt, die die unterschiedlichen Generationen prägen beziehungsweise prägten, wird immer markanter. Die jüngeren Generationen sind es gewohnt, dass alles immer sofort verfügbar ist. Angefangen bei der Internetverbindung über Gratis-Apps bis hin zu Waren und Produkten, die via E-Commerce ständig verfügbar sind.

Auch bei der Erziehung dienten im Vergleich zu vorherigen Generationen völlig neue Werte als Grundlage: Eltern haben Kinder viel stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden, haben sie zur Nachhaltigkeit erzogen, haben sie viel gelobt und auf ihre Selbstbestimmtheit hingewirkt. All das hat direkte Auswirkungen auf die Erwartungshaltung gegenüber dem zukünftigen Arbeitgeber und ihrem Arbeitsumfeld. Sie erwarten flache Hierarchien und ein unterstützendes Netzwerk.

Ein ausgeprägtes Bewusstsein für komplizierte und langwierige Lösungsstrategien fehlt ihnen, weil sie es gewohnt sind, dass jederzeit Abhilfe vorhanden ist. Zudem schwindet bei jüngeren Menschen nicht nur die Loyalität beispielsweise zu bestimmten Marken – auch im Berufsleben ist die Bereitschaft groß, sich schnell und kurzfristig umzuorientieren.

Es gilt, die Stärken zu erkennen

Die Digital Natives verfügen nichtsdestotrotz über wichtige Kompetenzen, die für Unternehmen wertvoll sind. Insbesondere wenn es um die digitale Transformation geht, ist es für Unternehmen wichtig, ihre Stärken zu erkennen und für sich zu nutzen. Das gilt vor allem für das Generationenverhältnis. Die älteren Generationen können von bestimmten Fähigkeiten und Kenntnissen durchaus profitieren.

Besonders dann, wenn es um Innovationsbereitschaft, Kreativität sowie um Kommunikations- und Marketingkompetenzen geht. Auch sind junge Menschen immer weniger dazu bereit, bestimmte Umstände einfach so hinzunehmen, wie sie sind. Gerade darum steckt in ihnen ein großes Veränderungspotenzial.

Um die Stärken der Digital Natives nutzen zu können, muss eine Grundeinsicht vorhanden sein: Keine Generation ist besser oder schlechter als die andere. Vertreter aller Generationen können heute voneinander lernen. Für Unternehmen ist es darum wichtig sicherzustellen, dass es zu einem Austausch zwischen den Generationen kommen kann. Dazu können Mentoren-Programme, generationenübergreifende Projekte oder geschützte Foren zum Austausch dienlich sein.

Investition in digitales Know-how ist zukunftsentscheidend

Digital Natives repräsentieren die Zukunft. Allein aus diesem Grund müssen Unternehmen sich an ihren Bedürfnissen und ihrer Erwartungshaltung orientieren – sei es als potenzielle Mitarbeiter oder Kunden. Gerade weil die Digital Natives sich selbst bei leicht zu lösenden technischen Aufgaben an den Support wenden, gilt es verstärkt in digitales Know-how zu investieren. Dadurch können nicht unerhebliche Kosten eingespart und zugleich eine Grundlage für die digitale Transformation geschaffen werden.

In Schulungen und Workshops müssen dazu frühzeitig die für die Arbeitswelt der Zukunft grundlegenden Kenntnisse, Kompetenzen und Verhaltensweisen vermittelt werden. Gleichzeitig muss das Arbeitsumfeld an die Besonderheiten der nachkommenden Generationen angepasst werden, um die Talente im Unternehmen halten zu können.

Denn diese sind zu Leistungen bereit, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Davon profitieren dann wiederum die Unternehmen, die so agiler, innovativer und durch und durch digital werden können.


Über den Autor: Thomas Müller ist Geschäftsführer der SOLCOM GmbH, einem der führenden branchenübergreifenden Technologiedienstleister in den Bereichen Informationstechnologie und Engineering. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet SOLCOM als Partner global agierender Spitzenunternehmen. Aus dieser Erfahrung heraus schreibt er über Trends und technische Neuerungen im Bereich der IT und der Digitalisierung.


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1 Kommentar

  • „Keine Generation ist besser oder schlechter als die andere.“ Genau das kann gar nicht genug betont werden. Manche Probleme sind zudem hausgemacht: Wer als Betrieb totale Flexibilität fordert, bekommt diese mitunter mit einer fehlenden Bindung zum eigenen Unternehmen zurückgespiegelt (= flexible Arbeitgebersuche). Vorteilhaft ist es zudem fast immer, die jeweiligen Stärken auszutauschen: Die Jungen erweitern mit ihrem selbstverständlichen technischen Verständnis die neuen digitalen Möglichkeiten, während viele „Alte“ oft eine sehr gute Intuition aufweisen und eine breite Kenntnis des Marktes – auch abseits des Digitalen – mitbringen. Kein „entweder oder“ – hier ist Austausch und Kooperation der Weg.

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