Wie die Indian Premier League die indische Sportwelt revolutioniert hat

Wie die Indian Premier League die indische Sportwelt revolutioniert

Philipp Ostsieker

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In Deutschland fristet Cricket ein Schattendasein. Dabei hat kaum eine Sportart weltweit eine so lange Tradition. In Ländern wie Indien, Australien oder Pakistan zählt Cricket zum nationalen Kulturgut. Das spannendste Projekt im Sport ist zweifelsohne die Indian Premier League (IPL). Warum die IPL nicht nur auf den Sport, sondern Indien als Sportnation beeinflusst hat, lest ihr hier.

Seit ihrem Debüt in 2008 hat die Indian Premier League eine rasante Entwicklung genommen. Im Wesentlichen hat die IPL die Twenty20-Version von Cricket etabliert und die Entwicklung Indiens zu einer führenden Sportnation unterstützt. Viele behaupten sogar, die Indian Premier League habe den Sport in Indien revolutioniert.

Anders als etwa in Europa sind Sportligen in Indien ein neuartiges Phänomen. Mittlerweile spielen Cricket-, Fußball- oder Hockey-Teams in verschiedenen Ligen. Wie kam es dazu?

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Die erste Sportliga in Indien war nicht die bereits erwähnte IPL. 2007 gründete Zee Entertainment die private Cricket-Liga ICL. Zwischen 2007 und 2009 spielte die ICL ebenfalls im modernen Twenty20-Modus. Die Liga scheiterte letztlich an der fehlenden Anerkennung seitens der Board of Control for Cricket in India (BCCI).

Die BCCI nahm jedoch den Grundgedanken auf, was 2008 zur Gründung der IPL führte. Das Ziel war es, Cricket-Stars zu motivierten, abseits des Nationalteams an heimischen Turnieren teilzunehmen. Dabei dauert der Wettbewerb nicht einmal zwei Monate. Die 10. Ausgabe der Liga fand vom 5. April bis zum 21. Mai statt.

Indian Premier League: Cricket + Bollywood

Im Gegensatz zu Sportarten wie Fußball existiert kein Ligasystem, in dem die Teams am Saisonende auf- oder absteigen können. Jedes Jahr beginnt die Liga von neuem. Deshalb werden die Spieler vor jeder Saison von den einzelnen Franchises in der „IPL-Auction“ ersteigert. Vor der ersten Saison fand 2008 eine Sonderversteigerung statt, bei der nahezu alle der weltweit besten und bekanntesten Cricketspieler zur Auswahl standen.

Trotz verschiedener Widrigkeiten wird die Indian Premier League mittlerweile als Erfolg gewertet. Das sportlich beliebte Twenty20-Format wird mit einem umfangreichen Unterhaltungsangebot kombiniert. Seitdem die Spiele am Abend ausgetragen werden, locken sie automatisch mehr Zuschauer als zuvor an.

Für die ersten zehn Saisons einigte sich die IPL mit Sony Entertainment auf die TV-Ausstrahlung. Die Spiele waren somit für sehr viele Menschen verfügbar. Auffällig ist die hohe Anzahl weiblicher Fans (35 Prozent), die sich über die Jahre entwickelt hat. Die Einbindung populärer Bollywood-Stars wie Sah Rukh Khan als Markenbotschafter oder Klub-Besitzer trägt enorm zur Popularität der Liga bei.

Die Zuschauerzahlen der IPL sind exponentiell gewachsen. 2016 erreichte die Liga laut EY 362 Millionen Menschen. Dies entspricht einem Anstieg von ca. 250 Prozent gegenüber der Auftaktsaison, 88 Prozent gegenüber der Vorsaison. Das BCCI verdient mit der IPL jährlich mittlerweile 600 Millionen Dollar.

Rupert Murdoch und Star India zahlten im September 2,55 Milliarden Dollar für die globalen Medienrechte an der IPL. Der Deal gilt für fünf Jahre und beinhaltet sowohl TV- als auch digitale Rechte. Bei letzteren konnte Star India sogar Facebook ausstechen. Der Tech-Gigant bot laut CNBC 600 Millionen Dollar für den Zeitraum 2018 bis 2022.

Stand 2016 konnte die IPL auf 20,1 Millionen Social Media Follower sammeln.

IPL beeinflusst die indische Sportwelt

Eine der spannendsten Erfolgsgeschichten stellt der hohe Anteil weiblicher Zuschauer (40 Prozent) dar. Zudem ist das 40-prozentige Zuschauerwachstum in ländlichen Regionen seit 2008 bemerkenswert.

Aber die IPL hat nicht nur den Cricket-Sport positiv beeinflusst. In den letzten Jahren sind einige weitere Sportligen in Indien entstanden. Zwischen 2016 und 2020 sind ganze acht neue Ligen geplant, darunter Boxen, Segeln, Poker und auch eSports. Zuletzt konnten sich neben Cricket besonders zwei Sportligen profilieren.

Die Indian Soccer League (ISL) wurde 2014 zur Fußballliga mit der weltweit vierthöchsten Zuschauerzahl. Das Saisonfinale verfolgten 41 Millionen Menschen, plus 41 Prozent zur Vorsaison. Die gesamte Saison verfolgten 216 Millionen Menschen. Titel-Sponsor HeroMoto Corp zahlt der ISL für die nächsten drei Jahre 25 Millionen Dollar.

Ein weiterer Sport, der sich enorm etabliert hat, ist Kabaddi. Kabaddi ist eine uralte Sportart aus Südasien, bei der Mannschaften wechselweise versuchen, Spieler aus der gegnerischen Menschenkette herauszulösen. Dabei dürfen sie nur eines nicht: Luft holen.

Die Pro Kabaddi League (PKL) wurde 2014 gegründet. Der Sport wuchs 2016 dank zweier Ausgaben der PKL sowie der WM der Herren. Die Zuschauerzahlen haben sich in den letzten vier Saisons verdoppelt. Die PKL befindet sich in etwa auf Augenhöhe mit der Indian Soccer League.

 

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Philipp Ostsieker ist Medien- und Digitalmanager aus Hamburg. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als selbstständiger Digital Content Strategist schreibt Philipp für BASIC thinking die Kolumne „Matchplan“, in der er über den Tellerrand blickt und durch die innovativen Ideen der Sportbranche führt.