Wissenschaftler finden schnellste Methode, um ins Flugzeug zu steigen

Marinela Potor
Was ist die schnellste Boarding-Methode, um ins Flugzeug zu steigen? (Foto: Pixabay / skeeze)

Anzeige

Was ist die schnellste Methode, um in ein Flugzeug zu steigen? Sollten erst alle langsamen oder alle schnellen Passagiere  einsteigen? Eine neue Studie hat nun den schnellsten Weg berechnet – und es scheint völlig unlogisch.  

„Wir bitten zunächst alle Passagiere, die Hilfe brauchen und alle Passagiere mit Kindern zum Gate.“ So tönt es bei vielen Fluglinien aus den Lautsprechern, wenn der Boarding-Prozess beginnt. Denn die meisten Flugzeuge folgen diesem Prinzip, wenn es ums Einsteigen geht: die Langsamen zuerst, die Schnelleren später.

Das scheint, rein intuitiv betrachtet, unlogisch. Wäre es nicht viel effizienter, erst die schnellen Passagiere ins Flugzeug zu lassen, als alle auf die langsameren warten zu lassen?

UPDATE Newsletter BASIC thinking

Du willst nicht abgehängt werden, wenn es um KI, Green Tech und die Tech-Themen von Morgen geht? Über 10.000 Vordenker bekommen jeden Tag die wichtigsten News direkt in die Inbox und sichern sich ihren Vorsprung.

Nur für kurze Zeit: Anmelden und mit etwas Glück Beats-Kopfhörer gewinnen!

Mit deiner Anmeldung bestätigst du unsere Datenschutzerklärung. Beim Gewinnspiel gelten die AGB.

Nein! Eine neue Studie hat nun berechnet: Wenn langsamere Fluggäste zuerst boarden, ist der Prozess sogar um 28 Prozent schneller.

Warum ist das überhaupt wichtig?

Nun fragst du dich vielleicht, warum das überhaupt so wichtig ist. Schließlich können die paar Minuten mehr oder weniger beim Einsteigen ja nicht so viel ausmachen. Doch! Zu langsames Boarding ist tatsächlich einer der Hauptgründe für Flugzeug-Verspätungen.

Das betrifft nicht nur deinen eigenen Flug. Da Flughäfen so eng getaktet sind, kommt es tatsächlich auf jede Minute an. Wenn ein Flugzeug nicht rechtzeitig starten kann, hat das einen Domino-Effekt, der viele andere Flüge betrifft.

Am Ende profitieren also Flughäfen, Fluglinien und natürlich die Passagiere davon, wenn der Boarding-Prozess so effizient wie möglich läuft.

Doch tatsächlich ist es gar nicht so einfach zu klären, was die schnellste Methode ist, um in ein Flugzeug einzusteigen, weil es eben von langsamen Passagieren über viel Kabinengepäck so viele unterschiedliche Faktoren zu beachten gilt.

Genau deshalb fasziniert diese Frage nicht nur Airlines, sondern auch Wissenschaftler seit Langem.

In Wellen ins Flugzeug

Ein Forscher, der seit vielen Jahren an diesem Rätsel knabbert, ist Jason Steffen, ein Physik-Professor an der University of Nevada. Bei einer seiner Untersuchungen zu dem Thema wollte Steffen etwa wissen, ob es wirklich am schnellsten ist, das Flugzeug von hinten nach vorne zu befüllen.

Auch hier denkt man intuitiv: na klar! Doch ganz so einfach ist es doch nicht. Steffen stellte fest, dass man zwar von hinten nach vorne boarden sollte, aber immer im Abstand von zwei Reihen.

Also: Zunächst steigen zum Beispiel alle Passagiere der Reihen 26 A, 24 A, 22 A und so weiter ein. Dann kommen die Passagiere der Reihen 27 A, 25 A, 23 A. Warum ist das schneller? Weil die Passagiere so mehr Platz haben, sich weniger im Weg stehen und sich als Ergebnis mehrere Leute gleichzeitig hinsetzen können.

Dieses gleichzeitige Hinsetzen ist tatsächlich der Schlüssel zum schnellen Boarding. Je mehr Menschen sich zur gleichen Zeit setzen, desto schneller können andere Passagiere nachrücken und desto schneller ist der Prozess am Ende.

Tatsächlich konnte Steffen beweisen, dass seine Wellenmethode doppelt so schnell ist wie das einfache Boarding von hinten nach vorne und sogar 20 bis 30 Prozent schneller als beliebiges Boarding.

Steffen Methode Flugzeug, Boarding
Die „Steffen-Methode“ illustriert. (Foto: Screenshot / YouTube)

Eine neue Studie hat die „Steffen-Methode“ nun weitergesponnen und sich eine weitere Frage gestellt: Ist es wirklich schneller, wenn alle langsamen Passagiere zuerst ins Flugzeug steigen?

Wie Steine und Sand im Glas

Dazu haben die Wissenschaftler mathematische Prinzipien zugrunde gelegt, auf denen auch Einsteins Relativitätstheorie basiert. Die Wissenschaftler gehen dabei davon aus, dass das Verhalten eines Passagiers den Einsteig-Prozess der anderen beeinflusst.

Wenn eine Person beispielsweise lange braucht, um sich hinzusetzen, kann die Person dahinter nicht nachrücken, was wiederum das Einsteigen insgesamt verlangsamt.

Auch bei der Frage nach langsamen und schnellen Passagieren ist das Ziel also, dass sich so viele Fluggäste wie möglich gleichzeitig hinsetzen können. Zwei Faktoren, die die Wissenschaftler dabei berücksichtigt haben, sind:

  • Wie lange braucht jemand, um zu seinem Sitz zu gelangen?

Und:

  • Wie lange braucht jemand, um sich hinzusetzen?

Dabei stellten die Forscher fest: Es ist wirklich schneller, wenn sich die langsameren Passagiere zuerst hinsetzen. Doch für die meisten von uns klingt das komplett unlogisch. Man erwartet normalerweise, dass es schneller geht, wenn sich erst alle schnellen Passagiere fix hinsetzen und dann im Anschluss erst die langsamen.

Die mathematischen Modelle zeigten aber, dass dieser Eindruck trügt. Das zeigt sich vor allem in dem Moment, in dem die Gruppen überlappen.

Wenn also erst alle schnellen einsteigen, gibt es am Ende einen Punkt, in dem noch einige schnelle Passagiere ins Flugzeug steigen und schon die ersten langsamen. Da die langsameren Passagiere in etwa viermal so lange zum Hinsetzen brauchen, können sich nur sehr wenige langsame Passagiere gleichzeitig mit den schnellen hinsetzen.

Zur Erinnerung: Je weniger gleichzeitig passiert, desto langsamer ist der ganze Prozess.

Wenn man das Szenario aber umdreht, können sich mit den letzten langsamen Passagieren sehr viel mehr schnellere Passagiere, die jetzt nachrücken, gleichzeitig auf ihre Plätze setzen.

Man kann das auch mit dem Stein-Sand-Bild vergleichen. Es ist sehr viel schwieriger, große Steine in ein Glas voller Sand zu platzieren als erst die Steine ins Glas zu legen und dann den Sand darüberzustreuen.

Unterm Strich ist es deshalb schneller, das Flugzeug erst von langsamen und dann von schnellen Passagieren besteigen zu lassen.

Theorie und was Menschen in der Praxis tun

Die Wissenschaftler behaupten sogar: Ihr Rechenmodell sei universell übertragbar. Theoretisch müsste es also für alle Einsteig-Situationen gelten.

Gleichzeitig geben die Forscher aber auch zu bedenken, dass natürlich noch viele andere Faktoren mit hineinspielen. Auch schnelle Passagiere können sehr lange brauchen, wenn sie ungewöhnlich viel Kabinengepäck dabei haben.

Natürlich beachten auch nicht alle Fluggäste die Anweisungen zum Einsteigen oder kommen zu spät zum Gate, sodass der ganze Prozess nie so ordnungsgemäß abläuft wie in einem theoretischen, mathematischen Modell.

Dennoch glauben die Wissenschaftler, dass ihre Studie Fluglinien helfen kann, den Boarding-Prozess zu beschleunigen. Auch kann es nur hilfreich sein, wenn Passagiere besser verstehen, warum sie in so „unlogischer“ Reihenfolge ins Flugzeug gerufen werden.

Denn am Ende profitieren eigentlich sie am meisten davon.

Zum Weiterlesen

Zins-Knaller bei der NIBC!

Eröffne jetzt dein kostenloses NIBC Tagesgeld und erhalte bis zu 2,75 Prozent Zinsen auf dein Geld – bei täglicher Verfügbarkeit!


Jetzt Zinsen sichern

Voraussetzungen gelten, Anzeige

STELLENANZEIGEN
Senior SAP Consultant FI/CO (f/m/div.)
Bosch Gruppe in Wetzlar
Vertriebsingenieur (Ingenieur Maschinenbau / ...
a2tec GmbH in Hamburg
Digital Marketing Manager (m/w/d)
Schwer Fittings GmbH in Denkingen
Personalberater (m/w/d)
Ratbacher GmbH - Karriere bei Rat... in Stuttgart, M...
Organizational Integration Manager (m/f/d)
Clarios Germany GmbH & Co. KG in
Vehicle Testing Lead (m/f/d)
Clarios Germany GmbH & Co. KG in
Sales Manager (m/w/d) Online Marketing
Sellwerk GmbH & Co. KG in Düsseldorf, Meerbusch, Kaa...
Sales Manager B2B für Stellenanzeigen und Soc...
Recruiting Excellence GmbH in Düsseldorf
THEMEN:
Teile diesen Artikel
Folgen:
Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt.