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Wieso Strom? Das Unternehmen Verbio betankt Autos mit Stroh!

Marinela Potor
Aus Stroh macht das Unternehmen Verbio Biokraftstoff. (Foto: Pixabay / Gerhard Bögner)

Autos mit Strom antreiben? Von wegen! Das Unternehmen Verbio aus Brandenburg hat eine Alternative gefunden: Biogas aus Stroh. Der Kraftstoff stößt angeblich 90 Prozent weniger CO2 aus als Diesel und Benziner. 

„Effizient. Wegweisend. Weltweit einzigartig.“ Mit diesen Attributen wirbt das Unternehmen Verbio aus Pinnow in Brandenburg um sein Produkt: Biogas aus Stroh.

Vier Strohballen (zwei Tonnen) seien demnach genug, um den durchschnittlichen Jahresbedarf eines Pkw zu decken. Dieser „Kraftstoff der Zukunft“ sei somit nachhaltig, effizient und ressourcenschonend, behauptet Verbio.

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Verbio macht aus Stroh nachhaltiges Biogas

Um aus Stroh am Ende Bioerdgas zu erhalten, hat das Unternehmen ein eigenes Verfahren entwickelt. Zur Herstellung nutzt das Unternehmen neben Stroh ausschließlich Schlempe, ein Abfallprodukt aus der Bioethanolproduktion.

Die Biogas-Herstellung erfolgt dann in mehreren Schritten. Zunächst lässt sich Verbio das Stroh liefern. Dann muss dafür gesorgt werden, dass die Strohballen nicht mehr als 20 Prozent Feuchtigkeit enthalten. Im nächsten Schritt zerkleinert man schließlich das Stroh und lässt es, angereichert mit Bakterien und einer Flüssigkeit, in Fermentern 30 Tage lang gären.

Die Fermenter haben ein Fassungsvermögen von 8.000 bis 10.000 Kubikmeter.

Nach dem Gärungsprozess erhält man ein Rohbiogas. Dieses wird anschließend gereinigt und aufbereitet, um den Methan-Gehalt so zu erhöhen, dass daraus antriebsfähiger Kraftstoff entstehen kann.

Als Endprodukte erhält man neben Biogas auch CO2, Schwefel und anorganische Elemente. Aus den Abfallprodukten, unter anderem ein „Stroh-Humus“, entsteht in einem weiteren Verfahren Biodünger. Das Biogas speist Verbio schließlich ins Erdgasnetz ein.

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So entsteht aus Stroh Biogas und Dünger. (Grafik: Verbio)

Das Verfahren von Verbio ist darum nachhaltiger als viele andere Erdgas-Produktionen.

Positive Klimabilanz ab erster Fahrt

In erster Linie nutzt Verbio lediglich Stroh und Schlempe. Damit entsteht das Biogas nicht aus Nahrungsquellen – ein häufiger Kritikpunkt an dem Kraftstoff. Es gibt somit keine Konkurrenz zu Lebensmitteln und es müssen auch keine zusätzlichen Flächen gerodet werden.

Weiterhin hat das Unternehmen sein Verfahren derart perfektioniert, dass die Bakterien mit sehr wenig Rohstoff sehr viel Kraftstoff herstellen können. Das macht das Stroh-Biogas auch ressourcenschonend.

Und schließlich kann das Unternehmen selbst die Abfallprodukte aus dem Produktionsverfahren weiterverwenden, was ebenfalls Rohstoffe und Energie spart.

Mit diesem Biogas können dann theoretisch CNG-Autos angetrieben werden. Angeblich entsteht mit dem Verbio-Gas so 90 Prozent weniger schädliches CO2 bei der Verbrennung als in einem Diesel- oder Benzinauto.

Anders als Stromer müssen die CNG-Autos mit dem Biogas von Verbio auch nicht erst einige Jahre fahren, bis sie (im Vergleich zu Verbrennern) eine positive Klimabilanz aufweisen können. Sie haben diese sofort ab der ersten Fahrt.

Genau darum fordern Lobby-Verbände immer wieder, dass auch Bio-Erdgas stärker staatlich gefördert werden sollte. Befürworter glauben, dass Biogas zumindest als Zwischenlösung ideal ist, um die CO2-Bilanz entsprechend der Klimaziele der Bundesregierung umsetzen zu können.

Doch Unternehmen wie Verbio haben ein Problem. Kaum jemand fährt ein CNG-Auto in Deutschland. Ihr Anteil beträgt lediglich 0,2 Prozent. Das Verbio-Gas findet sich so auch lediglich an 116 von insgesamt 14.000 Tankstellen.

Das könnte sich möglicherweise ändern.

Raffinerien in Indien und USA geplant

Gegenüber von Business Insider sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums, dass man „die Mindestquote für fortschrittliche Biokraftstoffe bis 2030“ anheben möchte, gegebenenfalls durch „weitere Anreizinstrumente“.

Eine alternative Nutzung für Biogas könnte aber auch der Wärmesektor sein.

Doch Verbio blickt schon weiter. Das Unternehmen plant bereits weitere Raffinerien zu bauen – allerdings nicht in Deutschland. Diese sollen stattdessen in den USA und in Indien stehen.

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Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt.