Wirtschaft

Frauen und Gründen – Ein Thema, das keines mehr sein sollte!

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Unsplash.com/ Brooke Lark
geschrieben von Gerold Wolfarth

Ich habe durch meine Tätigkeiten als Start-up-Mentor und Investor tiefe Einblick in junge Unternehmen. Und es lässt sich nicht wegdiskutieren: Die meisten davon werden von Männern gegründet und geführt. Die Frauenquote ist nach wie vor gering. Hier muss sich so einiges tun.

Der Startup-Monitor 2021 zeigt auf, dass der Anteil von Gründerinnen aktuell bei 38 Prozent liegt. Im Start-up-Ökosystem sogar nur bei 17,7 Prozent. Das ist zu wenig!

Wie Nicole Hoffmeister-Kraut im Female Founders Report 2021 schreibt, gelten Frauen als „Trendsetterinnen einer nachhaltigen und gemeinwohlorientierten Betriebswirtschaftslehre, die unternehmerische Selbständigkeit mit ökonomischem Erfolg, sozialer Verantwortung und ökologisch bewusstem Umgang mit globalen Ressourcen verbindet.“


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Auch ich selbst erlebe immer wieder großartige Gründerinnen mit tollen Geschäftsideen und ausgeprägten unternehmerischen Fähigkeiten. Sie stehen den Männern dabei in rein gar nichts nach. Und dennoch gibt es weniger Frauen in Gründungs- oder auch Führungspositionen.

Typisch Frau – Typisch Mann?

Interessant ist für mich dabei der Blick auf den Frauenanteil bei Gründungen in den verschiedenen Branchen, wie er im Female Founders Report dargestellt wird. So ist dieser in der Textilbranche am höchsten, gefolgt von Biotech und Medizin sowieso Bildung.

Die aufstrebende und finanzstarke IT-Branche liefert insgesamt zwar die höchste Gründungsaktivität, doch sie ist sehr männlich besetzt. Nur sechs Prozent Frauenanteil gibt es bei Start-ups in diesem Bereich. Ein Ansatzpunkt ist, dass diese Verteilung zu großen Teilen mit der Geschlechterverteilung in verschiedenen Ausbildungen und Berufsgruppen zusammenhängt.

Das heißt, dass Frauen schon in jungen Jahren eher in Bereiche gehen – oder gedrängt werden – in denen weniger gegründet wird. In immer noch „typisch männlichen“ Bereichen wie Wirtschaftsfächern, Ingenieursfachrichtungen oder IT sieht das anders aus.

Hier muss ein Umdenken schon im Schulalter eingeleitet und Frauen verstärkt motiviert werden, sich nicht nur auf „typisch weibliche“ Berufe zu beschränken.

Frauenquote: Wer hat die Kohle?

Des Weiteren lohnt sich auch der Blick auf die Kapitalunterschiede zwischen von Männern und von Frauen gegründete Unternehmen. Start-ups benötigen Kapital. Doch weiblich geführte Start-ups haben deutlich weniger Zugang zu Risikokapital als ihre männlichen Kollegen.

Unternehmerin Tijen Onaran beschreibt im Interview im Female Founders Report, dass Risikokapitalgeber zu 97 Prozent von Männern geführt werden und diese wohl auch lieber in Männer investieren. Frauen müssen daher häufiger auf Eigenkapital zurückgreifen. Woran das liegt? Da kann ich nur spekulieren.

Fehlende soziale Sicherheit: Ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft

Doch als letzten Punkt möchte ich noch auf die fehlende finanzielle Sicherheit zum Beispiel nach der Geburt eines Kindes hinweisen, die Claudia Gather in einem Artikel im Wirtschaftsdienst anführt.

Dass dieser Aspekt weiterhin ein ernsthaftes Problem für viele Gründerinnen darstellt, ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft. Wenn Frauen schon bei der absoluten Basis – nämlich der Sicherung der eigenen Existenz bei einer Gründung – alleine gelassen werden, dann muss dieses Problem sofort angegangen werden.

Denn wir verlieren hier wirtschaftliches Potenzial, wir verpassen echte Innovationen und verhindern die Gründung potenziell sehr erfolgreicher Unternehmen in Deutschland.

Frauenquote: Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

Auch in meinem Mentoring-Programm für Start-ups (Invest3Grow) habe ich deutlich mehr Bewerbungen von Männern als von Frauen erhalten. Ähnliches musste ich bei der Besetzung von Führungspositionen kürzlich erleben. Ich habe schlicht keine Bewerbungen von Frauen auf einige Positionen erhalten.

Als Ehemann, Vater einer Tochter und Unternehmer mit vielen weiblichen Angestellten, erlaube ich mir das Urteil, dass Frauen in vielen Punkten wie Eigeninitiative, Belastbarkeit, Selbstentwicklung, Ergebnisorientiertheit sowie Integrität oder Ehrlichkeit häufig stärker als Männer sind.

Und ja, es gibt natürlich auch Frauen, die einfach keine Lust auf Gründen haben. Aber für alle die genau das wollen, gilt es sämtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit keine gesellschaftlichen Ungleichheiten ihre Chancen auf Erfolg verhindern.

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Über den Autor

Gerold Wolfarth

Gerold Wolfarth ist Gründer und CEO der bk Group AG, dem europäischen Marktführer im Ladenbau und technischem Facility Management. Als Familienunternehmer, Startup-Mentor, Serial-Investor, Chairman des Unternehmernetzwerks THE GROW, Geschäftsführer des Ökovation Ventures Fonds und Autor des Buches „Gewinn ist nur ein Nebenprodukt“ ist er Experte für Innovationen und sucht zukunftsträchtige Ideen sowie neue Wege für Unternehmen. So betreibt er mit der bk World selbst die modernsten Ladeparks der Welt in Kooperation mit TESLA.
Gleichzeitig lebt er eine werteorientierte Führungskultur, welche Menschlichkeit und die Familie in den Mittelpunkt stellt.

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