Apple hinkt der Konkurrenz im KI-Wettstreit hinterher. Nun scheint der eher akquisitionsscheue iPhone-Konzern über einen Strategiewechsel nachzudenken und zieht offenbar einen Kauf der KI-Unternehmen Mistral und Perplexity in Erwägung.
Hintergrund: Apple erwägt Kauf von Perplexity und Mistral
- Berichten zufolge soll Apple bereits im Juni 2025 interne Gespräche über ein Angebot für Perplexity geführt haben. Die KI-Suchmaschine wurde im Rahmen einer Finanzierungsrunde nur einen Monat später mit 18 Milliarden US-Dollar bewertet. Das Unternehmen wird unter anderem von Nvidia und Amazon-Gründer Jeff Bezos finanziell unterstützt.
- Traditionell setzt Apple primär auf die Entwicklung eigener Produkte. Die bisherige Strategie: abwarten und verbessern. Der iPhone-Konzern hat entgegen einer weit verbreiteten Annahme etwa nicht das erste Smartphone erfunden. Apple hat es aber auf ein neues Level gehoben. Ähnlich war es beim iPad. Diese Strategie geht auf Software-Ebene aber nicht auf. Denn: KI entwickelt sich rasant weiter.
- Das französische KI-Unternehmen Mistral, das den Chatbot Le Chat entwickelt hat, strebt in einer Finanzierungsrunde eine Bewertung von zehn Milliarden US-Dollar an. In der Theorie sind Mistral und Perplexity zusammen also etwa 29 Milliarden US-Dollar wert. Das könnte Apple fast schon aus der Portokasse zahlen. Denn der iPhone-Konzern soll allein im Geschäftsjahr 2024 einen Nettogewinn von rund 94 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet haben.
Einordnung: Apples KI-Eingeständnis
Die Gedankenspiele über einen Kauf von Perplexity oder Mistral sind wie ein leises Eingeständnis. Denn: Apple ist beim Thema KI an seine Grenzen gestoßen. Die bisherige Strategie, die sich beim iPhone und iPad noch als Geniestreich entpuppte, ist bei KI wie pure Trödelei, durch die das Unternehmen weiter ins Hintertreffen geraten ist.
Ein Kauf wäre zugleich aber ein Tabubruch: Denn Akquisitions-Muffel Apple müsste zum ersten Mal so richtig tief in die Tasche greifen. Finanziell dürfte das zwar kein Problem sein, der iPhone-Konzern würde aber ein Stück weit von seiner Unternehmenskultur abrücken und die mühevoll aufgebaute Apple-Mythologie aufgeben.
Die Übernahme von Mistral oder Perplexity würde aber auch ein gewisses Risiko darstellen. Denn immer mehr Experten sprechen von einer KI-Blase als Folge eines übertriebenen Hypes. Viele Unternehmen seien demnach überbewertet.
Stimmen
- Apple-Chef Tim Cook schwor seine Belegschaft bereits Anfang August 2025 auf einen neuen KI-Kurs ein: „Eine der bedeutendsten Technologien unserer Zeit. Wir erhöhen unsere Investitionen erheblich. Wir integrieren sie in unsere Geräte, unsere Plattformen und unser gesamtes Unternehmen. Wir sind offen für Fusionen und Übernahmen, die unsere Roadmap beschleunigen.
- Journalist und Technologie-Experte Alex Kantrowitz auf seinem Blog: „Der Kauf von Perplexity durch Apple ist für beide Unternehmen ein so offensichtlich gutes Geschäft. Apple würde einen echten KI-Dienst erhalten, den es direkt in Safari und Siri integrieren könnte und der sein enttäuschendes KI-Angebot aufwerten würde. Perplexity würde Zugang zu den über 2 Milliarden Apple-Geräten erhalten, die derzeit im Umlauf sind, und zu einer KI-Größe auf Augenhöhe mit ChatGPT werden.“
- Steve Kovach, Technologiekorrespondent für CNBC, glaubt nicht an einen Kauf von Perplexity oder Mistral: „Das M&A-Team bei Apple, die spielen ständig solche Szenarien durch. Sie haben sich sogar mal Tesla angeschaut. Aber Apple mag diese großen Übernahmen nicht. Stattdessen werden sie versuchen, Partnerschaften einzugehen oder Technologien zu lizenzieren – von einem dieser großen LLM-Anbieter. Sie werden darauf aufbauen und es selbst machen.“
Ausblick: Kauf Apple Perplexity oder Mistral?
Es wird letztlich vieles davon abhängen, ob es Apple gelingt, KI mit seinem Datenschutz-Versprechen in Einklang zu bringen und in sein Ökosystem zu integrieren. Falls ja, könnte das Unternehmen mit einer Übernahme von Mistral oder Perplexity schlagartig seinen Rückstand wettmachen.
Das Unternehmen würde sich in puncto Datenschutz sogar von der Konkurrenz abheben. Sollte das Unterfangen jedoch scheitern, droht Apple nicht nur den KI-Zug endgültig zu verpassen, sondern von Wettbewerbern wie Google oder Samsung in Sachen Smartphone-KI in den Schatten gestellt zu werden.
Am wahrscheinlichsten ist aber ein Mittelweg: Apple wagt punktuelle Zukäufe oder Kooperationen und baut gleichzeitig eigene Modelle, um den Spagat zwischen KI und der eigenen Unternehmenskultur zu schaffen.
Ob das reicht, entscheidet aber nicht nur die technologische Umsetzung, sondern auch die Frage, wie lange Nutzer bereit sind, um auf einen Apple-Moment in Sachen KI zu warten.
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