Berichten zufolge will Facebook-Konzern Meta eine Gesichtserkennungsfunktion in seine Kamera-Brillen einbauen. Die Idee: Die Smart Glasses des Unternehmens sollen etwa Menschen auf der Straße erfassen und mit einer Datenbank abgleichen, um sie zu identifizieren. Oder kurzum: Meta bastelt an einem gigantischen biometrischen Überwachungstool, um Menschen gläsern zu machen. Eine kommentierende Analyse.
Meta will Gesichtserkennungsfunktion in Kamera-Brillen einbauen
- Wie die New York Times unter Berufung auf ein internes Meta-Dokument berichtet, könnte das Unternehmen seine Kamera-Brillen noch in diesem Jahr mit einer Gesichtserkennungsfunktion ausstatten. Dem Papier zufolge hätte es bereits vor Jahren entsprechende Pläne gegeben. Nun sieht das Unternehmen aber offenbar einen guten Zeitpunkt, um diese umzusetzen. Die Smart Glasses von Meta laufen unter den Marken Ray Ban und Oakley. Sie haben Kamera, Mikrofon und Lautsprecher und sind auch in Europa erhältlich. Zuletzt präsentierte das Unternehmen eine Brille, die Informationen auf einem kleinen Display im Glas einblenden kann.
- Der anfängliche Plan sah vor, zunächst Kamera-Brillen mit Gesichtserkennung für Sehbehinderte zugänglich zu machen. Das aktuelle Vorhaben geht offenbar weit darüber hinaus. Die Smart Glasses von Meta sollen Gesichter per Kamera erfassen und mit einer Datenbank abgleichen – entweder mit den eigenen Social-Media-Kontakten oder öffentlichen Profilen. Harvard-Studenten demonstrierten bereits im vergangenen Jahr, dass dies möglich ist. Meta arbeitet jedoch an einer Lösung, die ohne externe Tools direkt auf die eigenen Plattformen wie Instagram und Facebook zugreifen soll.
- Der Facebook-Konzern musste eine ähnliche Gesichtserkennungsfunktion, die Plattformnutzer automatisch in Fotos kennzeichnete, aufgrund von Datenschutz-Kritik vor einigen Jahren einstellen. Die US-Justiz verdonnerte das Unternehmen damals zu einer Milliardenstrafe. Hintergrund war, dass Meta im großen Stil biometrische Daten ohne Zustimmung erfasst hat. Die neue Funktion soll es jedoch nicht erlauben, jede beliebige Person zu identifizieren, sondern Nutzer der Meta-Plattformen.
Ein gigantisches Überwachungsinstrument
Dass Meta-Chef Mark Zuckerberg erneut an der Gesichtserkennungsschraube dreht, ist kein technischer Zufall, sondern strategisches Kalkül. Denn was wie Science-Fiction klingt, ist längst marktreif – und politisch offenbar gut getimt. Während Wahlkämpfe und Weltkrisen die Schlagzeilen dominieren, testet das Unternehmen klammheimlich ein gigantisches Überwachungsinstrument und die Grenzen des Datenschutzes.
Doch während Meta die Gesichtserkennung über seine Kamera-Brillen als Funktion verkauft, läuft im Hintergrund ein Testlauf für eine permanente biometrische Überwachung. Die Strategie ist jedoch durchschaubar. Denn der Facebook-Konzern will diese brandgefährliche Technologie offenbar zunächst unter einem gesellschaftsdienlichen Vorwand auf dem Markt etablieren.
Doch eine Hilfe für Sehbehinderte könnte schnell zu einem Abgleich mit Social-Media-Kontakten und am Ende womöglich einer Erfassung jedes öffentlichen Profils eskalieren. Die unbequeme Wahrheit lautet deshalb: Sobald eine Funktion zur Gesichtserkennung in Alltagsbrillen steckt, gibt es kaum mehr ein Zurück.
Die Vision von Mark Zuckerberg ist zwar, dass eine KI durch Millionen Augen auf Millionen Gesichter blickt. Doch es obliegt auch potenziellen Nutzern, eine solche Überwachungsinfrastruktur zu verhindern. Denn im schlimmsten Fall könnte auch das letzte Privatsphäre-Zugeständnis verschwinden, sobald die Akzeptanz steigt – nämlich die LED-Anzeige, die zeigt, wann die Brillen aufnehmen.
Stimmen
- Im internen Meta-Dokument, das der New York Times (€) vorliegt, heißt es zur geplanten Gesichtserkennungsfunktion unter anderem: „Wir werden in einem dynamischen politischen Umfeld starten, in dem viele zivilgesellschaftliche Gruppen, von denen wir erwarten würden, dass sie uns angreifen, ihre Ressourcen auf andere Belange konzentrieren werden.“ Eine Unternehmenssprecherin gegenüber Business Insider (€): „Obwohl wir häufig von Interesse an dieser Art von Funktion hören – und es bereits einige Produkte auf dem Markt gibt –, prüfen wir noch verschiedene Optionen und werden einen wohlüberlegten Ansatz wählen.“
- Alexandra Reeve Givens, CEO des Center for Democracy & Technology, gegenüber Straight Arrow News: „Der Einsatz dieser Art von Gesichtserkennungstechnologie wird zu einem Albtraum für den Datenschutz und die Überwachung werden. Die Menschen sollten sich nicht verstecken und ausweichen müssen, um nicht überwacht zu werden. Diese Systeme stellen eine echte Bedrohung dar. Personen an sensiblen Orten – sei es in einer Arztpraxis, einem Nachtclub oder einer Kultstätte – sollten keine Angst haben müssen, heimlich gescannt und identifiziert zu werden.“
- Das Electronic Privacy Information Center (EPIC) in einer Mitteilung an die Federal Trade Commission, eine unabhängige Verbraucherschutz- und Wettbewerbsbehörde in den USA: „Diese Funktion würde ein ernsthaftes Risiko für die Privatsphäre, die Sicherheit und die bürgerlichen Freiheiten darstellen und der Öffentlichkeit weitreichenden Schaden zufügen. Sie darf nicht auf den Markt kommen. Diese Funktion würde sich leicht missbrauchen lassen und Amerikaner dem Risiko von Stalking, Belästigung, Doxxing und Schlimmerem aussetzen.“
Auf dem Weg zum Überwachungsstaat?
In Europa setzt die Datenschutz-Grundverordnung regulatorische Bollwerke auf biometrische Datensammler wie Meta. Denn Unternehmen müssen hierzulande etwa Nutzereinwilligungen einholen und eine Zweckbindung nachweisen – und das ist auch gut so.
In den USA sieht die Lage anders aus. Spätestens seit der zweiten Trump-Administration spielen Regulationen für Big Tech in den Vereinigten Staaten eine immer geringere Rolle. Heißt konkret: Die Plattformen können nicht nur nahezu alles machen, was sie wollen. Ihre Technologien werden teilweise sogar von der Regierung selbst genutzt beziehungsweise missbraucht.
Die US-Administration droht dem KI-Unternehmen Anthropic aktuell etwa mit Repressionen, sollte es seine KI-Software nicht für das US-Militär und die zivile Überwachung freigeben. Das Erschreckende an den Meta-Plänen ist derweil, dass die Technologie bereits funktioniert.
Sie könnte die USA in einen nie dagewesenen Überwachungsstaat verwandeln, sollte die Regierung die Daten kapern. Ganz zu schweigen davon, was passiert, wenn Hacker sie erbeuten. Oder von dem, was Meta selbst damit anstellt.
Denn über seine Kamera-Brillen kann das Unternehmen theoretisch jede Begegnung, jedes Gespräch oder sogar gesamte Tagesabläufe aufzeichnen. Glücklicherweise entscheiden letztlich aber die Gesellschaft und Nutzer, ob sie sich einer solchen Technologie hingeben wollen.
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