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Kostenfalle Gas? Studie warnt vor Milliardenrisiko durch neue Gaskraftwerke

Maria Gramsch
Adobe Stock / Pixel62

Der geplante Ausbau neuer Gaskraftwerke könnte Deutschland teuer zu stehen kommen. Eine aktuelle Studie zeigt, wie neue Gaskraftwerke die Energiewende verteuern und welche erheblichen finanziellen Risiken Staat und Verbrauchern dadurch drohen.

Die Energiewende soll Deutschland unabhängiger von fossilen Energien machen und den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch senken. Wind- und Solarenergie spielen dabei eine zentrale Rolle, denn sie sind klimafreundlich und werden zunehmend günstiger.

Gleichzeitig haben die erneuerbaren Energien aber auch einen entscheidenden Nachteil. Denn sie produzieren Strom nur, wenn die Sonne scheint oder Wind weht. Dunkel- und Windflauten können die Stromproduktion deshalb deutlich beeinträchtigen.

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Die Bundesregierung will diese Versorgungslücken unter anderem mit ihrer Kraftwerksstrategie abfangen. Geplant sind vor allem wasserstofffähige Gaskraftwerke, die kurzfristig einspringen können, wenn erneuerbare Energien nicht genügend Strom liefern.

Perspektivisch sollen diese Kraftwerke dann mit Wasserstoff statt Erdgas laufen. So will die Bundesregierung sie als Brücke in ein vollständig erneuerbares Energiesystem nutzen.

Eine aktuelle Studie des unabhängigen politischen Think Tanks Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) stellt die Wirtschaftlichkeit dieser Strategie jedoch infrage. Die Autoren warnen vor einem möglichen Milliardenrisiko für Staat und Verbraucher und vor Stromkosten von bis zu 67 Cent je Kilowattstunde.

Werden neue Gaskraftwerke zum Milliardenrisiko?

Die geplanten Gaskraftwerke stellen laut der FÖS-Kurzstudie, die im Auftrag von Green Planet Energy entstanden ist, eine der teuersten Optionen für die Versorgungssicherheit dar. Das zeigt bereits ein Blick auf die Stromgestehungskosten.

Diese liegen demnach je nach CO2-Preis zwischen 23 und 28 Cent je Kilowattstunde. Energiekrisen wie im Jahr 2022 könnten diese Kosten schnell auf 53 Cent je Kilowattstunde steigen lassen. Zum Vergleich: Die Stromgestehungskosten, also die gesamten Kosten eines Kraftwerks von Bau über Betrieb bis zum Rückbau, liegen bei neuen Wind‑ und Solaranlagen hingegen bei unter zehn Cent.

Die Studienautoren haben allerdings auch die gesamtgesellschaftlichen Kosten eines neuen Gaskraftwerks untersucht. In diese Berechnungen sind unter anderem die Klima­schäden durch CO2-Emissionen sowie Kosten für staatliche Subventionen eingeflossen.

„Neue Gaskraftwerke rechnen sich nur mit Milliarden-Subventionen, die am Ende die Stromkund:innen zahlen, und mit Klimakosten, die künftige Generationen tragen müssen“, erklärt Sönke Tangermann, Vorstand von Green Planet Energy. Nach den Berechnungen des FÖS würden allein die im ersten Schritt vorgesehenen zehn Gigawatt an Gaskraftwerken etwa 6,6 Milliarden Euro an Fördermitteln erfordern.

„Dazu kommt: Schon heute wird Erdgas in Deutschland umfangreich staatlich subventioniert, von milliardenschweren Zuschüssen für Gasspeicher und LNG‑Terminals bis zur Steuerbefreiung bei der Stromerzeugung. Diese Förderung senkt künstlich die Kosten von Gasstrom und verzerrt den Wettbewerb zulasten erneuerbarer Alternativen“, erklärt Florian Zerzawy, Hauptautor der Studie und Leiter Energiepolitik beim FÖS.

Neue Kraftwerke erhöhen Abhängigkeit von Gas

Zusätzlich werde die Klimaschädlichkeit von Erdgas systematisch unterschätzt. Laut den Berechnungen verursacht jedes neue Kraftwerk über die Gesamtlaufzeit bis zu 8,4 Millionen Tonnen CO2. Hinzu kommen Klimaschäden von bis zu sieben Milliarden Euro, die nicht über den CO2-Preis abgedeckt sind.

Zusätzlich mache Deutschland sich weiterhin abhängig von globalen Märkten. Das zeigen auch aktuelle Preisschwanken, die vor allem seit Ende Februar die Energiepreise stark beeinflussen. Innerhalb weniger Tage verdoppelte sich so beispielsweise der europäische Gaspreis am TTF-Handelsplatz von 32 auf bis zu 65 Euro pro Megawattstunde.

„Der Krieg im Iran führt uns erneut vor Augen, wie gefährlich die Abhängigkeit von fossilen Energien ist“, erklärt FÖS-Geschäftsführerin Carolin Schenuit. „Die Preisschocks belasten Haushalte, Unternehmen und die gesamte Volkswirtschaft. Wer vor allem auf neue Gaskraftwerke setzt, macht Deutschland dauerhaft verwundbar.“

Die Energieinfrastruktur müsse krisenfest werden, was nur mit erneuerbaren, flexiblen und klimafreundlichen Lösungen gelinge. Das FÖS empfiehlt daher den Ausbau von Gaskraftwerken zu begrenzen und staatliche Fördermittel konsequent für klimafreundliche Lösungen für die Versorgungssicherheit einzusetzen.

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Maria ist freie Journalistin und technische Mitarbeiterin an der Universität Leipzig. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin für BASIC thinking. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet hier unter anderem für die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig.
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