ChatGPT Claude Vergleich Anthropic OpenAI KI

OpenAI vs. Anthropic: ChatGPT und Claude im direkten Vergleich

Jonathan Harsch
Bild: BASIC thinking

ChatGPT gab lange das Tempo vor, doch einige Konkurrenten haben ihre KI-Modelle so massiv aufgerüstet, dass sie in bestimmten Bereichen inzwischen nicht nur mithalten können, sondern selbst das Feld anführen. Wir präsentieren: ChatGPT und Claude im Vergleich.

In der Technologiebranche können sich die Verhältnisse schnell ändern. Wie wir bereits in unserem Vergleich zwischen ChatGPT und Gemini resümiert haben, liefert sich Pionier OpenAI derzeit einen harten Kampf um die Führungsposition in Sachen künstliche Intelligenz.

Künstliche Intelligenz und Ethik

Neben den reinen Fähigkeiten der KIs kommt momentan eine weitere Komponente hinzu: Ethik. OpenAI galt einst als Aushängeschild für offene und verantwortungsbewusste Forschung, ist bei vielen Nutzern jedoch in Ungnade gefallen. Die Entscheidung des Unternehmens, seine Modelle für das US-Militär und die Bürgerüberwachung durch die amerikanische Regierung freizugeben, hat dem Ansehen von OpenAI und ChatGPT massiv geschadet.

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Während sich Sam Altman und sein Team dem US-Kriegsministerium anbiedern, positioniert sich Konkurrent Anthropic demonstrativ am anderen Ende des Spektrums. Aus ethischen Gründen weigert sich das Unternehmen hinter der KI Claude, ihre Modelle für militärische Zwecke oder staatliche Überwachung zur Verfügung zu stellen. Deshalb kehren einige Nutzer ChatGPT momentan den Rücken zu und migrieren zu Alternativen wie Claude.

Anthropic hat sogar spezielle Maßnahmen ergriffen, mit denen die Übertragung der Nutzerdaten von ChatGPT zu Claude erleichtert wird. In diesem Artikel wollen wir die moralische Komponente aber beiseite lassen und uns auf die Technik konzentrieren. Dafür haben wir uns die aktuellen Modelle GPT-5.2 und Claude 4.6 (Sonnet und Opus) einmal näher angesehen und direkt miteinander verglichen.

ChatGPT und Claude im Vergleich

Auch wenn wir an dieser Stelle eine objektive Gegenüberstellung anstreben, spiegelt sich der philosophische Ansatz der jeweiligen Unternehmen auch in der Aufmachung und dem Design ihrer Chatbots wider. ChatGPT wirkt wie ein effizientes, aber manchmal etwas opportunistisches Werkzeug. Aufgaben werden meist ohne Rückfragen erfüllt, und die Nutzeransprache kommt häufig schablonenhaft oder sogar herablassend rüber.

Claude hingegen hat eine deutlich stärkere Tendenz zur Reflexion. Die Modelle weisen eher auf potenzielle Risiken hin oder betrachten eine Aufgabe aus ethischen Gründen differenzierter. Der Chatbot hat viel mehr einen partnerschaftlichen Charakter, was vor allem an der deutlich niedrigeren Quote an Floskeln liegt.

Textqualität und Kreativität

Die Tonalität beim Chatten lässt sich auch auf die Texterstellung übertragen. ChatGPT liefert meist solide, logisch strukturierte Texte ab. Der Nutzer-Prompt wird systematisch auseinandergenommen und umgesetzt. Das ist praktisch für sachliche Aufgaben wie Zusammenfassungen, Datenanalysen oder offizielle Anschreiben – aber nicht unbedingt für kreatives Schreiben.

Die poetischen Namen der Modelle von Claude (Sonnet, Opus, Haiku) lassen bereits erahnen, dass hier mehr Wert auf kreative Freiheit gelegt wird. Und dem ist tatsächlich so. Claude hat ein größeres erzählerisches Potenzial und klingt dabei auch noch natürlicher. Typische Klischees und stereotype Satzanfänge kommen deutlich seltener vor. Generell ist der Schreibstil von Claude menschlicher, weniger vorhersehbar und emotionaler.

Genau deshalb ist Claude vor allem in der Marketing-Branche inzwischen sehr beliebt. Bei der Erstellung von Headlines und Leads für Content-Marketing liefert Claude in der Regel authentischere Texte und vermeidet die angesprochenen Klischees, die viele andere KIs weiterhin plagen. Die KI von Anthropic scheint weniger technischen Zwängen zu unterliegen.

Logik und Strategie

Auch bei komplexen Entscheidungsfindungen unterscheiden sich die Ansätze. ChatGPT konzentriert sich auf praktische Vorteile und Optionen, wenn die KI eine Strategie ausarbeiten soll. Zahlen werden akribisch durchgerechnet und Vorgehensweisen klar auf Basis des Prompts ausgelegt. Das ist vor allem dann nützlich, wenn eine Aufgabe klar umrissen werden kann. Für die Urlaubsplanung oder Optimierungen am Arbeitsplatz ist die KI bestens geeignet.

Claude antwortete weniger wie eine Maschine und eher wie ein erfahrener Berater. Bei komplizierten Vorgängen bekommen Nutzer häufig nicht nur eine Lösung vorgelegt, sondern auch einen risikobewussten Rahmen, der klar benennt, wo künstliche Intelligenz funktioniert und wo ihre Grenzen liegen. Die Frage ist natürlich, was ein Nutzer gerne hätte: eine simple Antwort oder eine umfassende Risikoanalyse.

Die Tendenz von ChatGPT, Gegebenheiten vereinfacht darzustellen, hat durchaus ihre Vorteile. Der typische „erklär-es-mir-als-wär-ich-fünf“-Prompt ist eine Spezialität der KI. Wer auf spezifische Zielgruppen ausgerichtete Antworten haben möchte, ist bei OpenAI besser aufgehoben. Das ist nicht nur dann ein Vorteil, wenn ein Kind angesprochen werden soll, sondern auch beim Lernen neuer Konzepte und Tätigkeiten.

Zusammenfassungen und kritisches Denken

Im modernen Büroleben können präzise Zusammenfassungen durch KIs extrem viel Zeit sparen. ChatGPT liefert in diesem Zusammenhang immer wieder klare, leicht zu lesende Dokumente ab. Auch hier werden die unterschiedlichen Ansätze wieder deutlich. Claude geht nämlich einen Schritt weiter und macht aus einem einfachen Bericht oft eine umfassende Analyse. Ob man das nun gut findet oder nicht, muss jeder Nutzer für sich entscheiden.

Beim kritischen Denken ergibt sich genau das gleiche Bild. Auf komplexe Fragen mit vielen Nuancen antwortet ChatGPT mit umfassenden, strukturierten Erklärungen und bietet praktische Lösungsvorschläge an. Claude erklärt hingegen nicht nur die Mechaniken hinter der jeweiligen Problemstellung, sondern identifiziert deutlich offener ethische und wirtschaftliche Aspekte – das kann zu einer realistischeren Analyse führen.

ChatGPT vs. Claude: Die Funktionen im Vergleich

Claude hat also einiges zu bieten, hinkt bei den verfügbaren Features aber noch ein wenig hinterher. Zum Beispiel kann die KI keine Bilder generieren. Allerdings wurde mit den Funktionen Websuche und Deep Research sowie einer erweiterten Datenverarbeitung zuletzt nachgerüstet. Und die KI hat noch ein Ass im Ärmel: Mit den sogenannten „Artifacts“ wurde von Anthropic eine Funktion eingeführt, die Berufsgruppen wie Programmierern und Datenanalysten extrem effizientes Arbeiten ermöglicht. Code, Diagramme oder interaktive Tabellen können in einem separaten Fenster in Echtzeit dargestellt werden.

ChatGPT konterte mit dem ähnlichen Feature „Canvas“, mit dem Dokumente direkt im Chat bearbeitet werden können. Canvas kann auch dann zum Einsatz kommen, wenn mehrere Nutzer parallel an einem Dokument schreiben und editieren wollen. Ein weiterer Vorteil ist der „Advanced Voice Mode“, der Emotionen erkennt und so schnelle und natürliche Unterhaltungen mit dem Chatbot erlaubt.

Fazit: ChatGPT und Claude im Vergleich

Einen klaren Gewinner gibt es beim Vergleich zwischen GPT-5.2 und Claude 4.6 nicht. Und ganz ehrlich: Nutzer, die eine KI im Alltag kleine Aufgaben erledigen lassen, werden kaum einen Unterschied merken. Die jeweiligen Eigenheiten machen sich erst bei komplexen Arbeitsaufträgen bemerkbar. Zudem bewegen sich die Preise für die Einstiegsabos auf einem ähnlichen Niveau.

OpenAI bietet ein effizientes, schnelles und relativ verlässliches All-in-One-Paket, Anthropic hingegen einen kreativen Partner mit natürlichem Schreibstil. Wer kein Vielnutzer ist und nicht unbedingt Bilder generieren möchte, kann also bedenkenlos zwischen den KIs wechseln.

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