Kondensstreifen sind mehr als nur weiße Linien am Himmel, sie verstärken den Treibhauseffekt deutlich. Neue Forschungen zeigen jedoch, dass schon kleine Anpassungen der Flugrouten die Klimabelastung des Luftverkehrs halbieren könnten.
Eine neue Studie der Universität von Cambridge zeigt, dass kleine Änderungen der Flugrouten die Klimabelastung durch den Luftverkehr senken könnten. Das gezielte Vermeiden von Bedingungen für Kondensstreifen würde den Erwärmungseffekt der Branche demnach fast halbieren.
Die Forscher schlagen vor, die Reiseflughöhe lediglich um einige tausend Fuß anzupassen. Diese Maßnahme stelle einen Hebel für den Klimaschutz in der modernen Luftfahrt dar.
Der Hintergrund: Kondensstreifen entstehen, wenn heiße Abgase in der Reiseflughöhe auf kalte, feuchte Luftmassen treffen. Dabei gefriert der enthaltene Wasserdampf schlagartig zu Eiskristallen. Diese Kristalle bilden künstliche Wolken, die über viele Stunden am Himmel verbleiben können.
Kondensstreifen: Flugreisen unnötig klimaschädlich
Diese Wolken fangen die von der Erde abgegebene Wärme ein und verstärken den Treibhauseffekt. Ohne Gegenmaßnahmen verursachen die Streifen Schätzungen zufolge bis 2050 rund 36 Prozent mehr Erwärmung als das reine Kohlendioxid der Flugzeuge. Ohne Umsteuern könnten sie für eine zusätzliche Erwärmung von etwa 0,054 Grad Celsius verantwortlich sein.
Jessie Smith aus Cambridge betont das Potenzial dieser Erkenntnisse. Laut ihrer Einschätzung lassen sich die Auswirkungen auf die Temperatur ungewöhnlich schnell reduzieren. Innerhalb eines Jahrzehnts könnte ein großer Teil der Erwärmungswirkung der Luftfahrt herausgenommen werden.
Dieser Ansatz ermöglicht eine einfache operative Umsetzung im Vergleich zu nachhaltigen Flugkraftstoffen. Für die Änderung der Flughöhe sind keine technischen Modifikationen am Flugzeug notwendig. Piloten führen solche Anpassungen bereits heute routinemäßig durch, um Turbulenzen auszuweichen.
Nachhaltige Kraftstoffe hingegen stehen vor gewaltigen Hürden. Zwar kann die Umleitung der Flugzeuge den Treibstoffverbrauch leicht ansteigen lassen. Die geringere Erwärmung durch weniger Kondensstreifen gleicht diesen Effekt jedoch mehr als aus.
Luftfahrt könnte CO2-Ausstoß kurzfristig reduzieren
Das Programm könnte bis 2045 rund neun Prozent des verbleibenden globalen Temperaturbudgets sichern. Damit ließe sich das Überschreiten der Zwei-Grad-Celsius-Grenze des Pariser Abkommens messbar hinauszögern. Wissenschaftler halten den zusätzlichen Arbeitsaufwand für die Flugsicherung dabei für moderat.
Ein frühzeitiger Beginn ist für die Wirksamkeit von entscheidender Bedeutung. Ein Aufschub um zehn Jahre mindert die Effektivität der Maßnahme um rund 78 Prozent. Man sollte nicht auf perfekte Vorhersagemodelle warten, bevor man mit der Erprobung beginnt.
Piloten, Meteorologen und politische Entscheidungsträger müssen nun eng zusammenarbeiten, um diese Strategie umzusetzen. Eine Effektivität von nur 25 Prozent liefert bereits einen bedeutenden Nutzen für das Klima. Der erste Schritt bestünde darin, die Wirksamkeit durch Tests unter Beweis zu stellen.
Die Luftfahrtindustrie besitzt hiermit ein Werkzeug, um ihren ökologischen Fußabdruck kurzfristig zu reduzieren. Während der Sektor sich auf kohlenstoffarme Antriebe umstellt, bietet die Vermeidung von Kondensstreifen eine sofort verfügbare Lösung. Die Methode bietet der Branche damit einen Weg, internationale Klimaziele schneller zu erreichen.
Auch interessant:









