Eine neue Wasserstoff-Eisen-Flussbatterie des niederländischen Unternehmens Elestor könnte die Energiewende mit günstigen und langlebigen Netzen für Wind und Solar revolutionieren. Doch wie funktioniert die Technologie und welche Vorteile bringt sie gegenüber herkömmlichen Stromspeichern?
Das niederländische Unternehmen Elestor aus Arnheim hat eine Wasserstoff-Eisen-Flussbatterie zur langfristigen Stabilisierung von Stromnetzen entwickelt. In realistischen Tests soll das System einen hohen Wirkungsgrad erreicht und zehntausende Ladezyklen absolviert haben, wobei die Leistung stabil blieb. Basierend auf diesen Daten rechnen die Entwickler laut einem Bericht mit einer möglichen Betriebsdauer von 20 bis 25 Jahren.
Für eine Energieversorgung mit einem hohen Anteil an Wind- und Solarkraft gewinnen Langzeitspeicher massiv an Bedeutung. Diese Systeme halten Energie über mehrere Tage oder während längerer Dunkelflauten verfügbar. Unter einer Dunkelflaute versteht man Zeiträume, in denen aufgrund von Windstille und Wolkenbildung kaum regenerative Energie produziert wird. Während herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien vor allem kurzfristige Schwankungen im Bereich weniger Stunden ausgleichen können, verfolgen Flussbatterien einen weitaus längeren Speicheransatz.
Wie die neue Wasserstoff-Eisen-Flussbatterie Energie speichert
Im Gegensatz zu klassischen Batterien speichern Flussbatterien die Energie in einem flüssigen Elektrolyten, der durch ein elektrochemisches Reaktorsystem zirkuliert. Dieses Prinzip ermöglicht eine getrennte Skalierung von Leistung und Speicherkapazität. Der elektrochemische Zellstapel bestimmt dabei die Leistung, während die Größe der installierten Tanks die Energiemenge vorgibt.
Die Technologie von Elestor nutzt die chemische Reaktion zwischen gasförmigem Wasserstoff auf der Anodenseite und einer flüssigen Eisenlösung auf der Kathodenseite. Das System basiert auf dem Redoxpaar Fe3+/Fe2+ und kombiniert so einen Wasserstoffkreislauf mit einem wässrigen Elektrolyten. Beim Laden und Entladen laufen diese chemischen Prozesse in jeweils umgekehrter Richtung ab.
Die Entwickler testeten einen großformatigen Zellstapel unter industriellen Designprinzipien und realistischen Betriebsbedingungen. Das System soll dabei einen elektrochemischen Wirkungsgrad von über 80 Prozent erreicht haben. Automatisierte Steuerungen überwachten permanent alle Parameter, um eine hohe Stabilität im täglichen Netzbetrieb zu gewährleisten.
Effizienz und Stabilität der Stromspeicher
Der Rundlaufwirkungsgrad des Gesamtsystems, also das Verhältnis von entnommener zu eingespeister Energie, lag bei mehr als 75 Prozent. Die Anlage stellte ihre volle Leistung durch Konditionierungszyklen wieder her, ohne dass Techniker Bauteile austauschen mussten. Das System überstand die intensiven Belastungstests zudem ohne jegliche strukturelle Schäden, so Elestor.
Die Wasserstoff-Eisen-Technologie steht in direktem Wettbewerb zu anderen Langzeitspeichern wie Vanadium-Flussbatterien oder Natrium-Schwefel-Speichern. Auch Pumpspeicherkraftwerke und reine Wasserstoffspeicher bleiben wichtige technologische Alternativen am Markt. Welche Technik sich langfristig durchsetzt, entscheiden maßgeblich die Skalierbarkeit und die künftigen Betriebskosten.
Ein wesentlicher Vorteil des neuen Ansatze liegt in der Verwendung kostengünstiger Rohstoffe wie Eisen und Wasserstoff. Das Unternehmen schätzt die Kosten für die aktiven Materialien auf etwa 2,80 Euro pro Kilowattstunde. Dadurch umgeht der Hersteller potenzielle Lieferkettenprobleme, die bei Materialien wie Lithium, Kobalt oder Vanadium häufig auftreten.
Wirtschaftlichkeit der neuen Stromspeicher
Optimierte Systeme könnten laut Modellrechnungen des Herstellers langfristig Speicherkosten von etwa 0,02 Euro pro Kilowattstunde erreichen. Ob das System wirklich so günstig arbeitet, muss der Praxistest im großindustriellen Einsatz erst noch zeigen. Bisher stützt sich die prognostizierte Lebensdauer von bis zu 25 Jahren auf eine wissenschaftliche Hochrechnung.
Trotz der Vorteile benötigt die Anlage aufgrund der geringeren Energiedichte mehr Platz als vergleichbare Lithium-Speicher. Die Komplexität mit Pumpen und Wasserstoffmanagement ähnelt eher industriellen Prozessanlagen als klassischen Batterien. Ob die erwartete Praxistauglichkeit dauerhaft eintritt, werden die kommenden Jahre im industriellen Pilotbetrieb zeigen.
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