Deutsches Social-Game Fliplife gestartet: Das Farmville des Lebens

Jürgen Vielmeier

Vor einem Jahr verließen Ibo Evsan und Thomas Bachem ihr Videoportal Sevenload, um wenig später mit United Prototype in die Spieleindustrie einzusteigen. Über den Stand der Entwicklung hielt Ibo seine Leser in seinem Twitter-Account auf dem Laufenden. Seit heute Nacht ist das erste Spiel des Hauses in die Public-Beta-Phase gestartet: Fliplife. Das überzeugte in unserem Test zumindest teilweise und bietet Raum für noch viel mehr.

Nach der Registrierung per Mail oder den eigenen Facebook-Account und dem Erstellen eines Avatars, geht es bei Fliplife gleich los mit der Karriereplanung. Fliplife lässt mir die Wahl zwischen einem Job als Koch oder als Journalist. Ich entschied mich stilecht für letzteres und bin seitdem Schreiberling für LTR Medien, einer Anstalt, die von Namen und Logo her wohl nicht ganz zufällig an einen großen deutschen Fernsehsender erinnert. Mein erster Job ist das Korrekturlesen; später kann ich – und bitte spart euch die Kommentare – meinen Schreibstil weiter verbessern.

Freunde gewinnen, arbeiten, gegen Franz Beckenbauer Fußball spielen

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Aber hier stutze ich zum erstenmal. Vorgesehen ist bei Fliplife offenbar nicht, die Aufgaben live auszuführen, sei es als Koch, Journalist oder sonstiges. Man wird nur darüber informiert, dass die Tätigkeit gerade passiert – und muss warten, bis sie beendet ist. In meinem Fall dauert eine Tätigkeit in Spielzeit eine Stunde und in Realzeit zwei Minuten. In diesen zwei Minuten kann ich nichts anderes tun als abwarten.

In der Freizeitsektion kann ich gegen Franz Beckenbauer Fußball spielen. Hier habe ich zumindest die Möglichkeit, ähnlich wie bei Schere-Stein-Papier die Waffen zu wählen (Links- oder Rechtsfuß); Fliplife aber spielt für mich und zeigt mir nur die Ergebnisse in einer Art Liveticker an. Für alle Tätigkeiten bekomme ich Geld, die ich später beim Shopping ausgeben darf. Ich kann echte Freunde gewinnen und darf irgendwann auch eine Partnerin wählen, während ich weiter arbeite, Geld verdiene und an Spielen teilnehme. Gedacht ist das ganze wohl als eine Art zweites Leben, Second Life in 2D, und das ist nicht ganz weltfremd: Während ich das Angebot zu einem weiteren Job bekomme, werde ich gleichzeitig zu einem Biergartenbesuch eingeladen. Was also tun? Geldverdienen oder einen heben gehen? Ein Dilemma wie im echten Leben.

Da geht noch mehr

Mir gefällt die Idee, das Leben zu einem Social Game zu machen. Die Grafik ist wunderschön, die Bedienung einfach und das Design unaufgeregt. Momentan sieht es für mich so aus, als strebten es die Urheber an, Fliplife zu einem „Nebenbei-Spiel“ zu machen, das man den ganzen Tag lang geöffnet hat und nach Bedarf immer mal wieder ein wenig benutzt. Fantastisch ist der Ansatz, Fliplife auf allen Plattformen anzubieten, sowohl im Browser als auch auf mobilen Geräten. Die Programmierung in HTML 5 macht es möglich.

Der Spielspaß hängt allerdings stark von der Qualität der angebotenen Aktivitäten ab und hält sich im Moment leider noch in Grenzen. Dass man nur passiv davor sitzt, während der Charakter arbeitet oder Fußball spielt, und man nichts machen kann als zu warten, ist nicht unbedingt das, womit man Langeweile totschlägt. Da geht noch mehr, Ibo! Ziel für Fliplife könnte es zum Beispiel sein, als Plattform entsprechende Spiele im Spiel zu hosten, die der Anwender aktiv ausführen kann. Der erste Ansatz von Fliplife gefällt mir aber sehr gut. Ich bin gespannt, was sich die Jungs aus Köln noch ausgedacht haben, um den Spaß zu erhöhen.

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.