Ein lauter Gedanke zu Businessblogs

Robert Basic

kann man jetzt schon beurteilen, was Blogs für Unternehmen bedeuten, wenn es um die Frage ihres Nutzen ja gar ihres Einsatzes geht? Kann man heute vereinfacht sagen „ja, wir müssen glaubwürdig sein, ja wir müssen direkt reden, dann wird alles gut“? Ist das alles so easy? Gibt es tatsächlich schon vereinfache Formeln? Mein Gedanke zum Kommentarverlauf bzw. zu diesem Artikel „Factchecking“ geht auf den Aspekt ein, was das überhaupt für das Unternehmen intern bedeuten könnte, zu simplifizieren. Antwort: Sie können nicht simplifizieren. Es gibt keine Antwort ohne Nachdenken, so banal sich das anhören mag. Man weiss nicht mal die richtige Antwort. Es geht letzlich um Risiken, um mutige Unternehmen, innovative Unternehmen. Wovon zahlreiche, deutsche Unternehmen weit weg sind:

Klaus:
… Das ist dabei immer auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. Insofern müssen Unternehmen naturgemäß ihre Informationen überprüfen, ansonsten tun sie sich keinen Gefallen. Wer einmal Falschinformationen in die Welt gesetzt hat oder sogar bewusst manipuliert, dessen Ruf ist schnell ruiniert … (Auszug)

Me:
Glaubwürdigkeit beruht auf authentischen, sich wiederholenden und sogar überprüfbaren Verhaltensweisen. Wer sich einem Dialog aussetzt und nur auf glaubwürdig macht aber nicht lebt, wird schneller als er denkt seine Leser verlieren bevor er sie überhaupt für sich gewinnen und überzeugen konnte. Und es ist höllisch schwer mit zunehmender Größenklasse eines Unternehmens ein einheitliches und in sich schlüssiges Bild abzugeben, und das auch noch mit der internen Kommunikation und der Kutlur übereinstimmt. Es ist absolut unerwünscht, mit mehreren Stimmen nach außen zu sprechen, das alleine widerspricht der westeuropäischen Individualkultur. Unternehmen können daher idR ein einheitliches Bild nach aussen hin nur mit immensem Einsatz von Kapital und Zeit abgeben.

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Dabei wäre es so möglicherweise einfacher, sich so zu verhalten, daß man von menschlich sprechen kann und nicht auf 100% Perfektion getrimmt wurde. Ich bezweifle sehr, daß Unternehmen heute in Zeiten der schnellen Kommunkation und zunehmenden Vernetzung von Kundenmeinungen überhaupt noch bestrebt sein sollten, die klassischen Wege zu verfolgen. Es ist mE kaufmännisch unökonomisch. Aber wie so immer wird es nur äußerst zäh mit Veränderungsprozessen auch in der Kommunikationsstrategie vorangehen – wenn wir jetzt mal das berühmte Cluetrain Manifesto heranziehen und Blogs als ihr Kind interpretieren-, solange Unternehmen intern zu 50% PR bewerten und taktisch-politisch interpretieren und der „€œRest“€? der anderen 50% auf dem Fremdbild beruht, das aber nur sehr schwer messbar ist. Es geht also dabei nicht so sehr um „€œgute“€? Marktstrategien und Sinnhaftigkeit des Methodenmix zur Steigerung des Bekanntheitsgrades (oder auch Sellingabsichten, was auch immer ansteht), es geht häufigst um innenpolitische Machtfragen (je familiärer ein Unternehmen kontrolliert desto weniger können Manager ihre Karriereangelenheiten Ausdruck verleihen :-).

Und Blogs – oh Gott – bedeuten Veränderung, Innovation, Wagnis, unbekanntes Terrain mit unbekanntem Einsatz. Die Tabuwörter von leistungsorientiert bezahlten Managern mit ihren Kurzfrist-Lohnsystemen, die keine Denkstrategie auf 5-10 Jahre fördern geschweige denn zulassen.

Ergo? Den jetzigen Kommunikationsinstrumenten und Mechanismen Blogs unterzuordnen, ist nicht einmal eine Frage der Extrema, inwieweit man gar auf Falschinformationen setzt oder aufetzt, Glaubwürdigkeit vermitteln „€œwill“€? oder eben „€œnatürlich vermittelt“€?, sondern vielmehr eine Frage des Usus des Kommunikationskultur, den man nicht einfach so abstreifen kann. Wir beide wissen, denke ich, daß Unternehmen idR bis zu 30 Jahren brauchen, also mehrere Mitarbeitergenerationen, um sich neu aufzustellen. Kultur kann man eben nicht herbeiwünschen, herbeibefehlen noch herbeireden. Wie alt hingegen sind Blogs? Sie haben nicht mal angefangen, etwas bei den Unternehmenskulturen zu bewirken. Und schon sprechen wir aber bei Blogs von pauschalen Kausalitäten in ihrer Wirkung nach aussen, wo wir doch nicht mal abzuschätzen wissen, was das nach innen bedeutet.

Ein spannendes Thema, ich weigere mich, wie Du siehst, die Dinge so simplifizierend zu kausalisieren. Es ist nicht die Formel
Glaubwürdig => Factcheck => Alles wird gut
Kein Factcheck => Falschinfo => Vertrauensverkust

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Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.