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Sind geblendete Anzeigen Kundennepp?

Eine Webseite hebt ihre AdSense-Banner deutlich sowohl vom Layout als auch der Position vom Seiteninhalt ab. Prompt gibt ein – manchen – bekannter Webmaster den Tipp, die Banner zu „blenden“:

XYZ.com is obviously wanting to make their ads quite distinct from their content by clearly labeling them ‘Sponsored Links’ and by designing them to have a white background and with colors that don’t really match anything else on their page at all. I completely understand why they have done this but it’s worth saying that the results that they will get from these ad’s performance will almost definitely mean a lower earning capacity…. I’d blend the ads more for two reasons – firstly they’ll perform better and get a higher CTR but secondly as they currently appear on the site they stand out like a sore thumb and are pretty ugly.

Übersetzt: Wenn Du dem User vormachst, Content statt Werbung anzuklicken, bekommste mehr Kohle. Ich mach das mit mehreren Seiten richtig gut und habe mit tausenden von verarschten Kunden zig tausende Dollar gescheffelt.

Aber nochmal von vorne:
„Geblendete“ Anzeigen – hĂ€ufig in einem Atemzug mit Google-AdSense Bannern genannt – sind WerbeflĂ€chen auf einer Webseite, die sich von ihrer Gestaltung her nicht vom Seitenlayout abheben. Im Gegenteil: Sie wirken – je nach Position – wie ein Teil der Seitennavigation. Und dabei bleibt es meist nicht: Das geht manchmal soweit, dass bestimmte Navigationslinks auf externe Werbeangebote verzweigen, die sich aber erst nach dem Klick als Werbegeschenke entpuppen. Das kann man schon ruhig als Exzess bezeichnen. Einige Webmaster sind wahre Meister dieser Camouflage. Je extremer das wird umso stĂ€rker bekomme ich das GefĂŒhl, dass manch ein Webmaster der Laufbahn eines kleinen, schmierigen Ganoven wĂŒrdig wĂ€re. Ja, Werbung ist vernĂŒnftig, sie interessiert mich und ich bin mE erwachsen genug, mich selbst entscheiden zu können, ob ich darauf klicke oder nicht. So geht es den meisten wie mir, oder? Abgesehen von denen, die mit AdBlockern herumsurfen, das finde ich genauso armselig wie die Webmaster, die mich bzw. den unkundigen Surfer verarschen wollen. An dieser Stelle verstehe ich zB Google ĂŒberhaupt nicht, die geblendete Anzeigen ĂŒberhaupt zulassen.

Wie ist das bei Euch? Habe ich nur einen schlechten Tag, verdienen es die dummen Webuser nicht anders, Geld stinkt nicht, was haltet Ihr davon? Was spricht dagegen, dass man User mit Respekt und nicht als Klickvieh behandelt, indem man Werbung auf Webseiten deutlich auch als solche kennzeichnet?

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und GrĂŒnder von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er ĂŒber 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

14 Kommentare

  • … AdBlockern herumsurfen, das finde ich genauso armselig …

    Echt?

    … und ich bin mE erwachsen genug, mich selbst entscheiden zu können, ob ich darauf klicke oder nicht…

    Und eben in den meisten FĂ€llen, der Adblocker-Nutzer, eben das nicht

    Wieso ist es dann also armselig, wenn man weiß man nutzt diesen „Service“ eh nicht, ihn nicht gleich aussen vor zu lassen.

    Ich werf auch Sonntags die OBI-Werbung weg, die in der Zeitung ist, da ich nicht mal ansatzweise daran denke, in diesen komischen Laden zu fahren…. Warum also hoch tragen?

  • Werbung/Anzeigen/Werbelinks sollten deutlich markiert sein. Ich habe gegen ein krĂ€ftiges „Anzeige:“ als Kennzeichnung nichts einzuwenden.

    Ob die Werbung nun zusĂ€tzlich in den Kontext der Seite eingepasst wird oder ein heraus stehendes Element ist, das sollte sich der Webmaster anhand seiner inhaltlichen Nische ĂŒberlegen. Wichtig finde ich, dass WerbeflĂ€che auch gestaltet ist und nicht einfach wirr als unordentliche Ansammlung von Knöpfen und Boxen in der Sidebar oder sonstwo herum wuselt. Das Problem mit der Camouflage ist ja z.B. bei AdSense dass der Webmaster Geld fĂŒr die Klicks bekommt, also dazu angehalten wird möglichst viele Durchklicks anzusammeln. Das korrumpiert natĂŒrlich mĂ€chtig.

    Je ernsthafter/sachlicher/journalistischer eine Seite ist, umso stÀrker werden auch die Leser nach einer Trennung von redaktionellem und werblichen Inhalt verlangen.

    Was ich ganz schrecklich finde sind in den redaktionellen Text eingebaute Wortlinks, die ganz verschÀmt nur anhand von Doppel-Unterstrich-Punktlinien von normalen redaktionellen Links zu unterscheiden sind.

    Wie soll man eigentlich auf einer Produktseite z.B. Affiliate Links kennzeichnen? Gibt es dafĂŒr Regeln? Meines Wissens nach nicht.

  • Du hast keinen schlechten Tag, andere aber schlechte Werbung. Was Du beschreibst, ist m.E. schlichweg rechtwidrig. Nachzulesen etwa im „Bild.de-Urteil“, s. http://www.finblog.de/2006/01/07/anzeige-werbung-shop-tipp/
    Wenn mir solche Praktiken begegnen, mache ich stets ab dem Moment einen großen Bogen um die beworbenen Unternehmen. Denn wenn ein Unternehmen sich schon in der Werbung rĂŒcksichtslos verhĂ€lt – wie wird es dann erst einen Kunden behandeln?

  • @ak: So etwas wollte ich auch gerade einwenden. Wenn es sich um journalistisches Angebot handelt, muss Werbung als solche gekennzeichnet sein. Bei bild.de ist das immer dann recht schnell der Fall, wenn Bildblog einen neuen Trick entdeckt. Journalistisch dĂŒrfte in diesem Fall eher weit zu fassen sein. In diesem Zusammenhang sind auch Dein und mein Blog so einzuordnen.

  • Ich sehe da kein Problem. Mit dem in die Webseite einblenden erreicht man vor allem, dass die Werbung vom Surfer nicht gleich automatisch ausgeblendet wird. Geklickt wird dann ja erst wenn der Anzeigentext etwas interessantes verspricht.

  • „…die mit AdBlockern herumsurfen, das finde ich genauso armselig wie die Webmaster…“

    Den Satz hab ich mir jetzt einige male auf der Zunge zergehen lassen und irgendwie schmeckt der immer schaler. Auf gut deutsch oder so wie ich den verstehe, heisst das also, das ich jeden Kommerz mitmachen muss und wenn ich den aus meinem Surfverhalten ausblende, dann bin ich ein armseliger Mensch? Da ich AdBlocker-Surfer bin fĂŒhl ich mich damit doch ziemlich ausgegrenzt und so wirklich der Beweis, dass die kommerzielle Nutzung des Internets einen Mehrwert fĂŒr dieses darstellt, ist in meinen Augen noch nicht geschehen. Ich finds völlig legitim, wenn man versucht hier Geld zu verdienen. Ich finds auch besser, wenn Unternehmen dies transparent und nachvollziehbar tun und man genau weiss, auf was man sich einlĂ€sst. Ich finds allerdings auch in Ordnung, dass ich wĂ€hlen kann, ob ich diesen Kommerz mitmache oder nicht.

  • Die Frage ist doch ob der „Klicker“ das geliefert bekommt was er von der Anzeige erwartet (ob nun Werbung oder nicht). Letztendlich ist es dem „Klicker“ doch egal ob der Webmaster dafĂŒr Geld bekommt oder nicht.

    Oder hab ich da jetzt was nicht verstanden?

  • @wegen AdBlocking: Lasst uns das in einem weiteren Artikel separat besprechen, verspricht eine interessante Diskussion. Ich gestehe, dass ich die Formulierung bewusst so gewĂ€hlt habe, da ich mitunter die andere Seite auch mal beleuchten wollte, nur nicht exakt wusste, ob das jemanden wirklich interessiert. Anscheinend schon. wĂ€r das so ok? Neue Artikel speziell dazu folgt baldmöglichst (heut Abend oder morgen).

  • Thomas hat bei gigold.de beschrieben, dass dadurch, dass bei gadgetmania die Textfarbe der AdSense-Anziegen jetzt rot ist, die Klickfrequenz stieg (der Background ist geblendet). D.h. es ist nicht immer GANZ so einfach…

    Falls ich also demnĂ€xt Yachtzubehör blogge… *g*

    Und: Werbung funzt dann, wenn sie _Content_ ist. Vgl. Todesanzeigen und Stellenanzeigen… (Anzeigen fallen auch unter die Pressefreiheit.. cf. SĂŒdkurier-Urtil aus den 50ern.)

  • mir ist eigentlich vollkommen egal, ob werbung als solche gekennzeichnet ist oder nicht bzw. ob sie so gut „getarnt“ wurde, dass sie nicht als werbung zu erkennen ist. wenn eine anzeige, respektive deren text, so gut ist das ich draufklicke, dann hat der werbetreibende einen affinen user mehr auf seiner webseite. ergo: ziel erreicht – und von kundennepp keine spur!

  • @Salid: Sehe ich nicht so. Denn: Zur ‚Textinfo‘ gehört dazu, dass man sieht, dass es Werbung ist. Aber da viele eh im Netz unterwegs sind um was zu kaufen, ist (kontextpassende) Werbung eben wirklich _Information_ bzw. Service. So nach dem Motto: „Und wenn du das bei Amazon besorgen willst, spar ich dir ein paar Klicks und Sucherei und -> HIER.“
    Die Kommunikation, was in etwa hinter einem Link zu finden ist, gehört zu gutem Content dazu.
    Ich finde bei Fach-oder Themenblogs z.T. interessante und aktuelle Info hinter den Adsenseanzeigen. Das gehört inzwischen zu meiner Recherchetaktik dazu.

  • […] Die Werbeindustrie ist selbst schuld? Gegenseite? Der Einsatz von AdBlock-Software kommt nicht von ungefähr. Man könnte fast sagen, dass der Krug solange zum Brunnen geht, bis er zerbricht. So auch bei Onlinewerbung. Es ist kaum verwunderlich, dass aufdringliche, blinkende, nervtötende Werbebanner das Surfvergnügen erheblich einschränken. Popups und Layerwerbung sind die Surfkiller No.1. Der übertriebene Einsatz aufdringlicher Werbung hat zu dieser Gegenreaktion der User und der Entwicklung von AdBlockern geführt. Da die kommerziellen Anbieter zu gierig waren und nicht gesamtheitlich gedacht hatten, haben sie die eigene Suppe selbst auszulöffeln. Doch nicht nur kommerzielle Anbieter haben ihren Teil dazu beigetragen. Heerscharen von privaten Webmastern haben exzessiv Banner eingesetzt. Und sich ebensowenig Gedanken gemacht, welche Konsequenzen das hat. Statt sich aber Gedanken zu machen, wie man Werbung besser einsetzt, kloppt man häufig immer mehr auf die Seite und man kaschiert gar die Werbung (siehe gestrigen Artikel Sind geblendete Anzeigen Kundennepp?, Auslöser dieses Artikels). […]