Sonstiges

Webjahr 2009 = Politjahr?

dieses Jahr stehen in Deutschland folgende, bedeutende Wahlen an (Wikipedia):
Landtagswahl in Hessen am 18. Januar
Landtagswahl im Saarland am 30. August
Landtagswahl in Sachsen am 30. August
Landtagswahl in Thüringen am 30. August
Bundestagswahl 2009 voraussichtlich am 27. September
Landtagswahl in Brandenburg im Herbst

Die Wahl des Bundespräsidenten habe ich bewusst nicht genannt, da sie ohne Volksbeteiligung stattfindet. Obgleich der Bundespräsident das höchste Staatsamt in D bekleidet.

Nun könnte man annehmen, dass nach Obamas Wahlkampfvorbild die Parteien ihre Schwerpunkte teilweise ins Netz verschieben. Obama hat schließlich Massen übers Netz aktiviert. Lohnenswerte Imitation? Was die Hessenwahl angeht, sehe ich persönlich davon … Null. Null in dem Sinne, dass ich keinen Unterschied zu vorherigen Wahlen bemerke. Weitläufig habe ich schon letztes Jahr von allen Politgurus zweifelnde Worte vernommen. Die Parteien seien zu mental-zentralistisch aufgestellt, um das notwendige Maß an Mitmachsignalen im Netz auszusenden. Sie wollen und sie werden die Wahlkampfkontrolle beibehalten. Mitmachen… Aktivierung…. Demokratisierung via Netz… tolle Stichworte, doch letztlich nur Worthülsen.

War das aber wirklich anders in den USA? Neu? Man sollte nicht Obamas charismatische Wirkung unterschätzen, die ganze Scharen von Lippenlesern angezogen hat. Alles wurde aufgesaugt, natürlich auch via Web. Demnach sollte man Ursache und Wirkung nicht verwechseln. Bei jeder anderen Person wäre der Web-Wahlkampf größtenteils verpufft. Und ich habe nicht gesehen, dass Obama irgendwo „Kontrolle“ aufgegeben hätte, die einem neuartigen Wahlkampf mit Webschwerpunkten nachgesagt wird, wenn die Strategie Erfolg haben soll. Im Gegenteil: Obama hat schlichtweg alle Kanäle mit Messages zugemüllt. Was allerdings war davon bidirektional? Mitmacherei? Nix! Welch Wunder. Wer herausposaunt, dass sich alles ändern wird und man auch „kann“ wenn man will, worüber soll man sich thematisch unterhalten? Das war mehr ein Glaubenswahlkampf denn ein inhaltlicher Wahlkampf. Es basierte auf der Sehnsucht der Amerikaner, die Richtung der Bush-Jahre zu wechseln, das Ansehen zu reparieren und letztlich überwog wohl das Gefühl, Obama könne die Wirtschaftskrise besser als die Republikaner meistern.

Was also sollen sich die Parteien hierzulande abschauen? Du kannst Obamas Charisma nicht klonen. Es gibt keinen polarisierenden Druck, etwas zu ändern. Und darauf kannst Du auch keinen Online-Wahlkampf á la Obama aufbauen. Das war aber der Dreh- und Angelpunkt, change… den Obama personifizierte wie kein anderer zuvor. Und sein Team hat es exzellent verstanden, die Webkanäle dahingehend auszurichten (vaD die Webspenden in absoluter Rekordhöhe zwecks Finanzierung eines gigantisch teuren Wahlkampfs). Ohne einen deutschen Obama wird es nix nachzuahmen geben. Ich würde mich daher überhaupt nicht wundern, wenn es auch 2009 nix Großartiges im Netz zu sehen geben wird. Wenn man sich Gedanken über einen Online-Wahlkampf macht, muss man es ohne Obamas Sonderstellung und daraus abzuleitenden Webstrategien machen. Man wird sozusagen da ansetzen müssen, wo man gerade feststeckt. Und da unsere Lernkurve seit jeher nicht sehr steil ist, wird es den Parteien als komplexe Organisationsgefüge nicht anders ergehen. Zumal das auch eine Altersfrage ist. Ich erwarte weder von einem Münte, noch von Angie oder gar einem Guido frische Signale. Und von einem beamtischen Steinmeier schon mal gar nix.

Eine Rezeptur habe ich nirgends entdecken können bisher. Einen Ansatz zeigen die Überlegungen eines kleinen Teils der republikanischen Mitglieder auf, befeuert durch die Niederlage:
This isn’t just about the Internet — it’s about recognizing that in a people-powered era, with the power of technology-empowered grassroots movements on the rise — everything about the way we mobilize voters changes. Campaign plans that called for a few hundred or thousand volunteers making phone calls in the final days are hopelessly quaint and limiting in an era when millions of people want to feel connected and involved 24/7.
Doch der Grat ist schmal, man wandert zwischen Politspam und „Grasroot“, was auch immer Grasroot konkret bedeutet. Und nur weil einer ein tolles Politvideo dreht, auf Twitter seine Überzeugungen rausposaunt und in WKW eine Gruppe gründet, muss das noch lange nix bewegen.

Es läuft auf die Frage hinaus, ob die Parteien gesamtheitlich wahrgenommen auch via Netz soweit herunterschweben können, um sich mit dem Wahlvolk spürbar zu verbinden. Nehme ich es den Parteien ab oder habe ich den Eindruck, die wollen mich nur zulabern? Das wiederum bedeutet, dass man sich mental mit den Kommunikationswerkzeugen einlässt, die einem theoretisch in der vollen Breite zur Verfügung stehen. Lasse ich die Gesichter der Spitzenpolitiker vor meinem geistigen Auge rotieren, sehe ich eher Fragezeichen, denn Überzeugungen und Einlassungen auf neue Gebiete der Kommunikation.

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

47 Kommentare

  • ja klar, ich wähl immer 😉 ist eigentlich schade, dass diese wahl immer ein wenig untergeht aber eigentlich hat das Europaparlament mehr Macht als irgendwelche Landtäge und Bürgermeister… deshalb sollte man sich schon damit beschäftigen auch wenn es eher dröge Kost ist und die Parteien es einem auch nicht gerade einfach machen sich für Europa zu interessieren…

  • Typisch. Diese Ansicht über die Europapolitik. Aber dann beschweren, wenn in Brüssel Sachen entschieden werden, die nicht gefallen? Nur mal so als Anstoß: Fluggastüberprüfung, Glühbirnenverbot, nicht nur die beliebten krummen Gurken. Die gemeinsame Außenpolitik, Asylpolitik, alles Europafragen. Bei vielem nickt der Bundestag nur noch ab!
    Und sie ist bei aller berechtigten Kritik (und bei dem geringen Einfluss des Parlaments im Vergleich mit der EU-Bürokratie) transparenter als manches deutsche Parlament, nur interessiert sich keine Sau dafür.

  • Themen wie die Three Strikes Regelung bei der Leuten das Internet verboten werden könnte ohne, dass sie von einem Richter verurteilt werden, sind auch Europapolitik.

  • Na Robert – mal wieder viel Meinung herausposaunt. Aber ich muss schon sagen, von dem neuen Anforderungen zur poltiischen Kommunikation in USA und was die „Mitmacherei“ und Bidirektionalität des Obama Wahlkampfes angeht hast Du scheinbar nicht den leisesten Schimmer. Dass meiste deines Beitrages klingt mir angelesen und nicht reingeschaut. Solche Beiträge enstehen, wenn man vielfach nur aus Sicht des Zaungastes schreibt.

    Hast Du Dich zum Beispiel mal mit nur einem der hundertausenden Studentinnen und Studenten unterhalten, die als Volunteers den lokalen Wahlkampf mitgestaltet haben? Und zum Beispiel in Iowa bei Eiseskälte Hausbesuche gemacht haben? Deine Bemerkungen müssen wie Hohn für diese Mitmacher klingen – gut, dass die nur in Ausnahmefällen deutsche Blogs über den US-Wahlkampf lesen…

    Ich würd mich gern intensiver mit Dir darüber austauschen – auch hier. Weil ich glaube, dass wir über dieses Thema auch in deutschen Blogs mehr Diskussion brauchen. Mir fehlt nur leider in diesen Tagen die Zeit. Hessen – im Vergleich zu den USA ein kleines Land mit einem viel unbedeutenderen und vielleicht auch uncharismatischeren Kandidatinnen und weniger innovationsfreundlichen Parteien wartet…

  • @Oliver: Schöner Beitrag!

    @Robert: Du überschätzt die Wirkung dieser „neuen Kommunikation“ in Deutschland. Für die Masse. Für die Vielen. Für die Meisten.

    Es finden im übrigen neben der Europawahl jede Menge Kommunalwahlen statt. Und die sind auch wichtig. Sehr wichtig sogar. Dort wird sehr viel entschieden, was Mensch direkt betrifft. Dort könnte man sich auch direkt engagieren.
    Aber da müsste man sich ja unter die Menschen begeben, sich tatsächlich selbst interessieren und nicht darauf warten, dass man von „denen da oben“ bespasst wird.

    So mal ganz provokativ daher gesagt.

    Onlien Wahlkampf könnte tatsächlich auch von A-Bloggern geführt werden, die sich engagieren. Für IHRE politische Meinung, ihr Anliegen und das müsste noch nicht einmal an eine bestimmte Partei gebunden sein.

    Das fehlt. Jo…

  • @Robert: Die Europawahlen sind wichtig. Fast schon wichtiger als die Bundestagswahlen, da im Bundestag oft nur Dinge in das deutsche Recht umzusetzen, die u.a. das Europaparlament beschlossen hat. Stichwort hier z.B. die Dienstleistungsrichtlinie, die massive Auswirkungen auf die Wirtschaft hätte, wenn sie so wie ursprünglich geplant umgesetzt worden wäre. Dann hätten z.B. EU-Handwerker hierzulande unter Umgehung deutscher Vorschriften (Sozialversicherung) ihre Dienste anbieten können und hätten damit dem Mittelstand hierzulande unfaire Konkurrenz gemacht.

  • @Freiheitsfreund, wo findet man denn grundsätztlich Infos im Netz, die auf die Europapolitik schwerpunktmäßig eingehen? Eine deutsche Seite?

    @Oliver, zwischen dem US-Wahlkampfhelfertun und dem Aufziehen eines Social Networks für die SPDler hierzulande liegen zwar Welten, zugegeben, aber dennoch wirst Du größte Schwierigkeiten haben aufzuzeigen, wo ein echter Connect zwischen Obama und dem Wahlvolk bestand. Auf Twitter? Facebook? YouTube? Auf Obamas Seite? Da wurde one way gespamt, was das Zeugs hielt und rigoros die zentralisierte Wahlkampfkommunikation durchgezogen. Spam? Es wurde halt nur nicht so bezeichnet. Das alibihafte Aufgreifen von Fragen des Wahlvolks übers Netz? War eine nette Strategie zu sagen „we hear you“. Hmmmm… klar… we hear your money. Und es war meilenweit von dem Onlinewahlkampf eines Howard Dean entfernt. Eher war es John Kerry kontrolleti hoch zwei nur mit einem sympathischen Typen an der Sptze, an dessen Lippen man hing. Du verstehst, worauf ich hinaus will? US Wahlkampf = Internetspammarketing, das 3 Ziele im Fokus hatte: Das Einsammeln von Spenden, das Akquirieren von Wahlhelfern und das Bespammen vom Wahlvolk, dabei waren sie sehr erfolgreich, aber nur und wegen Oabama, sonst nix anderem, worauf man keine Strategieimitation aufbauen kann. Das, was Obamas Team getan hat, das will ich nicht in D.

    @Mikel, interessanter Gedanke, dass sich eher der Wähler denn die Politmessiase bewegen sollten. Ich bin der Meinung, der Polit-Messias sollte zum Berg kommen. Doch mache ich mir wenig Sorgen, dass dies passiert. Nach bloßer Betrachtung der wenigen Politikerblogs habe ich nur größtenteils Schall und Rauch entdeckt, was einen möglichen Echtkanal angeht. Also doch der Wähler zum Politkader? Vielleicht mit einer Anleitung in der Hand, wie man einen Browser und das Netz bedient:))

    @Jens, das zeigt doch nur auf, dass es möglicherweise eine zu schließende Bedarfslücke gibt, sich mit EU-Politikgeschäft auseinanderzusetzen. Wär das nicht was für Dich?

  • Nein, Robert. Falscher Ansatz. Politik is zu wichtig um sie alleine „Politikern“ zu überlassen. Selbst Politik machen, das meinte ich, jenseits von Mandat und Partei.

    Themen setzen, Meinung zeigen. Mut zeigen seine politischen Ansichten laut zu sagen. Solche Meinungen sich erarbeiten.

    „Change“ zu fordern. Nicht das ewige: „Die machen nichts“. Die…

    Du! Komm, gib mal so als A-Blogger eine Wahlempfehlung für Hessen ab. Oder von mir aus erzähle, warum Du ggfs nicht wählen gehst.

    DAs ist nämlich in den USA anders. (Nicht besser) Da geben selbst die großen Blätter wie die NYT ihre Wahlempfehlug ab. Es wird Partei ergriffen, irgendwann. Da rufen die Leute ihre Bekannten an, um sie von ihrer Position zu überzeugen, da werden SMS verschickt. (Und Obama konnte wohl viele genau dazu animieren)

    Deshalb tut sich auch etwas im Netz. Weil die Meschen von sich aus mitmachen, sich bewegen lassen und nicht vor dem Monitor sitzen und darauf warten, dass etwas passiert. Sie bloggen.

    Aktiv, nicht passiv. Ist in Frankreich übrigens ähnlich.

  • @Mikel: Danke. Sehr schön.
    Es ist schon schwach, wenn man seine eigene Politikverdrossenheit darauf schiebt, dass man in Deutschland nicht von so tollen Typen wie Obama animiert wird. Politik sollte ein Grundbedürfnis sein: Sex lässt man ja auch nicht bleiben, wenn man nicht von so tollen Frauen wie im Fernsehen bestiegen wird. Schönes Fazit: Politik (oder Sex) entweder selber machen oder sich nicht darüber beschweren, wen man kriegt.

  • Echt Nonsens. Die Wahlkampf-Organistation und Kommunikation inkl. Rückkanal, die mit den Supporter nüber das Netz erfolgte, hast Du nicht sehen können, weil Sie über paaswortgeschützte Datenbanken (Zuvor Demziller, jetzt VoterBuilder), über Central Desktop in den Bundesstaaten, über neighbor-2-neighbor-Systeme etc. organisiert wurde. Und da war Content ohne Ende. Mehr als in den letzten 30 oder mehr Jahren.

    Und, nein, ich verstehe beim besten Willen nicht, worauf Du hinaus willst. Es ist so oberflächlich dahingeschrieben. Die 7.000 Kilometer Distanz nach Chicago merkt man einfach. Ich empfehle beim nächsten Wahlkampf mal in die USA zu reisen und die tatsächlichen Auswirkungen des Internet-Wahlkampf-Phänomens „on the ground“ – an den Haustüren, in den Community-Centern, in den Gewerkschaftsbüros, an den Straßenkreuzungen und Turnhallen – anzusehen.

    Eins noch: Da haben reihenweise Familien Ihre Töchter und Söhne in einem sinnlosen Krieg verloren. Und Du willst uns hier weiss machen, es hätte keinen Rückkanal gegen? Grotesk und beängstigend.

  • @Oliver, als offensichtlich Begeisterter werde ich Dir nichts davon in Abrede stellen (was für mich Spam war, ist für Dich anscheinend das Ding…). Daher stelle ich Dir die Frage, was davon Deiner Meinung nach die deutschen Parteien nutzen können? Unabhängig dessen, dass Du für die SPD arbeitest.

    @Mikel, meine Emfpehlung habe ich doch schon längst anlässlich der machtgeilen SPD-Tante in Hessen abgebeben:) Aber über das pol. Engagement in D .. bloggen…. ein Gedanke… greife ich auf zum nächsten Cafehaus-Talk. Danke! Kommste? Nächsten Dienstag in FFM… EIntrag kommt gleich.

  • Wie Mikel schon richtig gesagt hat: Es geht im Kern gar nicht darum, was die SPD oder die Parteien oder die Politiker machen. Es kommt drauf an, was DU machst. Und wenn Du das Ganze dann auch noch etwas fundierter und besser recherchiert – dass verlangen wir im Gegenzug bei Deiner Anspruchshaltung an die Politik und deren Wahlkampfteams mal von einem A-Blogger – als plumpes Y-Bashing stattfindet, dann ist uns allen schon geholfen. Von den guten Absichten, die wir mal besprochen hatten – z. B. dass Du mal Interviews mit Kandidaten machst, etc. – ist ja nix übrig geblieben. Oder habe ich was verpaßt?

  • @Mikel, schau mal, evtl. hast Du Zeit und Lust:
    https://www.basicthinking.de/blog/2009/01/06/cafehaus-talk-3/

    @Oliver, selbstverständlich fordere ich ein, immerhin ist der Gestaltungswille der Parteiköpfe hundertfach größer als meiner einer:) Was ich machen kann, war dagegen sehr simpel. So konnte ich aufzeigen, dass es von 20 Politblogs (die von aktiven Politikern mit Amtsapfel in der Hand betrieben werden) nur 1 tatsächlich in meinen Augen (wir reden von Meinungen;) schafft, als echtes Politblog durchzugehen. Die anderen senden größtenteils statt zu empfangen. Das 1 habe ich dann auch als leuchtendes Beispiel benannt. Und prompt haben sich andere gemeldet, die ihre Probleme beschrieben haben. Was daraus dann wurde weiß ich nicht. Man hatte die Gelegenheit, sich parteiübergreifend auszutauschen. Ich verbinde:) Hand nehmen muss man schon selbst. Interviews mit Kandidaten? Kann mich nicht erinnern, aber nach den Erfahrungen mit den Wirtschaftsjunioren (die noch weiter gegangen sind), würde ich das nicht empfehlen.

  • sorry Robert, das ist mein zweiter Arbeitstag, nach 5 Wochen Zwangspause :((, ich weiß nicht was da kommt. Die Krise ist überall. Es könnte auch sein, dass ich zu Hause im Wahlkampf gebraucht werde.

    😉

    Aber irgendwann auf die Europawahl zu wäre das eine gute Idee.

  • Wie, Zwangspause? Ich hab Dich nie gefragt, was Du eigentlich aktuell beruflich machst, aber es hört sich so an, als ob ich Dir viel Gesundheit für 09 wünschen sollte. Und noch ein Wunsch: Wenn Du nicht kommen kannst und dennoch etwas Zeit findest, würdest Du einen Beitrag zu diesem Thema verfassen wollen? Auf Deinem Blog? Muss ja kein Roman werden, mehr Grundsätzliches, das Dir zu eigen ist. Wäre zum Cafehaus-Talk ein guter Aufhänger womöglich.

  • Hallo zusammen.
    Ich möchte hier auch nochmal eine Lanze brechen FÜR die Chancen des Internet-Wahlkampfs (auch in Deutschland) bzw. die Einbindung der Internet-Nutzer über Werkzeuge, die wir unter dem Schlagwort „Social Media“ zusammenfassen.

    Am wichtigsten scheint mir – und damit richte ich mich insbesondere an Robert und Oliver – dass wir uns bei der Frage, ob eine authentische Einbindung von Wählern in den Wahlkampf und letztlich auch die Politikgestaltung möglich ist, nicht zu sehr in der Frage verlieren, ob nun Obama als das eine prominenteste Beispiel nur gespamt hat oder tatsächlich bereits Rückkanäle offen hatte bzw. ob das alles ohne sein vielzitiertes Charisma nicht funktioniert hätte.
    Diesen Focus auf Obamas ganz spezielle Wirkung halte ich für deutlich zu kurz gegriffen, um daraus generelle Konsequenzen oder auch Nicht-Konsequenzen für die Zukunft des Online-Wahlkampfes, gleich ob in USA oder D, ableiten zu wollen.
    Fakt ist: Obama ist EIN extrem erfolgreiches Beispiel, wenn man mal in gesammelten Spendengeldern und Wählerstimmen, aber auch Fans auf Facebook etc. zählen möchte. Fakt ist auch, wie Oliver schon sagte, dass viele seiner Unterstützer sich durchaus durch die Andersartigkeit der Kommunikation – und sei es nur durch die personifizierten eMails – eingebunden und persönlich angesprochen gefühlt haben. Dass wir als Bürger nicht plötzlich via „Irak-Wiki“ Policy-Gestaltung für den langfristigen Abzug der Truppen aus dem Irak mitgestalten, sollte ja klar sein. Nicht umsonst haben wir eine repräsentative und keine direkte Demokratie, die uns alles selbst bestimmen und gestalten lässt. Den Grad der Einmischung und Einbindung kann man also nicht schwarz/weiß in hoch(=sehr gut) und niedrig(=sehr schlecht) aufteilen, da ist dann wirklich ein genauer Blick gefragt und, lieber Robert, ich glaube, da hast du tatsächlich nicht hinreichend recherchiert.
    Demokratietheoretisch lässt sich diskutieren, inwieweit die Nutzung des Internets und der Social Media Tools per heute zu einer Demokratisierung beiträgt und beitragen kann. Da sind dann Fragen wie der so genannte digitale Graben (nicht alle nutzen das Internet oder haben auch nur ausreichend Medienkompetenz, um mit Social Networks etc. richtig umzugehen) und eben auch die der Organisationsgrenzen/Kontrollverlust usw. entscheidend, denn irgendwo wird der Wunsch nach Mitsprache der Wähler auf den Wunsch nach Kontrolle und Machbarkeit treffen – und dort werden dann interaktiv Grenzen ausgehandelt zwischen den Machern und Empfängern des Wahlkampfes/der Politik. In welche Richtung sich diese Grenzen noch verschieben können, ist aber mitnichten durch ein einziges empirisches Beispiel wie Obama vorauszusagen oder endgültig zu klären. Abgesehen davon, Robert, hast du selbst das Beispiel Howard Dean angesprochen, das ja als Möglichkeit der Ausgestaltung nicht aus der Welt ist, nur weil Obama jetzt nachgezogen ist.
    Zurück zur Frage, inwieweit dies auch hier in Deutschlang möglich ist: Auch hier halte ich es für selbstverständlich, dass wir nicht von einer 1:1 Adaption ausgehen können. Das ist aber auch gar nicht notwendig. Dennoch sind die Tools und deren zugrunde liegenden Mechanismen auch hier vorstellbar und langfristig sinnvoll. Ebay bspw. war mit seiner klassischen Form des Auktionshauses in China nicht erfolgreich, dafür gibt es dort andere Anbieter, die auf die Bedürfnisse des chinesischen Kunden sehr erfolgreich eingehen – beides ist im weitesten Sinne „Web 2.0“, beides Auktionshäuser, aber im Detail liegt dort der Unterschied.
    Wenn ein Thorsten Schäfer-Gümbel in Hessen „Yo isch kann“ ruft, mag das vor der Blaupause Obama lustig klingen und vielleicht zunächst eher zum Gespött, denn zum Mitmachen einladen. PR ist es aber dennoch, in diesem Fall sogar gut platzierte Selbst-Ironie.
    Wichtig ist vielmehr, inwieweit Herr Schäfer-Gümbel z.B. die Antworten auf seinen Video-Blog zum Anlass nimmt, daraus seine Politikgestaltung und seine Prioritäten im Wahlkampf abzuleiten. Dass sich das innerhalb unseres politischen Systems auch nur Schritt für Schritt umsetzten lassen wird, ist unbestritten. Aber diese ersten Geh-Versuche sind wichtig und können lokal, also im deutschen Umfeld, für erste Daten und Erfahrungen sorgen, die es überflüssig machen, sich am Obama-Beispiel festzukrallen, das sich so ohnehin nicht übertragen lässt. Alleine die Tatsache, dass wir hier so eifrig diskutieren und andernorts in vielen Online-Zeitungen wie Spiegel Online, Sueddeutsche u.a. bereits nach den Möglichkeiten des Web für unsere Einbindung als Bürger gefragt wird, zeigt doch, welchen Einfluss die Pionierarbeit haben kann: Sie regt zumindest den Diskurs an – und dieser führt mittel- bis langfristig zu einer Verfestigung und Institutionalisierung der Thematik, sollte sie auf genügend Gehör und Widerhall stoßen.
    Selbiges ist im Zusammenhang mit Web 2.0 in anderen Bereichen schon längst passiert: Spreadshirt ist ein Beispiel für den so genannten „Social Commerce“, in dem der Kunde zum „Prosumer“ gemacht wird, Plattformen wie Facebook und StudiVZ leben nur von den vom Kunden zur Verfügung gestellten Daten und würden ohne dessen Einbindung nichts wert sein. Ob wir das so wollen oder das gut ist, sei dahin gestellt, aber diese Geschäftsmodelle als solche haben sich auch erst in den letzten Jahren entwickelt. In der Politik und NGO-Welt sind diese Themen noch relativ neu, Kinderkrankheiten eingeschlossen.
    Deshalb sollten wir meiner Ansicht nach eher über Möglichkeiten und Lösungen diskutieren und bei unseren eigenen jeweiligen privaten Öffentlichkeiten und Einflusssphären beginnen (also z.B. unseren Blogs), anstatt durch Fremdzuschreibung (der Obama dort mit seinem Wahlkampf ist so erfolgreich und ich hier als Bürger hab eh nix zu sagen) und Einzelfallbeispielen den Blick allzu sehr zu verengen und tatsächliche Langfristfolgen und -Chancen dadurch aus den Augen zu verlieren.
    Ebenso wie in der Corporate Social Responsibility Debatte (Unternehmensverantwortung) ist Transparenz und Einbindung des Kunden/Wählers keine einseitige Entscheidung, sondern basiert vor allen Dingen auch auf dem Nachdruck, mit dem diese durch uns gewünscht wird. So, wie wir als Konsument von Bio- und Fair-Trade-Produkten oder Konsumenten-Boykotts bei Kinderarbeit und Sweatshops durchaus einen Einfluss haben, können wir auch in der Politik mehr Einbindung fordern und diese langfristig auch erreichen. Wichtig ist dabei, dass wir uns zuerst unserer eigenen Verantwortung dabei bewusst werden und dann proaktiv die unseren Möglichkeiten ausschöpfen. Das Internet ist dabei nur ein Medium, die darin enthaltenen Social Media Tools wiederum eine Unterart, die es uns möglich macht, uns global und frei von gegebenen Hierarchien zu organisieren. Dabei hat keiner behauptet, dass wir bei unserer Einmischung in die Politik auf eine Einladung von Frau Merkel oder Herrn Steinmeier warten sollen, das wäre passiv und in etwa so, als wenn wir nur bei Anwesenheitspflicht die Möglichkeit des Wählens wahrnehmen. Politik geschieht jeden Tag auch durch uns, durch unsere Entscheidungen als Konsument, durch unsere Meinung als Blogger und jene, die wir im Gespräch mit anderen anstoßen. Wenn wir Social Networks zum schnelleren, effizienteren Verbreiten unserer Meinungen und für einen offeneren, hierarchiefreieren Diskurs verwenden, ist schon viel gewonnen. Und wenn wir uns dann organisieren, um durch gemeinsame Plattformen Druck auf Politiker oder Transnationale Unternehmen auszuüben (ich erinnere an MoveOn.Org oder auch Online-Boykotte z.B. gegen Lufthansa), dann ist eben genau das Einbindung in die tagesaktuelle Politik, ermöglicht durch Social Media – und genau solche Aktionen können und werden mittelfristig auch jenen, die wir bislang als Personifizierung der Politik wahrnehmen, also Merkel, Steinmeier & Co, aufzeigen, dass es ohne die Berücksichtigung dieser Tools und Internet-Öffentlichkeiten nicht mehr geht, ggf. über den Umweg, dass weniger bekannte Lokalpolitiker damit starten und sich dadurch einen komparativen Vorteil verschaffen. Und sei es nur über die erhöhte Aufmerksamkeit der Blogosphäre…

  • hier kann man sich auf deutsch über die EU schlau machen:

    Die verschiedenen EU Institutionen haben generell zwar chaotische websites, aber wenn man lange genug sucht, findet man fast alles:

    http://ec.europa.eu/deutschland/
    http://www.europarl.de
    http://ec.europa.eu/index_de.htm
    http://www.europarl.europa.eu/news/public/default_de.htm

    gute seite, die versucht die EU verständlich zu erklären:
    http://www.europa-digital.de/

    und es gibt sogar ein paar deutschsprachige EU blogs:
    http://www.law-europe.eu/
    http://www.nicole-messmer.de/

  • Wundert mich, dass du die vielen kleinen Bewegungen ins Netz der hessischen Wahlkämpfer nicht bemerkt hast, Robert. Die CDU z.B. über webcamp09, welches geh ich mal davon aus auch im Bundestagswahlkampf weitergenutzt werden wird (mal schaun). Von der SPD hab ich auch schon einiges gelesen, allerdings berührt mich der gesamte Wahlkampf bei euch nicht so wirklich, so dass ich das nicht weiter verfolgt habe.

  • Ich kann Ole nur zustimmen. Das Internet als Kampagnenvehikel kann doch nicht alles gewesen sein.

    Jeder versteht, wie das Internet die Demokratisierung von Meinungen treibt. Aber das Thema ist durch. Ausgereizt. Ne eigene Meinung hatte schon immer jeder. Verbesserungen der Filterwerkzeuge sind nur noch marginal. Was aber ist mit der Demokratisierung von Informationen und Entscheidungen?

    Informationen verfügbar machen und aufbereiten. Verantwortung und Entscheidungen zurück an die Bürger/Konsumenten/Wähler/Menschen delegieren. Das Potential des Internets für die Demokratisierung von Informationen und all ihrer Aspekte wie Qualität, einfacher Zugang, Darstellung, etc. ist gigantisch. Die zahllosen guten Beispiele wie
    http://www.docinsider.de/
    http://www.meinprof.de/
    http://www.agrar-fischerei-zahlungen.de/afig/Suche
    http://de.statista.org/
    http://www.xbrl.de/
    https://www.qualitrail.de/wsade/index.jsf
    dürften hier den meisten bekannt sein. Doch kratzen sie bisher nur an der Oberfläche. Die Politik ist zu sehr damit beschäftigt, neue Barrieren aufzubauen und lieber selbst zu „gestalten“.

    Hier prallen Philosophien aufeinander. Aber wo ist die politische Kraft, die das erkennt und nutzen will? Ab einem gewissen Stadium ist es wohl zu schwierig, seinen Gestaltungsdrang wieder einzufangen und im Zaum zu halten. Wie Kurt Biedenkopf schon gesagt hat: „Große Veränderungen bekommt man nur noch von unten hin.“ Und dabei hatte er noch nicht einmal das Internet im Sinn.

  • Hübsch gebrüllt, aber ein paar Dinge vergessen:

    Es fängt schon mal damit an, dass du bei der Obama-Kampagne den Bereich „myBO“ komplett ausgelassen hast, denn genau dieser Mitgliederbereich hat die Vernetzung der Wähler und Interessierten außerhalb des Webs forciert und unterstützt, wenn auch mit Data Mining, wie es an sich nur in den USA möglich ist. Genau dieser Bereich ist das Kernstück der Kampagne gewesen und verstanden hat man den an sich auch nur, wenn man darin mitgearbeitet bzw. das beobachtet hat. Denn dieser Bereich hat einen Großteil der Parteiorganisation übernommen, die über Jahre hinweg von den Demokraten krass vernachlässigt wurde.

    Der „Rest“, also die äußere Plattform mit den Einbettungen in Social-Networking-Dienste, in Twitter, Flickr, YouTube etc., das sind Dinge, die keinen Kandidaten und vor allem keinen authentisch wirkenden Kandidaten ersetzen können, wohl aber in seiner Kampagne begleiten. Nicht mehr und nicht weniger. Weder funktioniert es, einen völlig web-inkompatiblen Kandidaten zu puschen, noch einen Menschen zu begleiten, der eigentlich mit Menschen nicht umgehen kann.

    Dazu kommt dann noch die mediale Umgebung, die in den USA auf der obersten, politischen Ebene gänzlich anders ist, als bei uns. Wahlwerbung im Fernsehen kostet dort Geld, in Deutschland gibt es kostenlose Werbeplätze dafür. In den USA gibt es einige, wenige, überregionale Medien, denen man sich als Kandidat eher anbiedern muss, hier ist es umgekehrt. Allerdings ist die präsidentiale Umgebung in den USA wiederum in Deutschland vergleichbar mit einem ganz anderen Feld bei uns, nämlich der kommunaler Ebene, die die meisten Probleme in einem ganz kleinen Rahmen in der jeweiligen Region hat.

    Grundsätzlich sind wir bei Politik 2.0 sehr schnell bei der Diskussion, was wirklich nützlich ist und was eigentlich nur einen Hype ausnutzen soll. Was passt „oben“, was passt „unten“ im Politikbetrieb? Wie kann ein Bürgermeister die „Obama-Nummer“ für sich nutzen (was übrigens sehr gut geht, wenn man sich zunächst auf die Kernthemen beschränkt)?

    Stattdessen gibt es zwei Fraktionen: Die einen, die mit teilweise krassen Ergebnissen versuchen, die Obama-Kampagne auf die eigene Partei, den eigenen Kandidaten abzubilden und die anderen, die bei der ganzen Philosophie eines vergessen: Man muss schlicht und einfach mal anfangen, das am besten ganz unten und das Ding wachsen lassen. Denn da funktioniert es nachweislich, wo schon lange nichts mehr klassisch wächst.

  • Mickel,

    entschuldige, aber dieses „Los, gib eine Wahlempfehlung! Mach!“ gegenüber R.B. empfinde ich jetzt schon als ziemlich merkwürdig. Es ist übrigens in der Bundesrepublik Deutschland auch vollkommen unnötig, da die politische Haltung jener, die hierzulande zu den „A-Bloggern“ gehören, viel uniformer ist, als beispielsweise in den USA. Das hat etwas damit zu tun, wie’s hierzulande generell um solche Sachen wie Meinungsfreiheit und die hieraus sich ergebende Streit- und Debattenkultur bestellt ist. Von daher …

  • @Marco: Das war doch nur ein Beispiel und los und mach steht da nicht 😉

    @Robert Artikel steht
    http://mikelbower.de/blog/index.php/c76/sperren
    Da wäre noch viel zu sagen und vielleicht auch akademischer, aber wir wollen ja spontan sein.
    Übrigens, damit wir uns nicht falsch verstehen, ich bin nicht meinen Job los, nur kauft uns grad keiner was ab oder so und da wr halt mal dicht, dass die Lager wieder leer werden können. 5 Wochen Ruhe zum schreiben bekomm ich auch nie mehr 😉

  • @Jens, das zeigt doch nur auf, dass es möglicherweise eine zu schließende Bedarfslücke gibt, sich mit EU-Politikgeschäft auseinanderzusetzen. Wär das nicht was für Dich?

    Nicht wirklich… ich werde sicherlich auch mal bei mir im Pottblog über die EU-Wahl bloggen (in meinem Politikblog (siehe Link) habe ich Europa mal kurz angesprochen, könnte aber – wenn es RL-Veranstaltungen dazu vor Ort gibt – noch öfter passieren), aber das ist meiner Meinung nach ein sehr weites Feld, was man da beackern müsste.

  • #33 Wahlleiter.de,

    Und mit der Linken geht erst recht nix. Ich frage mich allerdings ernsthaft, wozu es die Ultrasozialisten noch braucht, wenn alle sozialistische Politik machen und sozialistische Phrasen dreschen. Gerade das Geblubber von den „unregulierten Märkten“ im Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Finanzkrise ist gerade zu lächerlich und erinnert an Orwell, wo die Begriffe in Ozeanien ja auch teilweise in ihr Gegenteil verkehrt wurden. Tatsächlich gibt es keinen Bereich der Wirtschaft, der durch den Staat und transnationale, staatliche Regulierungen so stark betroffen ist, wie der Finanz- und Bankensektor. Den könntest Du nur noch stärker regulieren, wenn du ihn komplett verstaatlichst.

    Wer wissen will, wie die ganze Finanz- und Wirtschaftskrise zu Stande kam und wie stark der Staat und eben die geforderten Regulierungen hier ihren Anteil haben, den sei dieses Video empfohlen:

    http://opponent.de/index.php?entry=entry081201-191608

  • TSG, mach mir den Obama!…

    Es war nur eine Frage der Zeit. Nachdem Barack Obama so für seinen Webwahlkampf gelobt wurde und sein Erfolg viel darauf zurück geführt wurde, wartete man auf die deutsche Antwort.
    Nun hat sich mit Thorsten Schäfer-Gümbel, dem …

  • Hallo Robert,
    freut mich, dass Du doch Blut leckst 😉

    Europa im Netz? Hängt davon ab, was man vor hat. Es gibt da Primär- und Sekundärquellen. Ich beschäftige mich meistens mit den Primärquellen und z.B. den Unmengen Anträgen etc., die fast alle in fast allen Sprachen online sind. Dazu hat sicher nicht jeder Zeit und Lust, aber manchmal lohnt es.

    So gibt es z.B. das Papier (gar nicht lang, nur ca. 20 Seiten) zur aktuellen „Glühbirnenverbotsdiskussion“ unter: http://ec.europa.eu/energy/efficiency/ecodesign/doc/committee/2008_12_08/draft_domestic_lighting_products_regulation_de.pdf

    Sehr transparent, wie ich finde, insbesondere für Recherchen z.B. von Medienleuten. In manchen Bundesländern könnte man davon nur träumen. Alles steht online.

    Daneben würde ich auch manchmal reinschauen, etwas aufbereiteter, unter:
    http://ec.europa.eu/deutschland/ (Kommission)
    http://www.europarl.de/aktuell/ (Parlament, Liveübertragungen, Kalender, Infos…)
    http://www.eurotopics.net/de (Europapolitische / EU-weite Presseschau, englisch, deutsch, etc., hab den Feed abonniert)

  • Wer entgegen aller Skepsis doch zufällig die eine oder andere interessante Innovation in Sachen Online-Wahlkampf aufspürt, kann sie gerne in dieser Flickr-Gruppe sammeln:

    http://www.flickr.com/groups/internetwahlkampf/

    Inspiration aus USA gab und gibt es aktuell ja reichlich. Ich bin mir relativ sicher, dass da im Laufe des Jahres auch in Deutschland einiges Material zusammenkommen wird, trotz oder gerade wegen der erforderlichen Anpassungen an die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort.

  • Es gäbe jetzt vieles, worauf man da eingehen könnte (vieles wurde aber auch z.B. von Ole schon gesagt).

    Ich möchte dich, Robert, hier einfach mal darauf verweisen wie viel Web 2.0 es in der Politik schon gibt. Der Einfachheit halber (weil es da schon ne Liste gibt) am Beispiel von Twitter: http://www.homopoliticus.de/twitter/ (Liste für Hessen und für Gesamtdeutschland)

    Wie du dort sehen kannst, gibt es aus jeder Partei bereits twitternde Funktionsträger, einige Prominente (z.B. Volker Beck) sind auch dabei und es sind insgesamt viele grüne.

    Dass das alles erst am Anfang ist und noch wachsen muss und auch (wie schon gesagt) viele Kinderkrankheiten zu beobachten sind, ist klar. Aber es läuft an.

  • Au weia, gespielte Bürgernähe gabs schon immer. Nun verwenden die Parteien das Internet, um ihr „Bürgernähe-Mäntelchen“ aufzuhübschen. Dass das Internet es hier und da einfacher macht, sich zu engagieren, ist richtig und ok. Geschenkt. Aber bisher hat das Internet an der Art, wie Politik und Demokratie in Deutschland funktioniert, überhaupt nichts geändert. Im Gegenteil, in den letzten 10 Jahren ist Intransparenz, Manipulation und Machtgekungel noch schlimmer geworden. Ich wiederhole die Frage: Wo ist die politische Kraft, die das Internet als „Transparenz- und Informationsmaschine“ erkennt, nutzt und fördert? Ausser Social-Network-Gebrabbel, ist doch bisher nichts dabei herausgekommen.

  • Hallo zusammen, ich glaube man sollte den Wahlkampf Obamas und seiner Crew nich all zu weit herunter spielen. Da ist schon einiges passiert was man social Networking nennen kann. Das es allerdings noch keine nennenswerten Veränderungen hier in Deutschland geben wird, halte ich für sehr wahrscheinlich. Das liegt meiner Ansicht aber weniger daran, dass sich unsere „Spizenpolitiker“ nicht drauf einlassen wollen, sondern daran, dass sie sich davon keinen Gewinn versprechen (können). Was die Social-Media-Nutzung anbelang hinken wir — das sieht man zumindest an anderen Bereichen wie dem Bloggen oder dem Online-Volunteering — der „westlichen Welt“ (USA und Kanada) zehn bis fünfzehn Jahre hinterher. Wird also noch ein Srück dauern, bis social Networks für Politik und Wirtschaft einen MEHR-Wert hat.

    foulder

  • ganz viel rauch um nichts – und das nichts ist in diesem falle einfach mal roberts artikel, den er wohl einfach schnell runtergeschrieben hatte, ohne sich wirklich mit dem thema zu beschäftigen. ich kann mich hier nur der kritik und den ausführungen von oliver, ole und cem anschließen. das der rückkanal direkt zu obama zu 99,99% nicht funktioniert, ist ja wohl klar.

    zur obama campaign, zu den vielen freiwilligen haben die rückkanäle aber ganz gut funktioniert. und es soll dort im wahlkampf doch auch tatsächlich, abgesehen von den ganzen spam-mails, eine vernetzung von obama-sympathisanten, volunteers etc. untereinander gegeben haben, die sich über verschiedenste social media-plattformen organisiert haben. daraus ist fast eine neue soziale bewegung entstanden – und hier hat das internet ja vielleicht doch eine rolle gespielt, oder?

  • Wahlen Wahle Wahlen…. Grundsätzlich sollte man von seinem Wahlrecht gebrauch machen… nur wen wählt man?? Viele Kandidaten.. keiner dabei??… also wen?? Tja die Europawahl ist mit heute auch vorbei…. und?? einen passenden Kandidaten dabeigehabt??

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