Auf Jobsuche? Mafia zieht bei Facebook ein

André Vatter

Wenn ich Mafia-Boss wäre, würde ich meine Tage in dunklen Hinterzimmern verbringen, mir den Bauch mit Spaghetti Bolognese vollschlagen und hin und wieder Killer-Anwärter mit einer beiläufigen Handbewegung aus meinem Blickfeld verscheuchen. Dazu dann sizilianischer Wein – auch morgens schon. Hachja. Aber die Zeiten sind wohl eh vorbei. Auch das organisierte Verbrechen muss ja einmal im 21. Jahrhundert ankommen: Salvatore Riina – alias „Totò“ – alias „der Kurze“ – alias „die Bestie“ – sitzt als Cosa Nostra-Chef zwar im Knast, hat aber auf Facebook eine eigene Gruppe, deren Mitglieder sich dem kollektiven Daumendrücken für den Paten verschrieben haben.

Dass das kein Einzelfall ist, schreibt die „New York Times„. Auch Riina-Zögling Bernardo Provenzano (nebenberuflich Model für Kassengestelle) ist mit dabei. Laut Bericht gehen die italienischen Behörden bereits auf die Barrikaden, zumal die virtuellen Mafia-Fanzirkel derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen: Auf „Totò Riina, the Real Boss of Bosses“ wurde dem alten Herrn erst einmal „Merry Christmas“ gewünscht und dann ein Stellengesuch als Picciotti hinterhergeschoben.

Die Polizei von Palermo hat eine Heidenangst, dass die Kontaktplattform nun dazu genutzt wird, um den Führungsstab der Knochenbrecher nach Riinas Festnahme wieder aufzubauen: 100 Leute seien in den vergangenen Monaten deshalb verhaftet worden. Facebook selbst juckt die Kritik nicht sonderlich: ob aus Überzeugung oder Angst, weiß ich nicht, jedenfalls bat der Sprecher beim Interview darum, „in einem Artikel über die Mafia“ namentlich nicht genannt zu werden.

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(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.