Hack, Zensur oder Panne? Die verschwundene Gay-Literatur von Amazon

André Vatter

Am Wochenende war in Amerika die Hölle los: empörte Briefe, böse Blog-Einträge, öffentliche Proteste, wütende Tweets, Aufrufe zu Petitionen. Grund für den moralischen Aufstand war die Tatsache, dass von einem auf den anderen Moment sämtliche homosexuelle Literatur aus den Rankings und der Suche verschwunden war. Und zwar weltweit.

In einer ersten Stellungnahme stritt Amazon ein vorsätzliches Vorgehen ab und sprach von einer Panne („glitch“) in der Datenbank. „Das ist ein peinlicher und grober Katalogfehler für ein Unternehmen, das stolz darauf ist, eine größtmögliche Auswahl zu bieten“, ließ Amazon mitteilen. Betroffen waren insgesamt 57.310 Bücher und zwar nicht nur aus den Bereichen „Gay & Lesbian“, sondern auch aus der Sexualmedizin und (heterosexuellen) Erotica – kurz: in erster Linie Titel, denen ein vielleicht überbesorgter Online-Buchhändler das Etikett „Erwachsenenliteratur“ aufdrücken würde.

„Der Fehler wurde nicht nur in den USA sondern weltweit festgestellt. Er beeinträchtigte die Darstellung des Verkaufsrangs von Titeln, die zudem nicht mehr in den Ergebnislisten der Amazon-Produktsuche auftauchten“, teilte eine Sprecherin von Amazon Deutschland pressetext mit. Für viele Titel sei der Fehler bereits behoben worden und Amazon sei dabei, den Urzustand auch bei den verbleibenden Titel schnellstmöglich wieder herzustellen. „Darüber hinaus beabsichtigen wir die Einführung neuer Maßnahmen, um derartige Fehler in der Zukunft noch stärker vorzubeugen“, so Höger.

Smarter als dein Feed

Lass dich mit unserem Tech-Briefing UPDATE bei KI und den Tech-News von morgen nicht abhängen – kostenlos täglich in der Inbox von über 13.000 Lesern.

Mehrere PDFs Mockup

Gratis zur Anmeldung:
Zugriff auf alle PDF-Guides

Mit deiner Anmeldung akzeptierst du unsere Datenschutzerklärung.

Damit könnten sich die Gemüter eigentlich wieder beruhigen und die „Zensur!“-Rufe stiller werden. Wenn nun nicht im Gegenzug eine neue Stimme laut geworden wäre, die für Irritierung sorgt: Ein Blogger, der sich selbst als schwulenhassender Junky bezeichnet, will mit „zehn Zeilen Code“ für das Amazon-Chaos verantwortlich gewesen sein – weil sich Schwule über seine Werbung beschwert hätten. Amazon stellt ihn ins Abseits und nimmt weiterhin alle Schuld auf sich: es sei ein Datenbankfehler und kein Hack gewesen.

Was nun? Ich finde beide Szenarien nicht gerade beruhigend: Entweder Amazon nimmt derzeit eine Klassifizierung von Ü18-Literatur vor, zu der vorsichtshalber auch Bücher mit homosexuellen Inhalten gezählt werden. Oder zehn Zeilen Code reichen aus, um die Bestsellerlisten nach eigenem Belieben umzustellen.

Unser Zins-Tipp

Eröffne jetzt dein kostenloses Myntro Festgeld und erhalte 3,43 Prozent Zinsen auf dein Geld – und das garantiert für 12 Monate!


Jetzt Zinsen sichern

Anzeige

(André Vatter)

Google lässt dich jetzt selbst bestimmen, welche Quellen du in der Suche häufiger siehst. Mit zwei schnellen Klicks kannst du BASIC thinking kostenlos als bevorzugte Quelle hinzufügen und damit unabhängigen Tech-Journalismus unterstützen. Vielen Dank!

STELLENANZEIGEN
Social Media Manager (m/w/d) in Teilzeit
Allstar Fecht-Center GmbH & Co. KG in Kusterdingen b...
Duales Studium Betriebswirtschaftslehre (B.A....
IU Internationale Hochschule in Leonberg
Head of Digital Marketing (m/w/d)
cbs Corporate Business Solutions ... in Heidelberg, ...
Social Media Content Creator (m/w/d)
Hacienda San Nicolàs GmbH in Hamburg
Robotics AI Expert / Technical Product Owner ...
Bosch Gruppe in Renningen
(Junior) Social Media Manager (m/w/d)
Eduard Gerlach GmbH in Lübbecke
Manager Influencer Marketing (Aldiana) &#8211...
DERTOUR Hotels & Resorts GmbH in Frankfurt am Main
Social Media Manager B2B (m/w/d)
Hays – Interne Karriere bei Uns in Mannheim (68163),...
THEMEN:
Teile diesen Artikel
Folgen
André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.