Digitales

"Einschreiten und abschalten": Junge Union verlangt Videobann auf YouTube

baby_fightOffenbar bringt die Debatte um staatlich errichtete Blockaden im Internet immer neue Gedankenspiele in Gang. Nun meldet sich auch die Junge Union NRW zu Wort und verlangt die konsequente Verbannung gewaltverherrlichender Inhalte in Jugendforen und auf Clip-Portalen wie YouTube und MyVideo. „Rivalisierende Jugendbanden putschen sich mit Hassbotschaften und Gewaltposen im Internet auf, um sich anschließend zu Straftaten zu verabreden, ähnlich den kriminellen Vorbildern aus der amerikanischen Rapper-Szene“, heißt es da gänzlich ungangsterhaft vom JU-Landesvorsitzender Sven Volmering. „Wer Probleme mit den Eltern oder der Freundin hat, versucht sich hier sein Selbstbewusstsein zu holen“.

Ordnungshüter sollen angesichts der steigenden Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen im Internet „einschreiten und abschalten“. Betreiber von YouTube und Co. müssten ihre Plattformen sauber halten und Uploads schärfer kontrollieren, „zum Beispiel, indem sich jeder Nutzer erst mit voller Anschrift und seiner Personalausweisnummer registrieren muss“, meint Volmering. „Sperrt YouTube alle Musikvideos, gibt es große Aufregung. Wenn dort Gewalttaten gezeigt werden, wird geschwiegen. Das darf man nicht länger einfach hinnehmen, hier muss die Politik handeln.“

Die Junge Union will ihre Pläne durchdrücken und hat dafür bereits einen Antrag für den NRW-Landesparteitag der CDU eingereicht, der von der Spitze „mit Zustimmung“ aufgenommen wurde.

Ich hätte dazu einige Fragen/Anregungen:
1.) Wer bestimmt, ob ein Video „gewaltverherrlichend“ ist und deutsche Kids tatsächlich zu Mord und Todschlag anregt?
2.) Wie soll die Logistik der Kontrolle funktionieren, wenn auf YouTube nach eigenen Angaben „jeden Tag Millionen von Videos abgespielt und Hunderttausende von Videos hochgeladen“ werden?
3.) Was machen die jugendlichen Prügler, während sie nicht Videos drehen, schneiden und anschauen?
4.) Warum kommt so ein Vorschlag kurz nach den vertraglich vereinbarten Netzsperren – und vor der Bundestagswahl?
5.) Wie wäre es, wenn wir auch Bilder und Videos verbannen, die ähnlich gefährlich sind, etwa Clips, in denen sich jemand eine Zigarette ansteckt, jemand unanständig flucht oder in denen überproportional häufig die Farbe Rot vorkommt?

(André Vatter)

Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

30 Kommentare

  • Wo werden diese Botschaften und Videos dann gesehen, wenn diese Plattformen davon gesäubert sind? Das klingt mir sehr nach Schulmedizin.
    Statt die Wurzel zu bekämpfen (warum werden diese Menschen gewalttätig), will die Junge Union die Auswirkung beämpfen.

    Kein Youtube mehr?
    Dann halt was anderes.

    Ich kann mir nach wir vor vorstellen, dass es um die Kontrolle insgesamt geht. Man sucht sich für den Beginn nur Themen heraus, die einleuchtend sind und wenig Widerstand hervorrufen. Kinderpornos, Terrorabwehr, Jugendgewalt. Klingt alles wohlwollend.

    Sehr gut hier die Frage nach dem danach? Was sperrt man anschliessend?

    Wir sind tatsächlich am Beginn einer Zeit, die wir aus den 90iger Jahren aus Science Fiction Filmen kennen. Empfehlenswert: Demolition Man (weniger die story, mehr die lebensweise der Menschen) http://de.wikipedia.org/wiki/Demolition_Man

  • Lächerlich, die Junge Union fordert zunehmend chinesische Verhältnisse. Die Diskussion führt doch nur die Gedanken weiter, wo die Meinungen über Gefährdungen durch Videospielen nach jedem Amoklauf ansetzt. Haben die U-Bahn Schubser von München sich vorher mit Videos aufgeputscht?

    „3.) Was machen die jugendlichen Prügler, während sie nicht Videos drehen, schneiden und anschauen?“ Diese Frage finde ich besonders schön.

    Ach ja, und was macht der Rest der Jungen Union eigentlich in seiner Freizeit? Ob er die Gedanken aus YouTube Videos hat: http://www.welt.de/politik/article1822594/Nazi_Skandal_um_CDU_Nachwuchspolitiker.html

  • IQ-Test für Politiker (auch die Jungen), dazu ein Nachweis von mindestens 10 Jahren Erfahrung mit Medien. Jetzt sofort! Unglaublich was die sich noch alles ausdenken werden um irgendwelche Dinge „zu erschweren“.

    Wenn das Internet eine Lobby wie die Autofahrer hätte … dort schaffen es Forderungen nach Tempolimits auch nicht weit, dabei wäre ein Limit auf 100 km/h so was von dermaßen sicher 😉

  • Die Antworten:

    1) Die Politiker natürlich.
    2) Ganz einfach: Alle Uploads sind erst einmal gesperrt und werden einzeln nach Vorlage bei 1) freigeschaltet.
    3) Neue Gewalttaten und Verbreitungswege ersinnen.
    4) Weil die Türe gerade so schön offen steht.
    5) Gute Idee! Möglichst bald umsetzen!

  • Ich muss echt sagen, dass diese Antworten berechtigt sind un ich mir auch nicht o richtig vortsellen kann, wie dies alles gehändelt werden soll.

  • “Sperrt YouTube alle Musikvideos, gibt es große Aufregung. Wenn dort Gewalttaten gezeigt werden, wird geschwiegen…“

    Leider ist an der Aussage etwas wahres dran! Wenns ums Geld geht, dann sperrt Youtube gerne mal ein paar Videos. Wenns aber um Gewaltvideos geht, dann bewegt sich nichts.

    Aber wenns Youtube nicht mehr zeigt, dann eben eine andere Plattform!

  • Also ich kann das nicht glauben was ich hier lese,wenn das stimmt und keine Ente ist ….x_X

    Also wenn die deutsch Politik so weiter macht hoffe ich , dass die Jagt auf deuscht schwachmaten Arschlöcher , die unsere politische Landschaft dermasen versauen eröffnet wird….

    Ich bin immer noch Überzeugt, dass es auf einen totalen Überwachungsstaat hinausläuft… Die Überwachung, die wir jetzt schon haben hat nichts aber auch garnichts verhindert

    Das ist schon wie früher jeder bekommt ne Nummer siehe diese Steur Renten etc Nummer die wir vor 2 Jahren per Post nach hause bekommen haben. Jeder von uns !

    Einfach nur zum Kotzen…
    Da ist jedes Wort zuviel

  • “Rivalisierende Jugendbanden putschen sich mit populitischen Botschaften und Ignoranzposen zum Thema Internet auf, um sich anschließend zu verfassungsfeindlichen Aktionen zu verabreden, ähnlich den Vorbildern aus der bundesdeutschen Regierungs-Szene”, so Dr. J. U. Obacht. “Wer Probleme mit der Gesellschaft hat, versucht hier sein Profil zu schärfen”.

  • Was die Jungen Herren der Union ausblenden ist, das es recht einfach ist unangemessene Inhalte von Youtube zu verbannen, dafür gibts extra nen Button.
    Allerdings ist das wohl etwas, das der Fernsehschauende Unionswähler nicht weis,..

    Und Strafrechtlich Relevante Inhalte die auf Youtube hochgeladen werden sind doch ne Prima Sache !
    Wie prima Sache ? Na,.. wegen der Strafverfolgung !
    Wenn ein paar Rabauken Beweismaterial hochladen ist es doch das beste was nem Staatsanwalt passieren kann !

    Das Google,.. also auch Youtube sehr kooperativ mit dem Staat sein kann kennt man ja aus China…

  • Also, erst anmelden mit Ausweisnummer halte ich für sinnvoll. Zensur nein, aber jeder, der etwas veröffentlicht, sollte auch dazu stehen und die Verantwortung übernehmen.

    Wer die gesellschaftlichen Normen, die ausserhalb des Internet gelten, verletzt, soll genauso mit Strafverfolgung rechnen müssen wie jemand, der sich auf den Marktplatz stellt.

    Genauso wie bei der Kinderpornografie: Kein Stoppschild, kein Mäntelchen davorhalten, sondern Ermittlungen und Strafverfolgung.

  • @GE: Dann benutzt er halt TOR oder irgendeinen Proxy in Russland oder sonstwo wo es keinen stört und gibt ne falsche Adresse, etc., an.

    Außerdem: Gut, YouTube ist eine große Plattform, die man kennt. Aber was ist zum Beispiel mit kleineren, zum Beispiel nichtkommerziellen Plattformen. Im Moment reicht eine Mailadresse um sich irgendwo anzumelden. Der Betreiber einer Seite muss die IP-Adresse und die genaue Zeit eines Uploads speichern, und sollte dieser rechtswidrig sein, werden die Ermittlungsbehörden feststellen, wem die IP gehört hat. So einfach geht das.

    Wenn sich jetzt jeder überall mit Adresse anmelden muss, bin ich mir ziemlich sicher, es wird in kürzester Zeit einen haufen Fake-Plattformen geben, die im Wesentlichen an Adressdaten wollen. Was letztendlich dann dazu führen wird, dass man eine staatliche Lizenz braucht, um „web 2.0 plattformen“ zu veröffentlichen. Ist es das was wir wollen? Das Internet ist eh schon kommerzialisiert genug. Wollen wir wirklich, dass es zu 100% zu einer Kommerzmüllhalde wird?

  • Ich habe Herrn Sven Volmering jetzt eine Email geschrieben, ich finde dieser tolle Vorschlag muss unterstütz werden !

    Die Email-Adresse gibt es bei http://www.ju-nrw.de/, den Text habe ich (wenn jemand die gleiche Mail schreiben möchte) hier hochgeladen (TXT, UTF-8): http://senduit.com/3dacf0

    Besonders auf folgende Aussage von ihm wollte ich in meiner Email eingehen…

    —ein kleiner Auszug aus meiner lobenden Mail—
    “[…]sowohl das Hochladen solcher Videos als auch das Anschauen zu erschweren. “Zum Beispiel, in dem sich jeder Nutzer erst mit voller Anschrift und seiner Personalausweisnummer registrieren muss”“
    ==>
    Ein großartiger Vorschlag ! Sicher haben sie in (uns leider noch nicht
    zugänglichen) Detail-Papieren folgende Fragestellungen schon erschöpfend gelöst:
    – Die Verifizierng der bei youtube einzugebenden Daten bei einer staatlichen
    Datenbank, die alle Anschriften samt der dort wohnenden Mitbürger und ihrer Personalausweise enthält.
    – Die datenschutzrechtliche und sicherheitstechnische Architektur dieser
    auf staatlicher Seite zu erstellenden Infrastruktur. Denn schließlich müssen
    diese Daten ja auch zur Strafverfolgung genutzt werden, was zuallererst die
    Richtigkeit der bei youtube eingebenen Daten vorraussetzt.
    – Wie sich die notwendige Infrastruktur erfolgreich ihren Wählern nahelegen
    lässt, die (in Ermangelung einer entsprechenden Vision) sicher noch obskure Dinge wie “Datensparsamkeit” (http://de.wikipedia.org/wiki/Datensparsamkeit_und_Datenvermeidung) schätzen oder womöglich sogar Bücher von diesem George Orwell in ihrem Schrank haben.
    – Wie sie den “bösen Buben” erklären, sich von dieser (für kriminelle
    Zwecke leider) hochwertigen Datensammlung gefälligst fernzuhalten.
    —–

    SCNR

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