wie funktioniert Bitchat ohne Internet Messenger

Chatten ohne Internet: So funktioniert der Messenger-Dienst Bitchat

Fabian Peters
Bitchat

Twitter-Gründer Jack Dorsey hat mit Bitchat einen dezentralen Messenger-Dienst präsentiert, der völlig ohne Internet auskommt. Nachrichten werden stattdessen über Bluetooth Mesh weitergeleitet. Damit entfallen zentrale Server, Anmeldung und Metadaten-Sammlungen. Doch wie genau funktioniert Bitchat? 

Wenn die Internetverbindung ausfällt, funktionieren klassische Messenger-Dienste wie WhatsApp und Co. nicht mehr. Heißt konkret: Das Chatten ohne Internet ist nicht möglich, oder doch? Das verspricht zumindest der Offline-Messenger Bitchat.

Die App basiert auf einer dezentralen Technologie, die eine Kommunikation ohne klassische Netzwerkverbindungen wie WLAN, Mobilfunk oder Satellit ermöglicht.

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Hinter dem Projekt steht unter anderem Twitter-Gründer Jack Dorsey. Sein Ziel: eine unabhängige, zensurresistente Kommunikationsinfrastruktur. Doch wie genau funktioniert Bitchat, was sind die Vorteile – und wo liegen die Grenzen?

Wie funktioniert Bitchat?

Bitchat ist eine sogenannte Mesh Messenger-App, die auf der direkten Kommunikation zwischen mehreren Geräten basiert. Die Technologie dahinter nennt sich Mesh Networking. Smartphones oder andere Geräte verbinden sich über Bluetooth oder WiFi Direct miteinander.

Jedes Gerät dient dabei gleichzeitig als Sender und Empfänger. Heißt konkret: Nachrichten können über mehrere Geräte hinweg weitergeleitet werden – auch ohne zentralen Server. Die Idee eines dezentralen Messengers wie Bitchat ist zwar nicht neu. Aufgrund zunehmender Netzüberwachung, Umweltkatastrophen oder politischen Einschränkungen erlebt jedoch einen Aufschwung.

Bitchat setzt neben Dezentralität deshalb vor allem auch auf Datenschutz. Nachrichten werden etwa grundsätzlich verschlüsselt übertragen und verlassen das lokale Netzwerk nicht. Standortdaten oder persönliche Informationen werden zudem nicht zentral gespeichert. Twitter-Gründer Jack Dorsey unterstützt Bitchat als Teil seines Engagements für ein freies, nicht kontrolliertes Internet.

Laut einem Whitepaper denkt man bereits darüber nach, neben Bluetooth Low Energy noch Übertragungen mittels direkter WLAN-Verbindungen sowie LoRa (Long Range) hinzuzunehmen. Bei letzterem handelt es sich um eine Funktechnologie, die eine drahtlose Übertragung von Dateien mit einer Größe von bis zu 256 Bytes ermöglichen soll.

Vorteile und Nachteile

Bitchat ermöglicht das Verschicken von Nachrichten, solange sich der Empfänger in Reichweite befindet – oder ein „Relay“ über andere Nutzer beziehungsweise Geräte möglich ist. Die Reichweite einzelner Verbindungen ist via Bluetooth auf etwa 50 bis 100 Meter beschränkt, kann sich aber in dichten Netzwerken erheblich ausdehnen.

Die größten Vorteile von Bitchat: Unabhängigkeit vom Internet, hohe Datensouveränität und ein enormes Potenzial für den Einsatz in Krisensituationen oder bei Großveranstaltungen mit überlasteten Netzen. Auch für Aktivisten oder Journalisten in autoritären Staaten kann die App ein wichtiges Werkzeug sein, um sicher zu kommunizieren.

Bitchat hat jedoch auch klare Einschränkungen. Die Reichweite ist begrenzt, und die Kommunikation funktioniert nur, wenn ausreichend viele Geräte von Bitchat-Nutzern in der Nähe sind. Allerdings hat der Messenger aktuell nur relativ wenige Nutzer, was die Nutzung in alltäglichen Situationen einschränkt.

Gruppen-Chats und Dateiübertragungen sind technisch zwar möglich, aber deutlich langsamer als mit einer Internetverbindung. Außerdem spielt das Thema Energie eine Rolle. Denn da Bitchat kontinuierlich nach anderen Geräten scannt, kann die App den Akku stark beanspruchen.

Fazit: Bitchat ohne Internet

Bitchat ist mehr als nur ein alternativer Messenger. Die App ist ein Statement für digitale Selbstbestimmung. Das Projekt demonstriert, dass die Kommunikation auch ohne Internet funktionieren kann, wenn man sich auf Technologie und gemeinschaftliche Netze verlässt. Bislang offenbart Bitchat aber vor allem in Ausnahmesituationen oder als zusätzliches Tool sein Potenzial.

Die Unterstützung durch Jack Dorsey verleiht dem Projekt Glaubwürdigkeit und zeigt, dass es vor allem um ein politisches Signal geht. Das langfristige Ziel der Betreiber ist es, eine unabhängige digitale Infrastruktur aufzubauen – fernab von Großkonzernen, Überwachung und Verbindungszwang.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).