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Brüssel spricht Empfehlung für RFID aus – und bietet ein Schlupfloch

rfid

Die Gefahr lauert hinter dem Preisschild: Über Sinn und Unsinn von RFID-Chips wurden an anderer Stelle bereits viele Wort verloren („Die Neutralität dieses Artikels oder Abschnitts ist umstritten.“ – das zeigt, wie heiß das Thema ist). Heute hat sich die EU mit dem Thema beschäftigt, genauer gesagt Viviane „Knochenbrecher“ Reding, die sonst dafür sorgt, dass unter anderem eure Mobilfunkkosten nicht durch die Decke schießen.

Über sechs Milliarden dieser „mikroelektronischen Bauteile“ seien derzeit im Umlauf und nicht immer unter datenschutzrechlich unbedenklichen Bedingungen. Die heute ausgesprochene Empfehlung der EU für den Einsatz der RFID-Technik im Alltag sieht deshalb einen Maßnahmenkatalog von vier Punkten vor.

#1: Verbraucher sollen wissen, wo überall RFID drin steckt. Grundsätzlich muss jeder Chip nach dem Warenkauf „automatisch, umgehend und kostenfrei“ deaktiviert werden. Allerdings mit einer Einschränkung: „Um unnötige Belastungen der Einzelhändler zu vermeiden“, soll es Ausnahmen geben, „wenngleich zuvor mögliche Beeinträchtigungen der Privatsphäre zu untersuchen“ sind.

#2: Unternehmen werden verpflichtet, über die Verwendung von RFID hinzuweisen: Das reicht von Infomaterial im Laden bis hin zu Auskünften darüber, welche personenbezogenen Daten da eigentlich gespeichert werden – und wofür. Die Auslesegeräte sollen sichtbar aufgestellt werden.

#3: Einzelhandelsverbände und -organisationen sollen an einem europaweit einheitlichem Zeichen für RFIF arbeiten, mit dem später entsprechende Produkte markiert werden.

#4: Vor dem Einsatz sollen Unternehmen und Behörden „eine Folgenabschätzungen zum Datenschutz“ durchführen, die wiederum von Datenschutzbehörden überprüft werden.

Ein wenig wischiwaschi, wenn ihr mich fragt. Das im ersten Punkt angesprochene Schlupfloch dürfte mit der Zeit immer größer werden. Wie es aussieht, ist es der RFID-Lobby (Informationsforum RFID e.V.) jedenfalls noch nicht groß genug. In einer schnell veröffentlichten Stellungnahme zur Empfehlung heißt es von der Geschäftsführerin Dr. Andrea Huber:

Grundsätzlich begrüßen die betroffenen Unternehmen, dass diese Regelungen zur Deaktivierung auf die Risiken für die Privatsphäre der Kunden abstellt und entsprechend differenziert. Es gibt in diesem Zusammenhang aber noch einige offene Fragen im Hinblick auf die praktische Umsetzung. Bei deren Beantwortung in der Praxis wird sich zeigen, inwieweit diese Regelung notwendig und praktikabel ist.

Praktikabel? Sicher nicht. Notwendig? Ein dickes Ja!

(André Vatter)


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Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

4 Kommentare

  • Zu Viviane Reding und ihr Engagement:
    Nokia hatte im Februar mit dem Internet- Telefoniedienst Skype vereinbart, dessen Dienste künftig in einige Geräte zu integrieren. Skype-Nutzer telefonieren via Internet untereinander völlig kostenlos. Nach Informationen der Zeitschrift “Welt” kam es aber zu Auseinandersetzungen zwischen Vodafone und T-Mobile mit Marktführer Nokia, die Handybetreiber wollten keine Nokia-Geräte mit Skype-Funktionen vertreiben.

    Hier dürfte es überhaupt keine Dispute geben, in anderen EU- Staaten gibt es das schon lange.

    Ein Anruf beispielsweise in die USA kostet mit Skype zwei Cent pro Minute. Bei den Mobilfunk-Komikern werden dafür – je nach Vertrag – oft mehr als ein Euro fällig.

    Die RFID’s dienen auch nur einen Zweck, die Bürger sollen überwacht werden auf Schritt und Tritt. Irgend welche Erleichterungen für den Bürger kann ich nicht erkennen.

  • @Knuddelbacke
    Das mit der Überwachung ist nicht so ganz realistisch. Ich will dir hier jetzt keine Kompetenz absprechen, aber hast Du dich mal wirklich mit RFID auseinandergesetzt?
    Ich meine jetzt nicht mit Zeitungen oder sowas, sondern wissenschaftlich z. Bsp. an einer Universität?
    Wir hatten eine Vorlesung wo unter anderem auch RFID ein großes Thema war. Daraus zum Thema Überwachung zwei Dinge:
    – RFID lässt sich nicht aus großer Entfernung auslesen. Sprich Du musst schon relativ nahe am Lesegerät sein, damit Du es gescheit lesen kannst. Also solche Sachen wie „Du läufst 2m mit einem Produkt in der Tasche am Lesegerät vorbei“ geht nicht.
    RFID ist schon recht empfindlich. So kann es bspw. sein, wenn das Lesegerät (z. Bsp. im Supermarkt) unterhalb eines Tisches angebracht ist und der RFID-Tag sitzt oberhalb der daraufstehenden Packung und das Produkt enthält Flüssigkeit, dann kann der Tag nur sehr schlecht gelesen werden, weil das Lesegerät durch das Produkt quasi hindurch scannen muss. Flüssigkeiten zum Beispiel schirmen stark ab!

    – Anderer Punkt der gegen Überwachung spricht ist, dass es einige unterschiedliche RFID-Tags gibt. Jeder setzt andere ein und da nicht jedes Lesegerät alle Tags lesen kann, kann also bspw. ein Warenhaus nicht unbedingt den Tag vom großen Supermarkt um die Ecke lesen.
    Und dann kommt noch hinzu, dass es zig verschiedene Frequenzen gibt, die sind bspw. von Land zu Land unterschiedlich. Das heißt ein Tag der für die USA produziert ist, kann hier in D nicht ohne weiteres ausgelesen werden, da er eine andere Frequenz benutzt.
    Es gibt bspw. extra Stör-Tags die einfach alle möglichen RFID-Tag-Arten (bspw. mit verschiedenen Frequenzen) gleichzeitig simulieren und somit ein ordentliches Auslesen erschweren bis verhindern.
    Es gibt da bspw. in der Lagerhaltung auch große Probleme mit Paletten die Tags im Innern der Produkte auf der Palette zu scannen (wenn bspw. viele kleine Packungen gestapelt sind). Das heißt man muss abschätzen.
    Also scannen durch eine Tasche hindurch mit 2m Abstand zum Lesegerät ist ziemlich schwierig bis unmöglich!

    Ich bin auch kein Freund von RFID-Tags, aber diese ganzen Verschwörungstheorien muss man schon mal mit etwas mehr Abstand und etwas mehr wissenschaftlicher Nüchternheit betrachten. Da steckt auch viel Propaganda dahinter!

  • Ich seh das große Problem von RFID gar nicht so sehr in der Einschränkung der Privatsphäre, da die Leute mit Ihren 100 Kundenkarten in der Brieftasche sowieso schon mehr als genug von sich preis geben. Das kann durch diesen neue Technologie fast nicht mehr getopt werden.

    Der größte Nachteil an RFID ist aus meiner Sicht der Sondermüll den man damit erzeugt… Mal angenommen die Chips werden mit ihren Induktionsspulen und Kondensatoren flächendeckend im Consumer Bereich eingesetzt. Dann klebt auf jeder Verpackung die ich aus dem Supermarkt mit nach Hause nehme etwas E-Schrott, der entfernt und gesondert entsorgt werden muss, um der Umwelt gerecht zu werden. Ob diese Art von Mülltrennung von der breiten Masse akzeptiert wird?

    Das und der „starke“ Elektrosmok, den die Lesegeräte verursachen (denn die Chips müssen ja auch mit Strom versorgt werden) sind zwei negative Punkte, die für mich den Nutzen der Tags in Supermärkten überwiegen!

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