"Touch Wood": Das Zypressen-Handy soll den Mobilfunk grüner machen

André Vatter

20090924_01Notebooks im Holzgehäuse sind mittlerweile alte Kamellen, immerhin waren sie über Jahre hinweg auf der CeBIT zu bestaunen. Allem Anschein nach nutzte die Messe die Öko-Laptops aber nur, um sich einen grünen Anstrich zu verleihen, denn in freier Wildbahn haben Kunststoff und Aluminium bei den Baumaterialen noch immer die Vorherrschaft.

Aber – und diese Art des Optimismus ist bei mir durchaus ungewöhnlich – ich sehe schon, wie sich das Blatt bald wenden könnte, denn nun kommt die Idee umweltfreundlicher Geräte auch bei den Handy-Bauern an. Der japanische Mobilfunker DoCoMo hat gerade Touch Wood vorgestellt, ein tastenloses Smartphone im kompletten Holzgewand. Für den Rohstoff müssen keine Regenwälder vernichtet werden, denn es stammt aus der Forstwirtschaft, wo als Ausdünnungsmaßnahme hin und wieder Stämme auf der Strecke bleiben. Jedes Baumholz kommt allerdings nicht in Frage, sondern ausschließlich das von Zypressen. DoCoMo hat sich für die Verarbeitung die Hilfe von Olympus sichern können, die ein dreidimensionales Pressverfahren entwickelt haben, das die Hülle unter hohem Druck in ihre Form bringt. Das Ergebnis: Das Äußere des Touch Wood ist hammerhart, immun gegen Wasser, Insekten und Schimmel und sieht außerdem furchtbar schick aus. Schon in wenigen Tagen soll das Handy auf der ITU Telecom World ausgestellt werden. Und vielleicht ist es dann schon im kommenden Jahr beim Händler eures Vertrauens zu haben.

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Natürlich kann das Ganze auch nur ein Marketing-Gag sein: Greenpeace gab sich bei einer Anfrage von Pressetext aber schon einmal zuversichtlich: „Auf den ersten Blick sieht dieser Herstellungsprozess gut aus, wenn wirklich überschüssiges Holz verwertet und auf giftige Chemikalien zur Konservierung oder zum Färben verzichtet wird.“ Die Jungs von Greenpeace müssen es ja wissen, immerhin geben sie regelmäßig den Guide to Greener Electronics raus, in dem ebenso regelmäßig Branchengrößen als Giftschleudern abgestraft werden. Auf der anderen Seite hat das Touch Wood ja auch ein Inneres: Wie viele Toxine hier zum Einsatz kommen, hat DoCoMo nämlich nicht verraten.

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(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.