Studie: Peer-to-Peer ist eine aussterbende Technologie

André Vatter

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Die Parole geistert gerade durch das amerikanische – und vor allem auch chinesische Netz: Das einst so vielversprechende Peer-to-Peer-Verfahren wankt wohl unwiderruflich seinem Untergang entgegen. Wired hatte auf die Studie von Arbor Networks aufmerksam gemacht, die am kommenden Montag veröffentlicht werden soll. Mehr als 70 Prozent aller Top-Internetprovider auf dieser Welt greifen auf das Netzwerkmanagement des Unternehmens zurück. Über 256 Exabytes hat Arbor auf diese Weise in den vergangenen zwei Jahren unter die Lupe genommen. „Der Einblick, den die Firma in den Kern des Netzes hat, kann womöglich nur dem der NSA verglichen werden, die jedoch darüber nicht sprechen darf“, so Wired.

Das Ergebnis: Der durch P2P verusachte Traffic beträgt heute 18 Prozent des gesamten Datenverkehrs im Internet. Klingt viel, allerdings schrumpft die Imposanz der Zahl, wenn man bedenkt, dass sie vor zwei Jahren noch bei 40 Prozent lag. Diese Berechnungen gelten übrigens für die Pakete – die Grafik oben nimmt Bezug auf die gemessenen Protokolle (da immer mehr P2P-Nutzer aber Anonymizer einsetzen, ist diese Angabe letztendlich nicht wirklich aussagekräftig). „Die P2P-Nutzung nimmt weltweit ab – und sie nimmt schnell ab“, sagt Arbors Chef-Wissenschaftler Craig Labovitz.

Bleibt also die Frage, was eine solche Entwicklung ausgelöst haben könnte. Für Arbor ist die Sache ziemlich eindeutig: Portale für Videostreaming haben Marktanteile in den vergangenen Jahren verschlungen. Plattformen wie Hulu, YouTube und der Online-Filmverleih hätten die Erkenntnis in den Nutzern erweckt: „Warum muss ich Filme besitzen, wenn sie sowieso zu jeder Zeit im Netz verfügbar sind?“ P2P würde demgegenüber nur Kopfschmerzen verursachen, meint Labovitz. Die Downloads kommen nur bröckchenweise an, zudem würde die Jagd auf Filesharer und illegale Inhalte im Netz die legale Alternativen weiter begünstigen. Offenbar sind Nutzer immer häufiger damit einverstanden, Werbung bei Online-Angeboten in Kauf zu nehmen oder direkt zu bezahlen, wenn sie dafür juristisch unbedenkliche Inhalte im ruckelfreien Stream geboten bekommen. Wer dennoch weiterhin wert auf Downloads legt, würde immer häufiger die Dienste von OneClick-Hoster wie RapidShare oder MegaUpload in Anspruch nehmen.

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Schon komisch, wie eine so vielversprechende Technologie sang- und klanglos verschwinden könnte – vorausgesetzt, die Studie gibt die Verhältnisse tatsächlich korrekt wieder. Ich hatte immer gedacht, dass es in der Datenlogistik keine innovativere Form als P2P geben könnte. Traffic wird gerecht auf die Last aller verteilt. Nehmt Zattoo – ich meine, nicht jeder kann auf die Hilfe finanzkräftiger Kumpel hoffen, so wie YouTube Google im Rücken hat (Anm.: Zattoo hat im Mai P2P bereits aufgegeben, s. Kommentar #7). Und Traffic ist nun einmal teuer. Vielleicht ist es eine begrüßenswerte Entwicklung, dass faire und legale Angebote langsam die dunklen Sümpfe im Netz austrocknen. Ich hoffe jedoch, dass sich damit nicht alle P2P-Errungenschaften irgendwann in Luft auflösen.

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(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.