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Warum stoppt niemand diese Mörderpuppe?

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Sagt mal, macht der chauvinistische Entwicklerstab von 505 Games eigentlich noch irgendetwas anderes, als ebenso beharrlich wie genüsslich gegen 40 Jahre Frauenbewegung zu wettern? Emanzipation, Gleichberechtigung – das sind Werte, die im Glücksschrei verpixelter Comic-Mütter untergehen, wenn sie es mal wieder geschafft haben, bei „Cooking Mama“ ein Omelette zu kochen. Oder sie haben bei „Gardening Mama“ erfolgreich das Umtopfen hinbekommen. „Kaufen Sie dieses Spiel und Ihre kleine Tochter wird von Kindesbeinen an lernen, dass es sich für eine Frau schickt, mit einem Trümmerweib-Kopftuch in und vor dem Haus zu schuften, während der Mann auf der Bowling-Bahn ist.“ Für Jungs hat 505 Games nämlich derlei Kegel-Spiele im Angebot – oder Ritterkämpfe. Alternativ gibt es auch Hochsee-Angeln.

Schickt einen Gender-Wissenschaftler eine Runde durch den DSi- oder Wii-Katalog der Spieleschmiede und er wird Tage später völlig verwirrt unter einer Brücke wiedergefunden werden. Doch die Jungs von 505 Games haben in Sachen Zementieren von Klischees natürlich noch mehr auf dem Kasten. Wie jetzt bekannt wurde, bringt der Laden in Kürze „Baby and Me“ in Australien auf den Markt. Ein furchterregendes Spiele-Bundel für die Wii, das Alice Schwarzer wahrscheinlich das Blut in den Adern gefrieren lassen würde. Es wird mit einer Puppe geliefert, in die man die Wii-Fernbedienung hineinschieben muss. Hier der werbende O-Ton:

Dein Baby reagiert dank der Wii-Remote durch Kichern, Gurgeln oder Weinen. Zehn Baby-Modi beinhalten Spiele wie „Füttere das Baby“ und „Bring das Baby ins Bett“. Acht Modi behandeln Klappern, Fangen, Klatschen und Ballons. In Kombination mit dem Balance Board: Schaukel das Baby in den Schlaf, lass das Baby rülpsen und bring dem Baby das Laufen bei. Pass das Baby mit neuen Kleidern, Accessoires und Spielzimmern deinen Bedürfnissen an.

Bitte was? Das Quäken plärrt aus den mickrigen Lautsprechern der Wii-Remote, während das reale Töchterchen völlig vereinsamt versucht, gemeinsam mit einem ausgestopften Spielzeug auf einem Plastikbrett vor dem Fernseher die Balance zu halten? Ach, ja: Sollte die Puppe den Geist aufgeben, gibt es auch noch ein Extra-Holster, damit die Remote auch an andere Plastikbabys (oder Holzscheiten, wo wir schon dabei sind…) zum Kuscheln befestigt werden kann. Creepy Doll, sag ich da. Mann, Mann…

Via: aussie-nintendo.com

(André Vatter)


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Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

20 Kommentare

  • Die Wii ist sowieso eine total dämliche Konsole (MEINE MEINUNG!) und da die Wii sowas von Massentauglich ist (selbst ein kleines 5 Jähriges Mädchen spielt damit Boxen) ist es kein Wunder, dass so etwas auf den Markt kommt.

  • Übersehe ich die Ironie in dem Beitrag oder ist das Gefasel ernst gemeint? Die machen nur das was wirtschaftlich ist, ihr Produkt auf die Zielgruppe anpassen. Mädchen spielen gerne mit Puppen, das wird auch in 100 Jahren noch so sein. Ist dieser ZOMG!-GLEICHBERECHTIGUNG!!-Reflex allen schon so weit zu Kopf gestiegen, dass man sich in einem Blog schon wegen eines Puppenspiels das Maul zerreisst? Junge, junge …. äääh Mädchen, mädchen

  • Ich glaub ich laad… ähh kauf mir das Spiel mal, hört sich doch total suuuper an xD

    Naja das die WII Spiele technisch degeneriert merkt man ja schon lange… tolles Casual gaming, wo die meisten Spiele von der Bewegung her, mich doch ziemlich ans Ornanieren erinnern. (nicht das ich jemals…)

    Und meiner Meinung nach ist dieser Emanzipations Krahm völlig überbewertet. (bitte erschlagt mich nich !)
    Ich meine es is nur nen Spiel und schlimmer als diese mysteriösen Killerspiele kanns auch nich sein, aber naja das is Deutschland…
    man regt sich halt gern über kleinigkeiten auf und jeder der ne Deutschland Flagge bei sich trägt is gleich nen Nazi …

    (Sagt mal war das Kind auf dem Cover zu lang im Solarium ?)

  • Sagen Sie mal, Herr Vatter, wie oft waren Sie schon mal mit Alice Schwarzer einen Caffee trinken, dass solche Spiele bei Ihnen solch eine Hysterie auslösen?

    Ich verstehe nicht, warum man heutzutage mit allen Mitteln versucht, das Bild einer gesunden Frau zu verzerren und deckt es unter der vermeintlichen Emanzipation. Natürlich ist das „Kinderkriegen“ nicht das Einzige, was eine Frau ausmacht. Doch es ist völlig normal und gesund, wenn ein kleines Mädchen „Mutter und Tochter“ spielt. Wo ist das Problem, verdammt? Ich persönlich kenne viele Frauen, denen der übertriebene Gendering-Blödsinn auf die Nerven geht!

    Muss eine Frau heutzutage auch den letzten Hauch von Weiblichkeit verliehren und zu 100% einem Mann gleichen, damit die Emanzipation endlich ihren Triumph feiert?

  • Hallo, anonyme Japaner mit der @mail.ru-Adresse!
    Den Vatter lass mal stecken, André reicht völlig aus. 🙂

    Ganz ehrlich – an diesem Screenshot sehe ich _nichts_ Gesundes: http://505games.co.uk/Content/ScreenShots/170/images/0003.jpg

    Ich habe nichts gegen Kinder, die mit Puppen spielen, Vater, Mutter, Kind spielen. Aber Games wie „Cooking Mama“ in der dritten Version haben bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht. Welche Mutter kann schneller kochen? Welche akkurater? Welche leckerer? Hallo?! „Mama hat 80 neue Rezepte und 200 neue Mini-Games“

    Ich zähle mich wirklich nicht zu den Frauenverstehern in diesem Land, aber ich bezweifle aufrichtig, dass kleine Mädchen in ihrer Freizeit Dinge lernen sollten wie: „Let’s Shop! – Fetch the food for Mama’s kitchen.“ Ich meine, warum nennt 505 Games das Ding nicht direkt „Zurück an den Herd!“.

    Aber das ist ja das Schöne hier. Du hast deine Meinung, ich meine – und wir können uns gerne austauschen. 😉

  • André, du hast ganz offenbar keine Tochter im zielgruppenrelevanten Alter, oder?

    Hey, das ist Software für Kinder, die mögen so was, auch wenn Erwachsene das bescheuert finden mögen. Mit Geschlechterdiskriminierung hat das im Übrigen mal gar nix zu tun, entsprechende Angebote für Jungs sind (aus Sicht von Erwachsenen) genauso doof, oder kann sich von den älteren Semestern hier ernsthaft jemand für Power Rangers & Co. begeistern?

    Ansonsten ist es IMHO genauso „chauvinistisch“ (diskriminierend passt mE besser), wenn man häusliche Tätigkeiten generell abqualifiziert und als minderwertig hinstellt. Es gibt genügend Leute (Männer UND Frauen) die sich gerne mehr Zeit für die Familie und solche Sachen nehmen würden, aber dank ultrahoher Steuern und Abgaben kann sich das ja heutzutage kaum noch jemand leisten. Emanzipation (von Frauen und Männern) sollte immer als Wahlfreiheit verstanden werden, nicht als Ersatz eines Zwangs durch einen anderen.

  • @ André: dafür liebe ich Blogs. Interaktivität pur und keine „Einbahnstraße“, wie es die meisten Print-Medien sind (von den Leserbriefen mal abgesehen) 🙂 Ich studiere momentan Journalismus und weiß jetzt schon, in welche Richtung ich gehen will.

    PS: ihr müsst das hier nicht wie eine Bewerbung ansehen 😉

  • Wozu die „Aufregung“? Für Nintendo DS gibt es so etwas doch schon seit Ewigkeiten.
    Batteriebetriebene Puppen, Puppenkleider und Co. sind auch nichts Neues.

    Die Frage, ob Jungen- oder Mädchenspielzeug gewählt wird, weil die Eltern dazu anregen, oder ob die Kinder sich selbst entscheiden, ist noch immer nicht eindeutig geklärt.

    Tatsache ist aber, dass es einen großen Haufen an Action, Auto und Abendteuerspielen für männliche Genossen gibt. Was soll daran weniger lächerlich sein?

    Gut, ich würde meiner (nicht vorhandenen) Tochter auch kein Wii-Püppchen kaufen, genauso wenig würde ich aber einen zockenden Sohn akzeptieren.
    Und darüber hinaus – meine vor dem TV herumhüpfende Cousine, die ein paar Pfunde verlieren will, finde ich genauso lächerlich.

  • sollen sie versuchen so ein teil an jungen zu verkaufen?

    ich find die gender mainstreaming sache scheiße und somit auch diesen blogeintrag

  • Ich finde, der Artikel ist echt ein Hochgenuss beim Lesen – lange nicht mehr so gelacht. Du hast völlig recht – solch minderbemitteltes Plastikspielzeug würde ich meinen Kindern jedenfalls nicht in die Hand geben – quasi Barbie 2.0. Ich bin wahrlich kein Fan von Alice Schwarzer, aber solch industriell zusammenprogrammierter Schrott ist wirklich Geldverschwendung. Dann doch lieber bei den Sims Häuser einrichten. Das fördert wenigstens noch die Kreativität.

    Warum sich hier aber alle in der großen „Ey, mach nicht so nen Wind, ist doch voll in Ordnung, dass kleine Mädchen mit grenzdebilen Spielen vorm TV hängen“-Welle vereinen, ist mir echt schleierhaft.

  • Meine Freundin liebt diese Spiele (also nicht Wii-Plastikpuppen, sondern Cooking Mama auf dem iPhone usw.)… und die ist wirklich die letzte, die für mich kochen würde oder sonstwas.

  • Ich finde die Idee nicht schlecht. Immerhin steigt der Spielwert deutlich. Ich bin gespannt wann die Puppe auch in Deutschland erhältlich ist…

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