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Basic Flashback: Interview mit dem Betriebsrat der aufgegebenen 'Netzeitung' – und DuMont

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Der Trick besteht darin, Pressemitteilungen mit unangenehmen Inhalten an einem Freitagnachmittag zu verschicken. Dann sind die Redakteure auf dem Sprung ins Wochenende und allein die passionierten Journalisten unter ihnen werden es vielleicht noch wagen, den Pressestellen mit Rückfragen auf den Zahn zu fühlen. Doch die sind dann meisten schon nicht mehr besetzt. Dann kommt der Montag und die ganze Geschichte ist vergessen. Genau so machte es auch M. DuMont Schauberg, als man dort vor genau einem Monat das Ende der „Netzeitung“ ankündigte.

Doch beginnen wir ganz vorne: Anfang des Jahres hatte das Kölner Verlagsimperium beim Berliner Verlag zugeschlagen. Für 152 Millionen Euro kaufte DuMont die „Berliner Zeitung“, die „Hamburger Morgenpost“, das Stadtmagazin „tip“ und die „Netzeitung“ – die erste reine Internet-Zeitung die es jemals in Deutschland gegeben hat. In den vergangenen Jahren war es ruhig um die „Netzeitung“-Truppe geworden, was letztendlich auch daran lag, dass sich der Vorbesitzer, die britische Mecom Gruppe, nicht sonderlich um ihren Online-Ableger gekümmert hatte. Im Gegenteil: Ende 2008 wurde allen freiberuflichen Autoren gekündigt.

Man hätte meinen können, dass DuMont einen ernstgemeinten Neuanfang für die „Netzeitung“ plant. Im Oktober hatte Neven DuMont noch öffentlich über den radikalen Medienwandel referiert, man habe Paid Content-Angebote klar im Blick, kein Weg gehe mehr an Digital vorbei. „Das Geschäft des Finanzinvestors Mecom war kurzfristig geprägt, es fehlte die langfristige Strategie“, stichelte DuMont gegen den Vorbesitzer. In der Tat sind die Portale der Berliner Zeitungen keine Vorzeigeprodukte der Branche – erst recht nicht, seitdem die Online-Präsenzen von „Zeit“, „Spiegel“ und „Stern“ aufwändig relauncht wurden.

Umso überraschter waren wir, als DuMont Anfang November das plötzliche Aus der „Netzeitung“ verkündete. Nein, genauer ausgedrückt: Es gebe keine ersatzlose Streichung, stattdessen soll es in ein „automatisiertes Nachrichtenportal“ verwandelt werden. Den 17 verbliebenen Redakteuren und Technikern wurde in diesem Zug gekündigt, der 31. Dezember 2009 sei der letzte Arbeitstag für sie.

Die Redaktion der „Netzeitung“ war angesichts des Entschlusses ebenso perplex wie die Branchenbeobachter. Erst jetzt regt sich öffentlicher Widerstand – zumindest bei den Lesern. Doch auch bei der „Netzeitung“ selbst wird der Unmut lauter. Vor diesem Hintergrund habe ich Matthias Breitinger um ein Interview gebeten. Er ist Mitglied des Betriebsrats bei der „Netzeitung“.

Matthias, wie habt ihr von dem Entschluss erfahren?

Es gab Anfang November eine Betriebsversammlung, bei der die Geschäftsführung den Mitarbeitern bekannt gegeben hat, dass M. DuMont Schauberg (MDS) beschlossen habe, die „Netzeitung“ künftig nicht mehr als Netz-Zeitung mit einer Redaktion zu betreiben, sondern zu einem automatisierten Portal umzubauen. Im Vorfeld hatte der Berliner Verlag durchblicken lassen, dass er die „Netzeitung“ nicht mehr bei sich haben wolle. Wir sind aber davon ausgegangen, dass die „Netzeitung“ – die sich über fast zehn Jahre am Markt etabliert und sich einen Namen gemacht hat – auf jeden Fall in der bisherigen Form erhalten bleibt.

Wie war daraufhin die Stimmung bei euch? Was habt ihr euch gedacht?

Die Stimmung war natürlich sehr gedrückt. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass eine Marke willkürlich kaputtgemacht wird. DuMont betont zwar, die „Netzeitung“ bleibe ja erhalten, sie werde nur anders, doch jeder normale Mensch kann sich an einer Hand abzählen, dass ein automatisiertes Portal mit einer redaktionell betreuten Netz-Zeitung nichts zu tun hat. Das schreiben uns auch sehr viele Leser in E-Mails.

Besonders krass ist ja auch, wie man mit den Betroffenen umgeht: Kein Wort des Dankes und des Respekts gegenüber der jahrelangen Leistung der Beschäftigten in der offiziellen Pressemitteilung. Hinzu kommt, dass man jeden kündigen will – man versucht selbst Schwangere loszuwerden, und man hält sich auch nicht an die Kündigungsfristen im Tarifvertrag. Eigentlich überraschend, wenn man bedenkt, dass sich DuMont gern ein soziales Mäntelchen umhängt.

Hätte es eurer Meinung nach Wege gegeben, um die „Netzeitung“ doch noch zu retten?

Es ist ja allgemein bekannt, dass Verlage mit journalistischen Angeboten im Netz nur mühsam Geld verdienen – deshalb auch die Debatte über Paid Content, gerade jetzt in der Wirtschafts- und Werbekrise. Auch die Redaktion und der Betrieb der Netzeitung müssen irgendwie finanziert werden. Aber wir Betriebsräte hatten in den vergangenen zweieinhalb Jahren, seit die „Netzeitung“ zunächst zu Mecom und seit April 2009 zu DuMont gehört, nicht den Eindruck, dass sich die Geschäftsführung Gedanken darüber macht, wie man neue Finanzquellen auftun könnte, wie man die Vermarktung verbessern könnte und so weiter. Hier wurden vor allem unter Mecom Management-Fehler gemacht, und man hat es sich auch einfach gemacht, indem man eben nicht versucht hat, die Einnahmenseite zu stärken, sondern stattdessen die Ausgaben zu senken, und zwar in erster Linie die Personalausgaben. Mit deutlich weniger Mitarbeitern kann man aber deutlich weniger Artikel produzieren, die dann angeklickt werden. So sinken die PIs, und die Werbeeinahmen gehen weiter zurück. Damit begibt man sich in einen Teufelskreis.

Was hat DuMont unternommen, um den diesen Kreis zu durchbrechen?

Seit der Übernahme durch DuMont ist es auch nicht besser geworden. Man hatte nicht den Eindruck, dass sich MDS wirklich für ihre Neuerwerbung interessiert. Die Redaktion der „Netzeitung“ hat sich mehrfach an die Geschäftsführung, auch in Köln, gewandt und an sie appelliert, mit der Redaktion in Kontakt zu treten und gemeinsam über Konzepte zu diskutieren. Die Redaktion hatte durchaus Ideen, wie man die „Netzeitung“ weiterentwickeln könnte. Doch aus Köln kam keine Reaktion. Das war für die Redaktion sehr frustrierend: Man hat jahrelange Erfahrung im Online-Bereich, man ist bereit, sich zu engagieren und Ideen zu entwickeln – doch die Geschäftsführung verschenkt die Ressourcen und ist am „Abrufen“ dieses Wissens gar nicht interessiert.

Entscheidend ist die Vermarktung eines rein werbefinanzierten Portals wie die „Netzeitung“. Und da wurden ganz klar Fehler gemacht. Der Werbemarkt geht in diesem Jahr zwar zurück, aber das gilt eigentlich nicht für den Online-Sektor. Wenn DuMont die Vermarktung bei der „Netzeitung“ besser gemacht hätte, würde sie auch finanziell deutlich besser da stehen. Aber es ist halt einfacher, mal eben eine ganze Redaktion auf die Straße zu setzen. Spannend ist übrigens auch, dass uns jetzt viele Leser schreiben, sie seien bereit, für eine kostenpflichtige Netzeitung zu bezahlen. Womöglich ist die Angst der Verlage vor einer „Gratis-Mentalität“ im Netz zumindest zu einem großen Teil gar nicht berechtigt. Schade, dass DuMont nicht den Mut hatte, das bei der „Netzeitung“ einmal auszuprobieren.

Was ist davon zu halten, dass DuMont das Online-Geschäft weiter ausbauen möchte, aber das eigene, bestens geschulte Personal vor die Tür setzt?

Man kann eigentlich nur den Kopf schütteln über diese eklatante Fehlentscheidung. Mitte 2007 hatte der Berliner Verlag, der damals zu Mecom gehörte, die „Netzeitung“ gekauft, und der Grund war ja ganz offensichtlich, damit die eigenen Online-Auftritte zu stärken. Das Ansinnen, die „Netzeitung“ zu integrieren und mit ihr den seit Jahren katastrophal schlechten Online-Auftritt der „Berliner Zeitung“ voranzubringen, wurde danach aber so gut wie nicht umgesetzt. Die Geschäftsführung und die Chefredaktion der „Berliner Zeitung“ räumen zwar ein, dass ihr Online-Auftritt miserabel ist, aber sie tun nichts dafür, dass es besser wird. Man verweist höchstens darauf, dass man demnächst ein neues Content-Management-System anschaffen will. Als ob es mit neuer Technik getan wäre! Man braucht doch auch kompetente Online-Redakteure dazu.

Habt ihr eine Ahnung, was DuMont jetzt vorhat?

Man muss DuMont fragen, was konkret damit gemeint ist, wenn es heißt, man wolle das Online-Geschäft weiter ausbauen. Geht es dabei um Journalismus? Oder doch nur um Apps fürs iPhone, die einen dann z.B. über Verspätungen von Straßenbahnen in Köln informieren, oder derartiges? Nicht, dass ich das nicht für nützlich halte, aber es muss eben die Frage erlaubt sein – nicht nur bei DuMont, sondern bei allen Verlagen – was sie überhaupt meinen, wenn sie von Paid Content sprechen. Mit nutzwert-orientierten Inhalten ließe sich sicherlich Geld verdienen, aber diese müssen hochwertig sein. Dafür braucht man gut ausgebildete Redakteure, denen der Arbeitgeber die besten Arbeitsbedingungen (sprich: genügend Zeit) gibt, damit gute Inhalte erstellt werden können. Für schnell mal eben runtergeschriebenes, halbgares Zeug will doch niemand etwas bezahlen.

DuMont will die „Netzeitung“ als „automatisiertes Nachrichtenportal“ fortführen. Was heißt das?

Da hält sich DuMont sehr bedeckt. Die erste Pressemitteilung verrät dazu gar nichts, und bisher ist auch kein Medien-Fachredakteur – soweit ich das verfolgt habe – der Frage nachgegangen, was aus der Netzeitung ab Januar 2010 werden soll. Fragt ihr doch mal in Köln nach. Möglicherweise wird es eine Art Google-News oder nachrichten.de. Es fragt sich nur, ob das jemand braucht. Mit der „Netzeitung“, wie sie seit November 2000 online gewesen ist, wird das künftige Angebot jedenfalls sicherlich nichts zu tun haben.

Und wie geht es bei euch jetzt weiter? Gibt es für einige von euch bereits neue Angebote?

Die „Netzeitung“ hat, wie es in der DuMont-Pressemitteilung heißt, „bestehende vertragliche Verpflichtungen“, die bis Ende März 2010 erfüllt werden. Danach ist wohl endgültig Schluss. Neue Angebote im DuMont-Konzern gibt es nicht. Das ist ja das Verwunderliche: DuMont will Online voranbringen – gerade hier in Berlin – aber den Netzeitungs-Mitarbeitern bietet man keine Weiterbeschäftigung an. Stattdessen will man sie mit einer geringen Abfindung nach Hause schicken.

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Einige der im Interview aufgeworfenen Fragen habe ich zum Anlass genommen, auch einmal direkt bei DuMont anzuklopfen. Wie mir die Pressestelle dort versicherte, sei man an einer Darstellung der eigenen Position sehr interessiert. Auf meine Bitte hin wurden die Antworten des Vorstandes recht zügig geliefert, wofür ich DuMont sehr dankbar bin. Ob sie jedoch soviel zur Aufklärung beitragen, wie man gehofft hatte, soll der Leser entscheiden. Ich erinnere noch einmal daran, dass das neue Konzept für die „Netzeitung“ nach den bekannten Plänen bereits am 1. Januar 2010 umgesetzt werden soll.

Was versteht DuMont Schauberg unter einem „automatisierten Nachrichtenportal“, das die Netzeitung ablösen soll, konkret?

Wir befinden uns noch in der Entwicklungsphase. Solange keine konkreten Pläne vorliegen, möchten wir uns zu diesem Punkt nicht äußern.

Wie ist es zu erklären, dass DuMont den Auf- und Ausbau vor allem der Berliner Online-Angebote plant und dabei nicht auf die Kompetenz im eigenen Haus setzt? Für Außenstehende wirkt das verständlicherweise unverständlich.

Das Geschäftsmodell der „Netzeitung“ hat nicht funktioniert, im Prinzip wurde die Netzeitung jahrelang querfinanziert. Zudem hat die Wirtschaftskrise zu einem starken Einbruch der Erlöse in der gesamten Verlagsbranche geführt. Auch das Presse- und Medienhaus Berlin, zu dem unter anderem die „Netzeitung“ gehört, ist davon betroffen. Deshalb müssen wir uns, so schwer es auch fällt, von den Mitarbeitern der „Netzeitung“ trennen.

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Update, 9. Dezember, 21.20 Uhr

Seit Montag, 7. Dezember, befindet sich die Redaktion der „Netzeitung“ in einem Streik. Meedia hat soeben darüber berichtet.

Update, 10. Dezember, 11.08 Uhr

Verdi hat gemeinsam mit der „Netzeitung“ Bilder vom Streik in Berlin veröffentlicht.

(André Vatter)


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Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

12 Kommentare

  • Eine bemerkenswerte Antwort von DuMont.
    „Das Geschäftsmodell der “Netzeitung” hat nicht funktioniert, im Prinzip wurde die Netzeitung jahrelang querfinanziert. “

    a) Das Geschäftsmodell ist im Grunde das gleiche wie bei RTL oder Sat.1. Die Kosten werden über Werbung finanziert. Komisch, dass es seit Jahren im Privatfernsehen funktioniert, nicht aber bei der Netzeitung (bei deutlich geringeren Kosten als bei den genannten Sendern)…. ist womöglich nicht das Geschäftsmodell falsch? (Lustig ist in diesem Zusammenhang, dass Verleger immer sagen „es kann nicht sein, dass Inhalte im Netz verschenkt werden“ – haben Manager von RTL oder Sat.1 jemals die These vertreten, sie würden ihre Inhalte „verschenken“? Rein theoretisch tun sie ja nichts anderes. Der Endkunde muss dafür nichts zahlen.)

    b) Querfinanziert werden so gut wie alle Netz-Auftritte der Verlage. Das ist bei der NZ also keine Ausnahme. Und dass Springer schon seit Jahren die defizitäre „Welt“ mit den Gewinnen aus der „BILD“ querfinanziert, ist auch bekannt. Querfinanzierung ist per se nichts Schlechtes. DuMont müsste eben so ehrlich sein einzuräumen, dass es eine bewusste Management-Entscheidung war, die NZ-Redaktion rauszuschmeißen. Stattdessen schiebt man es auf angebliche Sachzwänge und Zusammenhänge, die so nicht stimmen.

  • Interessant ist der Punkt mit dem automatisierten Nachrichtenportal. Wenn da wirklich sowas wie Google News bei rauskommt, dann müsste eigentlich ein Aufschrei durch die Pressewelt gehen, das Google und MDS die Zeitungsverlage enteignet. Aber das wird wohl nicht passieren. Warum? Eine Krähe hackt der anderen halt kein Auge aus. Vielleicht korrigieren die Blogger das wieder.

    Ansonsten könnte es auch ein Portal mit Nachrichten aus den MDS Zeitungen sein. Aber ob da genug unterscheidbares Material zusammenkommt?

  • Vor konkreten Aussagen ist der §613a BGB vor.

    Dumont kann jetzt nicht sagen, dass sie demnächst die Inhalte der anderen Konzernmedien über die netzeitung.de publizieren (was sonst ?), weil dann hätten die Redakteure die Möglichkeit, auf einen Betriebsübergang zu klagen, d.h. 12 Monate Kündigungsschutz.

    Deshalb: 1. Geschäftsmodell funktioniert nachweislich seit Jahen nicht 2. Komplett anderes Geschäftsmodell in Zukunft = Wegfall der Beschäftigungsgrundlage 3. Nachdem alles vertraglich abgewickelt ist: Neustart der Netzeitung als Sammelstelle für alle Konzernnachrichten = erstmals Profit mit der Netzeitung

    Die Situation wäre sicher anders gehandhabt worden, wenn nicht das Kerngeschäft zur Zeit unter Druck wäre, dann hätte man die Netzeitung Schritt für Schritt umwandeln können. So kann man elegant eine große Zahl Stellen beseitigen, ohne dass Betroffene intern umgesetzt werden müssen (was ja auch nicht schmerzfrei geht… ein Kollege bei einer Zeitung muss gehen und ein Netzeitung-„Kollege“ kommt dafür ins Team).

    Ein Fazit wäre also: Eine Kombination aus Print-Krise und deutschem Kündigungsschutz tötet die Netzeitung, mit dem Internet und Journalismus hat das nichts zu tun.

    Das ist nicht schön. Aber so irrelevant die Netzeitung nunmal war, wird sich kaum einer dran erinnern, dass es sie einmal mit eigener Redaktion gab. Man kann davon ausgehen, dass Dumont sogar gute Konzepte für die Zeit in der Tasche hat, wenn der letzte Alt-Redakteur seinen Auflösungsvertrag unterschrieben hat. Aber darüber wird erst danach geredet.

  • Ein Trauerspiel. Vor Jahren hatte die netzeitung mit „netzzeitung.de“ sogar eine Art Newsportal am Start.

    Beispiel von 2002:

    web.archive.org/web/20020123090933/http://www.netzzeitung.de/

    Da war von google-news noch wenig zu sehen. Was hätte man aus der netzeitung machen können…

  • Gnews zu kopieren ist genau so sinvoll wie Youtube oder eBay. Dat gibt es schon und ist zu gut um ernsthaft erfolgreich dagegen anzukommen
    2012 gibt’s die Domain bei sedo zum Kauf. Was wetten?

  • Dieses Verhalten zeigt klar: Die Köpfe, die das Entwickeln zukunftsfähiger Geschäftsmodelle für den Journalismus bisher versäumt haben, sind im Grunde gar nicht daran interessiert, das jetzt nachzuholen.

    Man versucht alles, um bei möglichst wenig Verhaltens-Veränderung möglichst viel Geld herauszupressen.

    Der Markt wird es korrigieren. DuMont, Murdoch und andere versteinerte Geister werden immer mehr an Einfluss verlieren und durch jüngere Köpfe ersetzt werden. Und das ist gut so.

  • Lustig an der Geschichte ist, dass der Berliner Verlag und die Netzeitung gar keine Online-Vermarktung im Sinne von qualifizierten Mitarbeitern haben! Wie soll man denn bitte den Online-Anzeigenverkauf erfolgreich gestalten, wenn REIN NIEMAND da ist, der das tun bzw. umsetzen kann? Die Print-Anzeigenabeteilung verkauft ausschließlich Print.

    Das Problem ist also hausgemacht und hat mit dem Markt rein gar nichts zu tun.

  • Der Verlag DuMont Schauberg ist vermutlich zu sehr mit dem Geld zählen beschäftigt, welches er in Unmengen durch die im Jahr 2006 durchgeführte Vollprivatisierung des Bundesanzeigers (zugunsten von DuMont Schauberg) dank der gesetzlichen Veröffentlichungspflicht für die Jahresabschlüsse von über 1 Mio deutschen Kapitalgesellschaften verdient. Die deutschen Unternehmen ab GmbH „aufwärts“ finanzieren seit 2007 die Expansionsgelüste dieses Verlags mit ihren kostenpflichtigen Zwangsveröffentlichungen im Bundesanzeiger – und alle Welt schaut zu und kein Wettbewerber berichtet über diesen Privatisierungsskandal! Oder woher nimmt den dieser Verlag das Geld, um mal eben für 150 Mio die Berliner Zeitung und die Hamburger Morgenpost zu übernehmen? (von den sonstigen Investitionen seit 2006 ganz zu schweigen…) Und das in Zeiten, in denen alle Zeitungs- und Zeitschriftenverlage „auf dem Zahnfleisch gehen“…?

  • Sehr cooler Beitrag, André! Finde klasse, dass du beide Positionen eingeholt hast, auch wenn DuMont von der Gelegenheit wenig Gebrauch gemacht hat. 😉

    Matthias Breitingers Antworten zeugen von viel Erfahrung mit dem Geschäft. Ich kann verstehen, dass er und die anderen Redakteure gerade frustriert sind. Aber andererseits: Wo bleibt die Aufbruchstimmung, wo der Wille, Dinge selbst in die Hand zu nehmen? Breitinger schreibt:

    „Womöglich ist die Angst der Verlage vor einer “Gratis-Mentalität” im Netz zumindest zu einem großen Teil gar nicht berechtigt. Schade, dass DuMont nicht den Mut hatte, das bei der “Netzeitung” einmal auszuprobieren.“

    Wäre das jetzt nicht die perfekte Gelegenheit, die Redaktion auf eigene Faust weiterzuführen? Unter webzeitung.de oder etwas Ähnlichem. Das Team besteht noch, die Publicity ist hoch wie nie, Konzepte und Ideen hat die Redaktion nach Breitingers Meinung genug. Alles was es braucht, ist ein CMS und ein Gemeinschaftsbüro. Klar gibt es das nicht umsonst. Richtig teuer muss es aber auch nicht werden. Man müsste nur bereit sein, eine Zeitlang von Ersparnissen zu leben. Dürfte aber auch nicht so schwer sein, bei dieser Bekanntheit einen Vermarkter zu finden.

    Sicher gibt es da genug Hürden im Weg. Aber packt es doch einfach einmal an! Klagt nicht nur über die Untätigkeit der Verlage, sondern verlegt euch selbst und macht es besser. Oder glaubt ihr nicht, dass sich das refinanzieren lässt? Dann hatte DuMont womöglich doch Recht damit, den Laden dicht zu machen.

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