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Nach Lala-Übernahme: iTunes soll zur gigantischen Cloud-Audiothek werden

lala

Wenn man dem „Wall Street Journal“ und seinen Quellen Glauben schenken kann, plant Apple nichts Geringeres als eine Revolution des internationalen Musikvertriebs. Vor 15 Jahren sagten wir ja noch: „Ich habe mir eben eine neue CD gekauft.“ Vor zehn Jahren meinten wir: „Ich habe mir gerade n‘ Song bei Napster gezogen.“ Und vor vielleicht drei Monaten hieß es noch: „Gut, dass DRM fort ist. Ich habe mir soeben eine MP3 gekauft.“ Was sagen wir im kommenden Jahr? Richtig: „Ich habe mir den kostenpflichtigen Zugang zu einem Lied gesichert.“

Der Musik-Dienst Lala war vor der Übernahme durch Apple in Deutschland weitgehend unbekannt, lediglich als Google vor wenigen Wochen die neue Musik-Suche ankündigte, fiel der Name mehrmals. Lala bietet “In The Cloud”-Musik, schon für zehn Cent gibt es einzelne Songs, ein ganzes Album schlägt mit 80 Cent zu Buche. Der Deal besteht darin, dass die Lieder vom Kunden nicht heruntergeladen, sondern lediglich online gehört werden können.

Das Konzept oder aber die technische Infrastruktur für Musik-Streaming gefiel Apple so gut, dass man Anfang der Woche für 85 Millionen Dollar zuschlug. Seitdem reißen die Spekulationen nicht mehr ab – was uns zu dem oben erwähnten WSJ-Artikel bringt: Offenbar plant der größte Musikhändler der Welt, iTunes von einem Download-Shop in eine gigantische Cloud-Audiothek zu verwandeln. Der Client würde dann in erster Linie der Verwaltung der abonnierten Musikstücke dienen – gekauft wird überall im Netz. Mit diesem Plan würde Apple unzählige Fliegen mit einer Klappe schlagen:

1.) Dank Google-Music ist für Apple soeben ein riesiger, völlig kostenloser Vertriebskanal geöffnet worden. Außerdem ist Lala auf Facebook eine große Nummer.
2.) Apple-Hardware müsste nicht mehr mit überbordendem Speicherplatz ausgerüstet werden: ein Internetzugang genügt völlig.
3.) Die Telcos würden Apple aus der Hand fressen: Wer unterwegs Musik hören möchte, kommt an einer anständigen UMTS-Flatrate nicht vorbei.
4.) Apples Einfluss und damit die Macht über die Labels wächst sprunghaft an. Das kann sich positiv auf Preisdiktate auswirken.
5.) Wenn der Plan aufgeht, könnten Filme, Serien und Dokumentationen ebenfalls zu virtuellen Gütern werden.

Auch für den Kunden würde es einen Vorteil bringen, da die komplette Musiksammlung immer und überall verfügbar ist. Allerdings gibt es auch einige Schattenseiten: Was ist, wenn der Internet-Zugang ausfällt? Lässt sich gute Musik noch mit den Kumpels teilen? Wird der Mobilfunkvertrag wegen der Traffic-Mehrbelastung teurer? Wie wird außerdem gewährleistet, dass einmal gekaufte Streaming-Musik auch immer verfügbar bleibt – vielleicht verkauft ein Label ja irgendwann die Rechte daran?

Apple hat in diesem Jahr zwei Milliarden US-Dollar Umsatz mit iTunes erzielt, ein Plus von 20 Prozent verglichen mit 2008. Allerdings verlangsamt sich das Wachstum, da der iPod-Markt gesättigt ist und die Abverkäufe nehmen langsam die Kurve nach unten. Anders ausgedrückt ließe sich sagen, dass viele Kunden bereits über eine ansehnliche Musiksammlung bei iTunes verfügen.

Eine Neuausrichtung des Geschäfts könnte hier für frischen Wind sorgen. Apple könnte Songs per Einzelabruf oder aber Flatrate anbieten. Zehn Cent pro Song klingt wenig, allerdings versicherte Lala kürzlich, dass Testkunden bei ihnen mindestens ebensoviel pro Monat für Streaming-Musik ausgeben, wie der durchschnittliche Nutzer für Musik-Downloads bei iTunes.

(André Vatter)


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Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

23 Kommentare

  • Musik über UMTS? Oder noch besser über Edge? Der Plan geht vielleicht auf, wenn es flächendeckend LTE gibt. Aktuell klappt ja mit dem iPhone nichtmal Webradio auf Edge unterwegs und selbst bei UMTS reißt es ab. Zumal der Akku vermutlich dann noch schneller in den Eimer gehen würde.

    Als ERGÄNZUNG am PC halte ich das allerdings für ne gute Idee. Vielleicht Musik am PC hören für vllt 10 Cent (online) oder eben runterladen für wie gehabt 99 Cent.

  • na. darauf hammer ja schon lange gewartet.
    ich will mir nicht die abspielrechte von einem liedchen sichern.

    ich will zugang zu allen liedern immer haben. mit flatrate. brauche keinen speicher, keine usb-festplatten voll mp3s. einfach nur den zugang zur ressource und kann hören was ich will, wann ich will.
    das für z.b. 10 eur pro monat?
    mit einer guten filterung, sortierung, auffindbarkeit, fertigen playlists?

    nicht kontent is king.
    kontext is king.

  • Hmm, ich mache über Youtube nichts anderes. Playlist anlegen, paar nette Musikvideos rein und auf Parties zu 90er Dancefloor abhotten. Kostenlos und überall (mit Internetzugang) verfügbar. Gibt eigentlich nichts, was man nicht findet.

  • Ich halte gar nichts von solchen Cloud-Geschichten. Musik, die mir gefällt, möchte ich physisch besitzen und jederzeit, überall und unlimitiert hören können. Deshalb: Ich bleibe bei der CD (und bin liebend gerne altmodisch).

  • Irgendwie ist das doch nicht Neues. ich benutze schon seit über einem Jahr die Napster Flatrate für 9,95 Euro im Monat über mein Sonos System sowie auf dem PC. Da habe ich Zugang zu 8 Millionen Songs – das sollte reichen 🙂
    Und unterwegs möchte ich keine Lösung basierend auf Streaming einsetzen, dazu sind mir zum einen die Kosten zu hoch, zum anderen die Qualität nicht ausreichend gut. Die Lieder/Alben, die mir gefallen und die ich unterwegs hören möchte, die kaufe ich dann via iTunes.

    Ciao
    Peter

  • wer spotify hat (so wie ich) der braucht keine andere plattform.

    spotify läuft perfekt offline/online aufm android-handy und online aufm macbookpro (+airfoil+airportexpress)… und dat alles für 10€/monat…

    grüße
    jo

  • Ich bin auch total überzeugt von Spotify, ich hoffe das sich dieses Konzept durchsetzt und das Spotify auch noch nach Deutschland kommt in seiner kostenlosen Form.

  • Naja, da wäre mir der „Internet-Zwang“ zu groß. Aber die Idee, das man lediglich für den Zugang zur Musik zahlen wird, wird sich denke ich durchsetzen 😉

  • Na klar, kurz Musik hören über EDGE (das ja nichtmal die 128kbps ohne Unterbrechungen streamen kann), damit ich mich kurz vor dem Tunnel auf das UMTS dahinter freuen kann, in selbigem das Signal und meine Musik dann weg ist, bis mir dahinter der Akku leer geht. Nein Danke.

  • ich finde die idee eigentlich ziemlich gut.

    @michael
    man kann ja die musik immernoch mitstreamen. dann hat man diese auch und das für 10cent. was will man denn mehr?

  • Ich glaube nicht das die Telkos Apple aus der Hand fressen würde. Die wollen keine Leute die viel Telcos erzeugen.

    Mal abgesehen davon das so etwas jedes Mobilfunknetz lahm legen würde.

  • @David (#4): Wie ist denn die Soundqualität bei Youtube? In welchem Format und mit wieviel kbps werden dort Musikvideos abgespielt?

  • @Andreas: Zumindest gut genug, um damit betrunkene Leute auf Parties zu beschallen 🙂 Wer wirklich auf Qualität setzt, der wird auch mit 128kb/s MP3s nicht glücklich.

  • I’m on Twitter @1_a – da fehlt noch der Musicplayer, Radios gibts dort in jeder menge.
    Wozu diese ganzen Geschichten gut sein mögen – Gewinne verprassen?
    kauft da jemand?
    Habe mir meine vierte LP 1993 gekauft – hatte keinen Plattenspieler, habe sie verschenkt – wurde auf ne Party eingeladen (habe mehr als den Einkaufspreis, an Champagner weg gesoffen, Rechnung stimmt).

    Was anderes:
    wollte diese Site auf mein FB-Profil posten …
    werde dies nun über Umweg versuchen.
    Da irgendwelche Selbsternannt-FB-Polizisten meinen, dass auf dieser Seite:
    „blockierte Nachrichten seien“, weil „Inhalte dieser Nachricht von FB-Nutzern als Missbrauch gemeldet wurden.“
    Also, versuche ich mein Glück via mister33.vox.com, @1_a & automatisch per Plurk-Link und sonstiger Variationen. Bspw. über Digg – meine HP mr33.yolasite.com oder was weiß ich.
    Zensur über alles?
    Israel ist mir zu klein und zu anstrengend – wohin?

  • Was bringt Apple der Lala-Kauf, was nicht vorher auch bereits schon möglich gewesen wäre:

    1. Streaming? Apple’s iTunes streamt heute auch schon! Zwar nur 30sec Previews, aber immerhin, die Technik für Tracks/Alben in voller Länge wäre bereits da, auch ohne Lala.

    2. 10ct je Streaming-Track? Das könnte Apple auch ohne Lala-Technologie selbst in iTunes als neues „Produkt“ hinbekommen.

    Ich vermute eher, das der Kauf aus strategischen Gesichtspunkten stattgefunden hat, und eher weniger aus technologischen Gründen.

    Was meint ihr?

  • Lala steht sicher als erstes mal für Musik. Aber wer sagt denn das über eine solchen Service NUR Musik im Kostenbereich Cent distribuiert werden soll/kann?

    Der Technologie ist es doch mehr oder weniger egal ob ein 80MB MP3 File ausgeliefert und abgerechnet wird oder ob es sich dabei um einen 5MB dicken RSS File für die aktuelle Tageszeitung oder dein Wochen-, Monatsmagazin deiner Wahl handelt.

    Wichtig ist dabei (IMHO), die MICROpayments Handhaben zu können und gleichzeitig, ach was weiß ich wie viele Millionen, Kunden direkt via existentem iTunes Account eine Rechnung senden zu dürfen/können.

    Also sagen wir mal 10 Cent pro Artikel aus der Süddeutschen Zeitung, oder wie viele Artikel du auch immer lesen magst. Dann macht ein Paid Content vielleicht Sinn, so wie auch 99 Cent pro Musikstück innerhalb von iTunes Sinn macht.

    Lese ich viel, wird meine Monatsrechnung der SZ größer, lese ich weniger wird es halt preiswerter. aber das Konzept dahinter stimmt. Denn ich zahle nur für das was ich wirklich will. Das ist doch bei iTunes genau gleich. Anstatt das ganze Album zu kaufen, kann/darf ich auch nur den für ich schönsten Titel erwerben.
    Bei einer Paid Content Sache für Zeitungen hätte ich damit kein Problem. So kann ich mich für den Sportteil oder den Politikteil entscheiden, ohne auch noch den ganzen Summs von Lokalteil, Stellanzeigen oder sonstigem Gedöns immer mitkaufen zu müssen.

    Ach ja und bevor nun alle auf mir rumhauen und mit Sprüchen wie Web-Kommunisten losschlagen. Ich pers. hätte kein Problem mit Paid Content, solange ich selektiv dafür zahlen kann. Ein gutes Magazin kostet nun mal ein paar Euro am Kisok. Warum also nicht auch im Netz. Aber bitte nicht wie gerade gestartet, die BILD Zeitung als Online-Flatrate via iPhone.

    Lala ist für mich, das Technologische Vehikel für Apple dazu. Warum immer alles selber machen…

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