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Drei Kugeln durchs MacBook: Sicherheitskräfte entschärfen 'verdächtiges Gepäckstück'

Erschossenes Notebook

„‚Stehenbleiben – oder wir schießen!‘ riefen die jungen Sicherheitskräfte am Flughafen. Das arme MacBook lief aber weiter, so wie es dies immer getan hat, stets zur vollen Zufriedenheit seiner Besitzerin, Lily Sussman. Doch heute sollte dem Notebook diese Treue – wie auf dem Beweisfoto nicht zu übersehen ist – zum Verhängnis werden. Von drei Kugeln durchsiebt, klappte es zusammen, in Erwartung des finalen Shotdown Shutdown…“

Keine Sorge, ich bin noch ganz bei Trost. Ob dies aber auch für die Richter-Henker des Laptops gilt, weiß ich nicht. Es scheint nämlich keine echte Begründung zu geben, warum Lilys Computer einer solch „eindringlichen“ Behandlung unterzogen wurde. Fest steht jedoch, dass die junge Frau von den Sicherheitskräften – augenscheinlich aufgrund politischer Motive, zu denen ich mich hier nicht näher äußern möchte – eindringlich befragt und anschließend ihr Gepäck in einem separaten Raum untersucht wurde.

Als Lily plötzlich eine Durchsage hörte, in der die Fluggäste auf eine bevorstehende Sprengung eines verdächtigen Gepäckstücks hingewiesen wurden, lief sie nochmal rein, um zu gucken, ob mit ihrem Gepäck alles okay sei. Bis dahin war es das auch noch. Aber einige Augenblicke später kam ein Mann zu ihr, der sich mit den Worten vorstellte: „Tut mir leid, aber wir mussten Ihren Laptop in die Luft jagen“.

Erschossenes Notebook II 

Lily, die offenbar Juristin ist, hätte über diese unglaubliche Mitteilung vielleicht sogar lachen können, hätte sie nicht… alle ihre Daten auf dem Laptop gespeichert, ohne jemals an ein Backup gedacht zu haben. „Notizen zu meinen Fällen, Zeugenaussagen, Schriftstücke, Bilder, Musik, Anwendungen. Die Arbeit von Jahren. […] Meine gesamte Arbeit!“, schrie sie völlig außer sich dem Sicherheitsbeamten ins Gesicht. Aber wie so oft, war auch hier das Glück mit den Dummen, denn die Festplatte hatte den Kugelhagel der Freizeit-Rambos unversehrt überstanden und konnte intakt geborgen werden. Glück im Unglück sozusagen.

Erschossenes Notebook III

Kuriose bis beängstigende Story, die mich aber mit zwei Fragen zurücklässt: Warum würde jemand auf ein „verdächtiges Gepäckstück“ mit Handfeuerwaffen ballern? Wen oder was wollte man damit „ausschalten“? Ich hatte bisher immer angenommen, vermeintlich gefährliche Güter würden von Bombenexperten entschärft oder von ferngesteuerten Robotern in die Luft gejagt. Aber dass sie erschossen werden, ist mir neu. Und die zweite Frage lautet: Wer ist denn heutzutage noch so bekloppt, und sichert seine auf einem Notebook gespeicherten Daten über Jahre hinweg (!) nicht?

Via: Crunchgear

(Marek Hoffmann)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

32 Kommentare

  • Viel schlimmer finde ich die Tatsache das ein MacBook nicht vor Kugeln schützen würde. :-/

    Grüße

    PS: Erstattet bekommt sie das auch nicht, oder? Sicherlich nicht 🙁

  • fragt sich echt wer bescheuerter war: die beamten, die versucht haben ein laptop zu erschießen (muss man sich mal bildlich vorstellen: „durchladen, zielen, abfeuern! zielt auf das logo, da ist er am schwächsten!“) oder sie die nichts mal zwischengespeichert hat…

  • was ich mich nur frage: das ist ja ein unibody-macbook, das gibt es eh erst ab ende 2008 soweit ich mich erinner. warum macht jemand dann kein backup wenn er ein neues gerät einrichtet?

  • „augenscheinlich aufgrund politischer Motive, zu denen ich mich hier nicht näher äußern möchte“

    warum nicht? angst?

  • Die israelische Security (um die gehts ja hier laut original Bericht) arbeitet halt etwas gründlicher.

    Bei meinem ersten Rückflug von Tel Aviv durfte mein Fön nicht mit und wurde mir per Post 2 Wochen später nach hause geschickt.

    Bei meinem letzten Flug hat man jedes verdammte Kleinteil meines Gepäcks durch den Xray gejagt.

    Aber warum aufregen.. in Deutschland werden auch herrenlose Tüten und Koffer gesprengt.. In Israel hat man ‚wenigstens‘ Terror in Deutschland ist man schlichweg paranoid.

  • Zu der Geschichte kann ich eine kleine Anekdote beitragen:

    Meiner Frau wurde vor zwei Jahren in den U.S.A. der Koffer gesprengt und notdürftig mit Tape zusammengeklebt. Die Überraschung war groß, als das zerfetzte Ungetüm auf dem Kofferband ankam.

    Der Inhalt war abgängig, zerfetzt und/oder voller Schmauchspuren.

    Über die Gründe der Sprengung können wir nur mutmaßen; seitens der Flughäfen gab es keinerlei Information. Vermutlich waren zwei große Dosen Erdnussbutter Auslöser für C4-Sprengstoff-Fantasien übervorsichtiger Sicherheitskräfte.

  • Gibt viele Menschen die ihre durchaus sehr wichtigen Daten nicht sichern! Das ist einfach nur dummheit und ignoranz zu gleich, aber es gibt sie halt wirklich. Da kann man auch nichts machen….. kann mir aber irgendwie nicht erklären warum man mit 3 Schüssen auf eine „Bombe“ schießt? Das wird sicherlich noch Folgen für die Sicherheitsbeamten haben, den wenn sie ein MAC als Bombe vermutet hätten, dann hätte man sie wohl gesprengt aber naja…

  • Ich finds lustig dass sie von
    „Notizen zu meinen Fällen, Zeugenaussagen, Schriftstücke, Bilder, Musik, Anwendungen. Die Arbeit von Jahren. […] Meine gesamte Arbeit!”“
    Nie ein Backup gemacht hat. Das ist so dämlich,dass der Mac die 3 Kugeln fast schon verdient hat.

    @alf
    Da hast du wohl recht. Es ist so ziemlich das dümmste, auf eine vermeintliche Kofferbombe zu schießen, was man da überhaupt machen kann.

    edit 2:
    offenbar hat sie sogar unverdientes glück gehabt:
    ihr reply in ihrem blog:“Hi Tim,
    Thanks…yeah…seriously…back things up…I’m sooooo lucky the hard drive is presumably Ok. „

  • Das ist wirklich ein starkes Stück. Mich würde echt interessieren, was aus den Flughafen-Beamten wird. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass es in Israel gestattet ist auf Gepäckstücke zu schießen.

  • @ Ludo: Nee, ich glaube, das ist die wahre Version. Denn die Festplatte konnte ja „unverletzt“ geborgen werden. Somit entfaellt die Geschichte fuers Gericht. 😉

    @ Jaqueline : „In Israel hat man ‘wenigstens’ Terror in Deutschland ist man schlichweg paranoid.“ – Ich mag Leute mit Humor! 😀

    @ ChiefAlex: Yepp. Das mit der geretteten Festplatte hatte ich in meinem Artikel aber auch schon erwaehnt. 😉

  • Auf das MacBook wurde ganz sicher nicht mit einer Handfeuerwaffe geschossen. Die hinterlassen kleinere Löcher und gehen durch einen Mac, wie durch Butter.

  • @ wurtzel #24: standardwaffen der israelischen armee sind pistolen und maschinenpistolen mit kaliber 9mm, sturmgewehre mit kaliber 5,56mm…ich geh davon aus das die das macbook mit ihrer glock bearbeitet haben und bei kaliber 9mm kann ich mir solche löcher schon vorstellen 😉
    1. verformt sich da projektil beim auftreffen (mac is was anderes als nen „weicher“ körper) und 2. weiß man auch nicht, um was für einen mac es sich gehandelt hat, war es ein 14″ oder ein 17″? (ka was für dimensionen mac so bietet, aber anhand der tastatur geh ich mal von einem nicht allzugrossen aus) 😉

    zur sache an sich, ich finds einfach nur dreist, hatte beim reinen anschauen der bilder erst gedacht des sei nen test wasn mac so aushält ^^

  • @ Wurtzel & Nick: Ich glaube, die haben nicht direkt aufs MacBook geschossen, sondern auf den Koffer. Könnte zumindest eine Erklärung sein, warum die Kugel nicht durchgegangen sind. Weiß es aber auch nicht genauer…

  • @Nick: Ist ein 13″ MacBook, steht am unteren Rand des Displays. Die 15″+17″ sind dann MacBook Pro und das würde dann auch genauso dort stehen.
    Ja, Projektile verformen sich, aber erst nach dem Einschuss(loch). Das Deutet eher auf ein Flintenlaufgeschoss hin. Die werden häufiger zum Entschärfen benutzt. Dabei gehts um eine großflächige und schnelle Zerstörung des eventuellen Zünders.

    Sollte jemand ein MacBook für so einen Test zur Verfügung stellen…. 😉

    Ändert aber nix an der übertriebenen Art , wie man da vorgegangen ist.

  • Naja doofe Sache für die Besitzerin aber doch mal interessant zu sehen was so ein Macbook aushält. Tolle Verarbeitung.

    Ich würd jetzt meinen iMac aber nicht mit der selben Methode testen lassen wollen. 🙂

  • Ich denke, man sollte nicht so feige sein und klar seine politische Ansicht zu derlei schwachsinnigen Aktionen dieser israelischen „Beamten“ machen.

    Wer so martialisch auftritt, braucht sich nicht zu wundern, dass Gegendruck aufkommt.

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