Digitaler Flashmob am Freitag: AT&T zittert vor 'Operation Würgegriff'

André Vatter

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fakestefejobs

Es besteht kein Zweifel, dass AT&T so mit das schrottigste Netz hat, das die Vereinigten Staaten zu bieten haben. Die UMTS-Verfügbarkeit sieht grausig aus und erst jetzt gerade wurde die MMS-Funktion für die Kunden freigeschaltet. Da die Mobilfunkmasten sich bereits unter der Last der Datentransfers ächzend im Wind biegen, wollte AT&T-Consumer-Chef Ralph de la Vega nun eine Strategie anwenden, die wir hierzulande schon von Anbietern wie 1&1 (im Festnetzsektor) kennen: Heavy User sollen „Anreize“ geboten bekommen, um aus dem Vertrag auszusteigen. Alternative plane AT&T, Drosselungen bei der Geschwindigkeit einzuführen: „Wir fanden heraus, dass Kunden nicht einmal wissen, wie viele Daten sie verbrauchen… doch wenn man es ihnen einmal vorrechnet, dann reduzieren sie tatsächlich den Konsum.“ Kunden schüttelten – völlig zu Recht – angesichts der Drohung den Kopf. Der hohe Traffic-Verbrauch geht in erster Linie auf das iPhone zurück. Und für den passenden Vertrag müssen viele von ihnen bereits tief in die Tasche greifen.

Daniel Lyons ist Redakteur bei Newsweek und er besitzt ein iPhone. Unter dem Pseudonym „Fake Steve Jobs bloggt er seit geraumer Zeit als falscher Apple-Chef. Doch nach der jüngsten AT&T-Ankündigung platzte ihm der Kragen. In einem Post ließ er die Leser wissen:

Unsere Ingenieure sind verdammt sauer. Und weil sie Ingenieure sind, bedeutet das, dass sie zu kleinen, teuflischen Arschlöchern werden und sie haben einen Plan ausgeheckt, um AT&T eine Lektion zu erteilen.

Darunter veröffentlicht Fake Steve Jobs ein angebliches Schreiben, das die Runde durch das Apple-Hauptquartier in Cupertino gemacht habe. Demnach werden alle Leser aufgefordert, am Freitag, 18. Dezember, ihre iPhones zur selben Zeit einzuschalten und Daten zu saugen, was das Zeug hält: „Verpassen wir AT&T eine Nachricht, dass wir die Schnauze voll haben von ihrem minderwertigen Netz und ihren abfälligen Bemerkungen.“ Dem digitalen FlashMob wurde auch ein Namen gegeben: Operation Chokehold (Operation Würgegriff)!

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Der Aufruf – obwohl gänzlich erfunden – verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Netz. AT&T war zu spontanen Krisensitzungen gezwungen, da das Netz einen solchen Angriff tatsächlich nicht überstehen würde. Allerdings konnte der Mobilfunker unmöglich öffentlich protestieren – das hätte noch mehr Aufmerksamkeit auf die Aktion gelenkt. Deshalb schob man den Presseprecher vor, der CultOfMac ein Statement gab:

Wir verstehen, dass fakesteve.net in erster Linie ein satirisches Forum ist. Doch es gibt da absolut nichts Lustiges dran, Kunden dazu aufzurufen, unsere Netzwerkdienste zu beeinträchtigen, die immerhin die Kommunikation von 80 Millionen Kunden gewährleisten müssen. Wir gehen davon aus, dass die Mehrheit der Kunden diese Aktion als das versteht, was sie ist: ein unverantwortungsvoller und nutzloser Versuch, einem Blog Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Fake Steve Jobs hat heute auf diesen Vorwurf reagiert.

„Ja, wir sollten uns schämen“, so Lyons. „Doch auf der anderen Seite: Wir haben nicht 40 Milliarden Dollar und zehn Milliarden Profit in den vergangenen neun Monaten gemacht, indem wir anderen ein defektes Netz überließen.“ Die Wut habe aber nicht alleine mit AT&T und dem iPhone zu tun. Sie resultiere aus der Tatsache, „dass wir in den USA leben – die man mal als Land der ‚Ersten Welt‘ bezeichnete. Und dennoch müssen wir mit einem Mobilfunknetz umgehen, das sich wie etwas anfühlt, was man nicht mal in Port-au-Prince während der Hurrikane-Saison findet“. Die Aktion soll als Warnung wie geplant durchgezogen werden. Derzeit seien angeblich drei Prozent der AT&T-Kunden für vierzig Prozent des Traffics verantwortlich. „Schon bald werden aus diesen drei Prozent dann dreißig Prozent“, prophezeit Lyons. Der Droid, der Palm Pre, die Android-Handys und bald die Tablets – das sei die Zukunft, kein Weg gehe jetzt mehr daran vorbei. „Unverantwortlich? Nutzlos? Ja, das klingt bekannt.“

(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.