Facebook an Microsoft: 'Das mit der Banner-Vermarktung machen wir jetzt mal lieber alleine.'

André Vatter

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Wir erinnern uns: Im Oktober 2007 hatte Microsoft 240 Millionen Dollar als Investor in Facebook gepumpt – im Gegenzug bekamen die Redmonder 1,6 Prozent der Aktien und das Versprechen, dass sie sich ab sofort um die Vermarktung kümmern dürfen. Auch der deutsche Microsoft-Ableger zeigte sich angesichts der neuen Aufgabe stolz wie Oskar: „Microsoft Digital Advertising Solutions wird nach der mit Facebook getroffenen Vereinbarung exklusiv Bannerwerbung für deutsche User vermarkten.“

Das ist seit dem Wochenende Geschichte – Facebook entzieht dem Software-Haus die Lizenz zum Verkauf von Display-Ads. „Wir haben gemeinsam viel an der Werbung gearbeitet“, schreibt General Manager Jon Tinter im Bing-Blog. Wenn man jedoch in Betracht ziehe, welche Art von Werbung heute auf Facebook geschaltet würde, „macht es einfach mehr Sinn“, wenn das soziale Netzwerk auch gleich die Führung bei der Werbestrategie übernimmt. In anderen Worten: Microsoft steigt aus der Banner-Werbung aus und begnügt sich mit der Vermarktung von Suchergebnissen (Textanzeigen).

Der Grund für diese „verbesserte Kooperation mit Facebook“ ist einleuchtend: Microsoft hat als Web 2.0-Vermarkter versagt. Während die Redmonder auf der Plattform noch immer statische Klicki-Bunti-Banner auslieferten, bastelte Facebook an eigenen Lösungen. Zum Beispiel an interaktiven Werbeformen, bei denen Nutzer ihr Feedback abgeben konnten. Oder am Geschäft mit virtuellen Gütern, die Unternehmen in ihre Marketingkampagnen einbinden können. Als Folge schossen die Umsätze der Plattform in die Höhe, 2009 waren sie rund 70 Prozent höher als im Vorjahr. Weil man dem eigenen Investor aber nicht vor den Kopf stoßen wollte, wurden Micosofts Ambitionen noch einige Zeit geduldet. Vor einigen Monaten begann Facebook dann langsam damit, die bislang zur Verfügung stehende Werbefläche für Microsoft zu verkleinern. Nun wurde sie komplett zusammengestrichen.

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Microsofts Trauer darüber dürfte sich aber in Grenzen halten, denn im Gegenzug darf das Unternehmen nun seinen Online-Trumpf ausspielen: Bing wird in den kommenden Wochen und Monaten eine immer größere Rolle auf Facebook spielen. Dazu wird die Suche auf Facebook stark aufgebohrt. Schon beim jüngsten Redesign wurde das Eingabefenster an prominentere Stelle gerückt, bald sollen nicht nur plattforminterne Ergebnisse angezeigt werden, sondern Seiten aus dem ganzen Netz.

(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.