Vertipper: Wie Google fast eine halbe Milliarde Dollar jährlich mit Typos verdient

Marek Hoffmann

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Als ich seinerzeit mein Start-Up gegründet habe und mir den dazugehörigen Domain-Namen sichern wollte, habe ich von einem Internet-Experten drei Ratschläge mit auf den Weg bekommen. Einfach ausgedrückt lauteten sie, dass ich mir die gängigen Top-Level-Domains sichern, die Schreibung des Unternehmensnamens mit und ohne Bindestrich registrieren und mir auch jene Schreibweisen des Namens aneignen sollte, die leichte Tippfehler enthielten. Auf Letztgenanntes war ich von selbst nicht gekommen, die Überlegung dahinter leuchtete mir aber ein. Wer meine Seite besuchen möchte, sich aber verschreibt, landet woanders, aber nicht bei mir. Und je nachdem, was er auf dieser Vertipper-Seite vorfindet (Konkurrenzangebot, XXX-Inhalt, Domain-Parking), wird er keinen neuerlichen Versuch unternehmen, um mich zu finden.   

Ein Beispiel: Wer sich verschreibt und anstelle von „Google.de“ ein „Gogle.de“ in die Adressleiste seines Browsers tippt, landet auf der Seite der Suchmaschine. Bei „gugle.de“ geht’s aber zu einem mit Werbung vollgeplasterten Web-Shop. Das Interessante daran ist aber nun, dass Google an solchen Typos kräftig mitverdient. Wissenschaftler aus Harvard haben errechnet, dass sich die Summe im Jahr auf etwa 500 Millionen Dollar (abgerundet etwa 367 Millionen Euronen) beläuft. Wie das möglich ist? Ganz einfach: durch Werbung. 

Viele derjenigen Seiten, die ihre Besucher nur oder hauptsächlich aufgrund von unkorrekt geschriebenen Zieladressen erhalten, setzen bei ihrer Werbung der Studie zufolge nämlich auf Google Ads. Damit verdienen sie selbst zwar unter Umständen nicht viel, Google als Mittelsmann aber schon. Die Wissenschaftler haben zur Berechnung des oben genannten Betrags zunächst eine Liste mit möglichen Typo-Domains der laut Alexa 3.264 populärsten .com-Domains erstellt. Sie fanden heraus, dass zu jeder dieser Seiten im Schnitt 280 Typo-Domains existieren. Die sich daraus ergebenden 900.000 Seiten werden den Studienergebnissen zufolge von bis zu 68 Millionen Menschen täglich versehentlich aufgesucht.

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Basierend auf dem Resultat, dass etwa 60 Prozent dieser Seiten von Google zur Verfügung gestellte Werbung enthalten und der Suchriese mit ihr genauso viel verdient, wie mit Werbung bei Suchergebnissen, summiert sich das über diesen Kanal gescheffelte Geld auf die oben genannte halbe Milliarde Dollar pro Jahr. Natürlich entfernt Google seine Werbung von solchen Seiten, wenn sich der Besitzer der „richtigen“ Domain beschwert – etwa weil sich ein Kunde in die Irre geführt sieht. Bis dahin gilt aber: Wo kein Kläger, da kein Richter. Und der Suchriese reibt sich die Hände.

(Marek Hoffmann)

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Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.