No need to say 'cheese': Kamera zaubert jedem Fotografierten ein Lächeln ins Gesicht

André Vatter

Das Feature ‚Face-Detection‘ grassiert wie wild durch die Fotobranche; Fujifilm hat gerade die FinePix Z700 auf den Markt geworfen, eine Kamera, die speziell für Tierbesitzer entwickelt wurde und erst dann Bilder schießt, wenn der Hund oder die Katze ‚lächelt‘ – wie immer das möglich ist.

Zwei Kunststudenten der UdK Berlin wollen den Zwang zum Lächeln auf eine neue Stufe heben und haben sich „Artificial Smile“ ausgedacht. Gefunden habe ich den Tipp zum Projekt übrigens bei ignant – wenn noch nicht geschehen, haut euch das Blog in den Reader. Doch zurück zur Kunstaktion. Die beiden sind die Erfinder einer Lächel-Kamera: Egal, wer damit fotografiert wird und wie dabei seine aktuelle Gemütslage aussieht – immer zeigt sein Gesicht ein Lächeln. Das Gerät hat dazu eine eingebaute Funktion für Auto-Retouch, die in Echtzeit ihre Arbeit verrichtet. Die Studenten erklären das folgendermaßen: „Die Kamera greift auf einen vorhandenen Pool mit lächelnden Gesichtern zurück, um die Münder der abgebildeten Personen durch lächelnde zu ersetzen.“ Für das Projekt ist auch das Spiel mit der Übertreibung wichtig, weshalb die zuvor aufgenommenen Grinsebacken ein echtes Lachen zeigen. „Anders als die üblichen Kameras am Markt und ihre Auto-Retouch-Funktionen, verzerrt ‚Artificial Smile‘ den Kontext der Bilder – was formal auch durch das gold-glänzende Gehäuse der Kamera unterstrichen wird.“

Netter Einfall. „Artificial Smile“ soll den Perfektionswahn auf die Schippe nehmen, bei dem immer alles schön, sauber, glücklich und zufrieden sein muss: „Jetzt lächel doch mal!“ – Tatsächlich dürfte es in den Familienalben rund um den Erdball nur wenige Bilder geben, die tatsächlich das zeigen, was zum Zeitpunkt der Aufnahme wirklich der Fall war. Hoffentlich verstehen auch die Gerätebauer diesen Seitenstoß – und sehen davon ab, die Lächel-Retusche serienmäßig in ihren Kameras zu verbauen.

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(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.