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Amazon bedient sich für 'Popular Highlights' an den persönlichen Notizen seiner Kindle-Kunden

Leider habe ich zum nachfolgenden Thema bisher noch keine gesicherten Infos. Die Presse-Stelle von Amazon war heute nicht mehr erreichbar und bei der Hotline wurde ich auf die Amazon.com-Seite und das Kindle-Handbuch verwiesen. Und darum geht’s: Jeder Kindle-Besitzer hat die Möglichkeit, sich auf dem Reader Notizen zu seinem E-Book zu machen oder darin Passagen zu markieren oder – wie es so schön im Denglischen heißt – zu highlighten. Amazon speichert diese Anmerkungen und Hervorhebungen dann auf den eigenen Servern, um sie dem User bei Bedarf auch bei einem anderen Exemplar des Werkes zur Verfügung zu stellen. In der Praxis könnten dann beispielsweise die auf dem Kindle gemachten Highlights auch auf dem PC verwendbar sein. Soweit, so gut.

Nun hat Amazon in den USA aber offenbar vor kurzem eine „Amazon Kindle Beta„-Seite (siehe Teaser-Bild) gelauncht. Und auf dieser werden dem interessierten Buch-Kunden „Popular Highlights“ präsentiert, die sich in mehrere Kategorien unterteilen. So gibt es etwa „Most Highlighted Passages of All Time“ oder „Most Highlighted Books of All Time“. Sinn und Zweck der Übung ist die: Amazon erfasst alle Highlights, die User direkt über den Reader oder eine entsprechende App für den PC, das iPhone oder das iPad machen und fügt sie zusammen. Anschließend werden jene Passagen mit den meisten Hervorhebungen rausgefiltert und anhand dieser eine Empfehlung für künftige Leser erstellt. Damit es für eine Empfehlung reicht, muss eine Passage aber von mindestens drei unterschiedlichen Usern markiert worden sein. Deren Namen werden – natürlich – nicht mit angezeigt. Ihr könnt euch aber trotzdem denken, in welche Richtung die Reise geht. 

So wie es nämlich scheint, wurden die „betroffenen“ User von Amazon vorher nicht um Erlaubnis gefragt. Oder anders ausgedrückt: Der Online-Versand hat für eigene Zwecke und offenbar ohne das Wissen und die Zustimmung seiner Kindle-Kunden einfach deren persönlichen Markierungen verwendet. Ich weiß nicht, ob dies den Tatbestand des Diebstahls geistigen Eigentums erfüllt. Es verletzt aber in jedem Fall die Privatsphäre. Aber auch ohne gegen irgendein Recht zu verstoßen, wäre dies eine Sauerei. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dürfte Amazon mit einem Mal das Vertrauen zahlloser Kunden verlieren. Und zwar nicht nur in den USA, sondern weltweit.

Es besteht allerdings die Möglichkeit – und das wäre heute eine meiner Fragen an die Pressestelle bei Amazon gewesen -, dass im Kleingedruckten des Kindle-Vertrages eine Klausel existiert, die auf die Verwendung solcher Highlights durch das Unternehmen hinweist. Möglicherweise bietet sie sogar eine opt-out-Option. Diesen Passus aber gerade in Zeiten von erhöhten Datenschutz-Bedenken so zu platzieren, dass er den Kindle-Usern nicht direkt ins Auge sticht, wäre wahrlich kein smarter Schritt von Amazon.

(Marek Hoffmann)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

20 Kommentare

  • Ich bezweifle, dass Amazon „mit einem Mal“ das Vertrauen zahlloser Kunden verliert – das haben sie schon verloren, als sie anfingen, runtergeladene Ebooks rückwirkend von den Geräten zu holen.
    Es gilt wieder mal: wenn die Daten schon mal digital da sind, dann werden sie auch genutzt, ob man das als User nun will oder nicht …

  • @Thu Marlo: opt-out heißt, das bestimmte Optionen standartmäßig aktiviert sind, der Benutzer allerdings die Möglichkeit hat diese zu deaktivieren.

  • Eine Markierung als geistiges Eigentum? Wo ist denn da der schöpferische Wert? Ich finde die Idee ziemlich gut und fände sogar noch witzig, wenn man Anmkerungen für nachfolgende Leser hinterlassen kann. Oder sogar einen Echtzeitchat für Twillight Leser 😉 „*kraaaaisch* der is so süüüüß“… bin da zwar nicht die Zielgruppe, kann mich aber in sowas ganz gut reinversetzen… wäre doch super.

  • Falls Amazon diese Highlights ohne spezifische ID (die einen bestimmten Leser zuzuorden wäre) speichern würde, wo wäre dann das Problem?

    Ich finde es interessant zu sehen, was andere in diesem oder jenem Text als bemerkenswert empfunden haben.

  • Google speichert doch auch die Suchanfragen seiner User für Google Suggest. Das ist im Prinzip das gleiche, wo ist also das Problem?

  • Solange es nur die Highlights sind, ist das ganze wohl weniger wild. Daraus könnte man dann zwar auch wieder leicht problematische Szenarien basteln nach dem Motto „Personen, die ähnliche Textzeilen wie Sie markiert haben, kauften auch …“. Nur: Diese Daten sammelt amazon offenbar eh schon, da die Highlights ja auf den Servern gespeichert werden. Die Auswertung erfolgt ebenfalls, es werden bereits jetzt massiv Profile des Kauf-Verhaltens erstellt. Nur weil das bisher noch verborgen bleibt, ist es ja nicht weniger schlimm. Allerdings sind diese Daten gegenüber Dritten geschützt.

    Problematisch wird es allerdings, wenn die gleiche Auswertung mit den Kommentaren der Nutzer zu einer Textstelle erfolgt. Soweit ich weiß, kann man Notizen zu Text-Passagen mit dem Kindle verfassen (und verliert diese, wenn amazon das digitale Buch fern-abschaltet). Diese dürften 1. urheberrechtlich geschützt sein und könnten 2. private Details enthalten, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

  • Ich fände es cool, wenn ich zu jedem Buch die „…most highlighted…“ Passagen lesen könnte, das würde das Aussuchen von Büchern teilweise schon ziemlich erleichtern bzw. spannender machen. Die „Highlighter“ müssten jedoch ausdrücklich um ihre Zustimmung gefragt werden, bevor(!) ihre Daten – natürlich anonymisiert – verwendet werden.
    Ich werde z.B. in Ubuntu oder in Windows-Programmen ja auch gefragt, ob anonym Daten zur Softwareverbesserung gesammelt werden dürfen, das ist an sich nichts Verwerfliches…

  • Bin ich eigentlich der Einzige, der einen Widerspruch zwischen Überschrift und Text sieht? Oder verstehe ich einfach was falsch?

    Wenn ich nach dem Text gehe, dann verwendet Amazon die Highlights in einer anonymisierten Auswertung (Häufig markiert etc.), was an sich nichts schlimmes ist und garantiert in den Geschäfts-/Nutzungsbedingungen erwähnt ist… immerhin macht die Amazon-Webseite seit Jahren nichts anderes („Kunden, die XYZ auch gekauft haben…“, „Zuletzt angesehen…“), also hätte man sich zumindest deutlich früher darüber beklagen können.

    Oder geht es darum, dass (wie die Überschrift aussagt) nicht bzw. nicht nur die Highlights verwendet werden, sodern insbesondere die persönlichen Notizen? Denn das wäre tatsächlich verwerflich, scheint aber laut Text gar nicht so zu sein.

  • Verstehe jetzt nicht so wirklich was ihr so verwerflich und schlimm daran findet? Die Daten werden doch rein statistisch genutzt und erlauben auch keinen Rückschluss auf den jeweiligen Nutzer.

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