UltraViolet: Film-Branche präsentiert 'Zukunft der Unterhaltung'

Marek Hoffmann

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Es ist schwer zu glauben, aber wahr. In der sonst so konservativ denkenden und behäbig agierenden Film-Branche scheint jemand die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Fairerweise muss dies auch auf einige IT-Unternehmen ausgeweitet werden. Gemeinsam will jedenfalls ein Konsortium aus der Medien- und Technologiebranche, zu dem unter anderem Warner Bros., Toshiba, Best Buy, Netflix und Microsoft gehören, ein neues System am Markt etablieren. Und dieses soll es dem User ermöglichen, die von ihm online oder in einem Geschäft gekauften Filme nahezu „hürdenlos“ anschauen zu können.

Das bedeutet, dass er sie unabhängig vom Format auf allen möglichen, technisch dafür vorgesehenen Gadgets angucken darf. Selbst die Anzahl der Fernseher, Computer, Tablets und Smartphones soll keine Rolle spielen. Der „offene Standard“, der zunächst testweise Ende dieses Jahres in den USA anläuft, soll den Namen UltraViolet tragen. Eine Anspielung auf die unsichtbare Präsenz der Plattform und ihre gleichzeitige Überschreitung der Beschränkung auf ein Gerät.

Die Funktionsweise ist – zumindest in der Theorie – denkbar einfach: Bei jedem Download eines Films oder Kauf einer DVD oder BluRay, die ein entsprechendes UltraViolet-Label besitzt, wird in einem digitalen Schließfach des Users eine Art Gutschein für den entsprechenden Film hinterlegt. Will er nun einen Film auf einem seiner Gadgets gucken, kann er dies tun, ohne sich vorher eine Kopie erstellen zu müssen. Welches Daten-Format dabei zum Tragen kommt, soll erst noch in Kürze veröffentlicht werden. Dann wird wohl auch bekannt gegeben, wie das Konsortium gedenkt, ein entsprechendes „Vertriebsnetz“ aufzubauen. Immerhin dürften diejenigen, die die Filme produzieren, nicht (immer) identisch mit jenen sein, die sie anbieten. In solchen Fällen kommt dann die Frage auf, wer wie viel vom Kuchen einbehalten darf und wie das Geld beim Kunden abgerechnet und an die Partner weitergeleitet wird.

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Die Idee zu UltraViolet ist übrigens dem Vorbild Geldautomat geschuldet. Dessen Erfolgsgeheimnis war es nämlich, dass alle Banken einen einheitlichen Standard einführten und Kunden ihr Geld an allen Automaten erhalten konnten. Um zu begreifen, dass ein ähnliches Prinzip bei Filmen (und Musik) auch eine gute Idee ist, hätte es aber auch gereicht, auf seine User beziehungsweise Kunden zu hören. Es ist mir trotz Unternehmensblogs,- Twitter-Accounts und Ähnlichem manchmal schleierhaft, warum die Stimme des Kunden immer noch so oft so sträflich überhört wird. Er ist es doch, der konsumiert und am besten weiß, was er mag und was nicht.

Nun denn, Hauptangriffsziel des Gemeinschaftsprojekts dürfte, wie so oft, Apple sein. Mit seinen Cloud-Bemühungen wird das Unternehmen seinen Usern zwar bald das Konsumieren der bei iTunes gekauften Medien noch einfacher machen, aber eben nur auf Apple-Gadgets. Ganz selbstlos und nur kundenorientiert ist die Initiative von Warner & Co. aber freilich nicht. Natürlich sollen die User durch den Grenzfall dazu bewogen werden, mehr Film-DVDs zu kaufen (und vor allem weniger zu kopieren). Momentan beschränkt sich der Marktanteil von digitalen Streifen nämlich nur auf vier Prozent des Umsatzes der Film-Branche.

(Marek Hoffmann)

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Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.