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Google erhält Patent für Maus-Überwachung

Google hat sich beim US-Patentamt ein Verfahren schützen lassen, mit dem Mausbewegungen des Nutzers aufgezeichnet werden, um damit die Anzeige der Suchergebnisse zu optimieren. Bisher wertet der Konzern nur die tatsächlich geklickten Links aus und versucht darüber, die Interessen der User zu erkennen und die Ergebnisse dementsprechend anzupassen. Mit dem nun patentierten Verfahren wäre dafür ein wirkliches Klicken auf die angezeigten Links nicht mehr nötig.  Die Suchmaschine könnte allein anhand der Cursorpositionen erkennen, ob die angezeigten Ergebnisse den Erwartungen entsprechen oder nicht.

Laut Patentschrift wird zur Datenaufzeichnung ein Programm auf den Rechner des Nutzers geladen, das die Bewegungen aufzeichnet und die Ergebnisse an Google schickt. Für eine solche Lösung bräuchte der Konzern aber die Zustimmung der Anwender.  Ob die allerdings bereit sind, ein Programm auf ihre Computer zu installieren, dessen Zweck es ist, ihre Cursoraktivitäten aufzuzeichnen und an die Suchmaschine zurückzuschicken, darf bezweifelt werden. Von dem zu erwartenden Aufschrei der Datenschützer ganz zu schweigen.

Allerdings ist die Installation eines Überwachungsprogramms nicht die einzige Möglichkeit zur Umsetzung der Idee. The Register weist darauf hin, dass Google über den Einbau von zusätzlichem JavaScript in die Suchergebnisse zum selben Ergebnis kommen könnte. Denkbar wäre etwa die Anpassung des Codes für die gelben Tooltips, so dass sie nicht nur eine Kurzbeschreibung des Linkziels anzeigen, sondern diese Aktion auch nach Mountain View zurückmelden.

Ob das Patent tatsächlich umgesetzt wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch reine Spekulation. Sicher ist: Google hätte das Personal und das Geld, dieses System aufzubauen und die Marktmacht, es gegen die Bedenken der Datenschützer durchzusetzen. Schon heute sammelt der Konzern die privaten Daten seiner Nutzer, um immer zielgenauere Werbung schalten zu können. Die meisten Nutzer sind sich wahrscheinlich gar nicht im Klaren darüber, wie oft ihre persönlichen Daten aufgezeichnet und dauerhaft gespeichert werden. Zumindest einen Hinweis auf den Umfang der Überwachung könnte das Firefox-Plugin Google Alarm geben: Immer wenn persönliche Daten des Nutzers an die Suchmaschine übermittelt werden, meldet sich das Zusatzprogramm mit Sirene und rotem Warnfenster.

Die Software ist allerdings mehr Kunstaktion als wirkliches Tool. Denn ein beherztes Deinstallieren des Warnprogramms bringt die Browsersirene sicherer zum Schweigen, als der schwierige Versuch, künftig auf die Dienste aus Mountain View zu verzichten.  Und Google sammelt weiter – in Zukunft vielleicht sogar unsere Mausbewegungen.

(Nils Baer)


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Über den Autor

Nils Baer

Nils Baer hat im Jahr 2010 über 100 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

13 Kommentare

  • Bei diesem Thema, erinnere ich mich an ein WordPress SEO Plugin, das auf dem Server installiert werden musste und dann die Mausklicks (und Bewegungen ?) aufzeichnen konnte.
    Es ist also schon lange möglich, Besucherverhalten zu dokumentieren, auch ohne ein lokal installiertes Programm. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Google dies noch nie probiert hat 😉

  • Das können sie mit dem hauseigenen Google Analytics doch schon lange, müssten sie nur auf der Seite einbauen. 😉

  • Mal von der Installation abgesehen (einfach in jedes tool von google einbauen) – WELCHE Bewegungen sollen das sein? Ich jedenfalls bin zu faul die Maus zu bewegen, bevor ich weiß, wo ich damit hin will, und das dürfte bei den allermeisten Leuten so sein.

  • Werden jetzt die Google-Kamerawagen auch mit „Cursor Movements“ Aufzeichnungsgeräten Ausgestattet ?? ….
    Ilse Aigner bitte übernehmen sie ….

    *duckundweg*

  • Es gibt es doch bereits seit Jahren Unternehmen, die genau dieses Mousetracking per JavaScript anbieten – was ist das wirklich Neue bei Google und warum haben die ein Patent darauf erhalten?

  • Patente werden doch in der Regel nur für neue Erfindungen angemeldet. Da haben wohl einige Tracking-Anbieter geschlafen. Trotzdem interessant wenn man mehr darüber erfahren kann, gerade bei den unterschiedlichen Ergebnisanzeigen.

  • Wie ist das denn dann mit Multitouchgeräten wie dem iPad oder dem iPod Touch? Wo kein Mauszeiger ist kann nichts registriert werden oder?

    Meine wirklichen SUCHANFRAGEN laufen mittlerweile alle über das iPad, ich fahr den Laptop nur hoch wenn ich genau weiß wo ich hin möchte oder flash brauche…

    ohmann google macht mir langsam echt angst… irgendwann merke ich das ich keine socken mehr habe und in dem moment klingelt es an der tür, ein paketmann wird davorstehn und mir ein paar socken überreichen mit den worten: mit freundlichen grüßen von google… Oo

  • Den Sinn darin sehe ich überhaupt nicht.

    Oder geht etwa jemand von euch mit dem Mauszeiger immer auf die Sachen, die ihn gerade interessieren?

    Ich jedenfalls nicht. Ich weiß meistens nicht mal wo sich der Zeiger gerade befindet, außer ich bewege ihn z.B. bewusst an den Rand, um zu scrollen.

    Mir fällt gerade auf, dass ich die Maus sogar immer erst mal hin und her schütteln muss, um zu wissen wo der Cursor gerade ist.
    Werbetechnisch interessante Infos bekäme man darum bei mir sicherlich nicht, da müsste man schon einen Eyetracker heranziehen…

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