Facebook Questions: sozialer Angriff auf Ask.com und 'Wer weiss was'

Nils Baer
von Nils Baer

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Früher galt: Wenn du eine Frage hast, die du selber nicht beantworten kannst, frag einfach deine Freunde. Zwischenzeitlich löste Google die Freunde als allwissender Ratgeber ab, doch nun bringt Facebook das alte Prinzip in neuem Gewand zurück. Im offiziellen Firmenblog kündigt das Netzwerk den Start der Betaphase von „Facebook Questions“ an. Hier können die Mitglieder ihre drängenden Fragen stellen und von anderen Usern beantworten lassen.

Wer etwa wissen will „Welche sind die schönsten Radtouren an der Donau?“, gibt diese Frage einfach in dem neuen Bereich ein. Jeder, der mag, kann die Eingabe noch um ein Foto ergänzen. Damit möglichst viele Nutzer den Eintrag sehen und ihre Empfehlungen abgeben können, sollte er über Tags thematisch eingeordnet werden. In unserem Beispiel bieten sich hier etwa  „Fahrrad“ und „Freizeit“ an. Die Frage wird dann automatisch in das Verzeichnis einsortiert und gleichzeitig allen Freunden und deren Freunden mitgeteilt. Dadurch erhofft sich Facebook speziell auf den Fragesteller zugeschnittene Antworten.

Mit diesem Schritt begibt sich das soziale Netzwerk in direkte Konkurrenz zu den bereits bestehenden Fragecommunities wie Yahoo Answers,  Wer weiss was oder CosmIQ. Zuckerbergs Team startet spät,  die Marktanteile scheinen schon längst verteilt. Doch die Plattform hat einen entscheidenden Vorteil: sie kann von Beginn an auf eine halben Milliarde Nutzer zurückgreifen. Deshalb könnte der neue Dienst trotzdem zu einer echten Gefahr für die etablierte Konkurrenz werden.

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Dass die Antwortsuche in Onlinegemeinschaften im Trend liegt, zeigt sich daran, dass auch Ask.com erst vor drei Tagen angekündigt hat, in Zukunft statt auf die automatisierte Websuche verstärkt auf das Wissen seiner Mitglieder zugreifen zu wollen. Gestartet war der Dienst 1996 mit dem Anspruch, in natürlicher Sprache gestellte Fragen verstehen und beantworten zu können. Nachdem mit Googles Erfolg die Suche anhand von Stichworten selbstverständlich wurde, ließ man dieses Ziel wieder fallen und positionierte sich direkt als Konkurrent des Suchmaschinengiganten, konnte aber auf dem US-Markt nur 3,6 Prozent Marktanteil verbuchen.

Die neue Firmenpolitik, nun mit Hilfe der User wieder vollständige Fragen direkt beantworten zu können, ist wohl als Befreiungsschlag gegen den übermächtigen Gegner aus Mountain View gedacht. Doch dieser Strategiewechsel könnte sich durch Facebooks Einstieg in das Antwortgeschäft ebenfalls als Sackgasse erweisen.  Gut möglich, dass Ask.com nun zwischen den beiden Webgiganten aufgerieben wird.

Eine Chance für die bestehenden Gemeinschaften könnte allerdings in der im Social Network grundsätzlich fehlenden Anonymität liegen. Die Proteste über den geplanten Klarnamenzwang im „World of Warcraft“-Forum hat gezeigt, dass nicht alle User bereit sind, ihre Identität  der gesamten Öffentlichkeit zu offenbaren. Dieses Phänomen ist vermutlich nicht nur auf Freizeitelfenkrieger beschränkt. Wer sich etwa für ein Biologiereferat über Geschlechtskrankheiten informieren muss, möchte das eventuell nicht allen seinen Freunden und möglicherweise seinen Eltern über den Facebookfeed mitteilen. Bei den selbständigen Antwortcommunities ist das im Gegensatz zu Facebook möglich. Dort kann sich „lonelygirl15“ problemlos über das Thema ihrer Bioarbeit informieren, ohne besorgte Anrufe der Eltern befürchten zu müssen.

(Nils Baer)

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Nils Baer hat im Jahr 2010 über 100 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.