Angriff auf Skype: Google führt Gespräche ins Festnetz und zu Handys ein

Nils Baer
von Nils Baer

Wer heute über das Internet telefoniert, tut dies meistens mit Skype. Natürlich gibt es auch andere Anbieter auf diesem Gebiet, aber die ehemalige eBay-Tochter ist der unangefochtene Spitzenreiter. Nun aber schickt sich Google an, ebenfalls in diesem Bereich tätig zu werden – und könnte damit zu einer echten Gefahr für den Marktführer werden.

Der Webgigant bietet nun Telefonate über seinen E-Mail-Dienst Google Mail an, allerdings momentan nur in den USA. Gespräche innerhalb der Vereinigten Staaten und nach Kanada sind „mindestens bis Ende des Jahres“ kostenlos, Verbindungen ins Ausland bietet der Konzern zu günstigen Preisen an. Nach Deutschland, England und Frankreich telefoniert der amerikanische Google-Nutzer beispielsweise für zwei US Cent pro Minute, nach Österreich werden drei Cent fällig.

Zwar konnten Gmail-Nutzer auch schon zuvor miteinander über Rechner und Mikrofon kommunizieren. Das neue Angebot aber ermöglicht jetzt, auch Teilnehmer auf ihrem normalen Telefon anzurufen, ohne dass sie ein Google-Konto oder überhaupt einen Computer besitzen. Damit bietet die Suchmaschinen-Firma nun tatsächlich einen Dienst an, der es direkt mit den Funktionen von Skype aufnehmen kann. Gegen den aktuellen Marktführer kann der Konzern aus Mountain View vor allem seine breite Nutzerbasis in anderen Bereichen ins Feld führen. Der Angriff des Giganten kommt für den VoIP-Spezialisten nicht unbedingt im günstigsten Augenblick. “Das mag den bevorstehenden Börsengang schon ein wenig trüben”, kommentiert der Finanzanalyst Ray Valdes gegenüber den Financial Times.

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Erste Tests des neuen Produkts machen Skype aber durchaus Hoffnung gegenüber der Suchmaschinenfirma bestehen zu können. Die Stimme des Angerufenen sei über Googles Dienst zwar deutlicher und klarer zu verstehen, umgekehrt gelte das aber nicht. „Beim Ausfiltern der Störgeräusche in einem überfüllten Raum hat Skype bei unserem intergierten Laptop-Mikrofon einfach bessere Arbeit geleistet” fasst Sean Hollister vom Techblog Engadget seine ersten Test-Erfahrungen zusammen.

Kritik gibt es auch von anderer Seite. Der neue Dienst sei eine tolle Sache, meint Matthew Zuras von Switched, „schließlich überwacht Google noch immer nicht genug Bereiche unserer täglichen Kommunikation und  unserer Daten.“ Einen wirklichen Sinn sieht er in dem ganzen Angebot nicht: Jetzt könne er zwar von überall dort anrufen, wo er Internetzugang, aber keinen Telefonanschluss oder Handyempfang habe. Das sei vor allem die Stadtbücherei von New York. Aber da sei Telefonieren sowieso verboten. „Welche Orte also sollen das bitte sein? Wir haben keine Ahnung.“

Zuras  Polemik dürfte den Erfolg des VoIP-Projektes aus Mountain View allerdings kaum gefährden. Schließlich hat auch Skype genügend Nutzer für sein Angebot gefunden. Und die wenigsten davon sitzen in der Stadtbücherei New York.

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(Nils Baer)

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Nils Baer hat im Jahr 2010 über 100 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.