Basic Flashback: Google TV – die Einheit aus Fernsehen und Internet

Jürgen Vielmeier

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Als Google vor einigen Wochen Google TV vorstellte, musste ich müde lächeln. Also noch einer, der den Versuch wagen will, das Internet auf den Fernseher zu bringen, was von vorne herein zum Scheitern verurteilt ist. In dieser Woche musste ich mein Urteil revidieren. Denn Google TV ist eine der besten Ideen, die der Suchmaschinenriese in den letzten Jahren vorgestellt hat. Es könnte Fernsehen und Internet endlich sinnvoll vereinen und dem Zuschauer das beste aus beiden Welten bieten. Ich will euch erklären wieso.

Zunächst der Denkfehler, dem ich und viele andere unterlagen: Google TV ist keine Box und auch keine Komplettlösung wie Apple TV. Google TV ist nur die Software, eine Art Betriebssystem, das auf externen Fernsehboxen oder Komplettgeräten zum Einsatz kommt und Fernsehen und Internet vereint. Hardware-Partner wie Logitech und Sony liefern die Technik, während Fernsehsender für die Inhalte sorgen. Oder jeder andere, der sich berufen fühlt, denn Google TV soll eine offene Plattform werden.

Offene Plattformen sind immer so eine Sache. Meistens kommt wenig Attraktives dabei heraus. Im Falle von Google TV scheint das anders zu sein. Das System empfängt zum einen das aktuelle Fernsehprogramm und die Informationen darüber über den Programm-Guide. Diese Informationen verzahnt Google TV auf clevere Art mit dem Internet, erstellt also eine Art Mashup aus beidem. In der Praxis sieht das dann zum – fiktiven – Beispiel so aus, dass ARD und RTL ebenso als Kanal ansteuerbar sind wie Inhalte von Netflix, Apps, Spiele oder jede beliebige Website. Fernsehen und Internet verschmelzen endgültig und so sehr, dass man schnell vergessen könnte, dass es die Trennung jemals gab.

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Man braucht dann die Wohnzimmer-Couch gar nicht mehr zu verlassen. Chatten auf Facebook, Mails checken, Spiegel Online lesen, eBay-Auktionen verfolgen, geht dann auf dem Fernseher. Oder zu den Serien, die man über Videoload oder sonstwoher auf dem Rechner geladen hat, gesellen sich auf dem Monitor zum linearen Fernsehprogramm von Sat.1 und Pro7. Die in letzter Zeit ohnehin immer unschärfere Trennung zwischen Fernseher und Internet-PC – sie könnte ganz verschwinden.


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Angepasstes Android, kabellose Tastatur als Fernbedienung

Google TVs Charakter eines Betriebssystems kommt nicht von ungefähr: es ist eine angepasste Version des eigenen mobilen Betriebssystems Android. Mit an Bord sind in den USA bereits Netflix und Amazon, wo man sich gegen eine Monatsgebühr Serien anschauen oder gegen Einzelgebühr Filme herunterladen kann. Es sieht so aus, als würde das wie bei iTunes mit einem 1-Click-System funktionieren.

Als Steuergerät dienen neuartige Fernbedienungen mit vollwertiger Tastatur oder Apps für Android und iPhone. Erste Hardware-Partner sind Logitech und Sony. Sony etwa bietet einen Fernseher an, der ohne separate Box Google TV gleich integriert hat. Kostenpunkt in den USA: 540 US-Dollar. Alternativ gibt es von den Japanern eine Blu-ray-Box mit Google TV. Ebenfalls als erster Hardware-Partner involviert ist Logitech mit der Box Logitech Revue. Kostenpunkt beider Boxen liegt bei ungefähr 300 Dollar. Die Preise deuten bereits darauf hin, dass Google TV zuerst in den USA zur Verfügung stehen wird. In Deutschland ist ein Marktstart für 2011 geplant. Verhandlungen mit hiesigen Fernsehsendern sollen bereits laufen.

Viel wird von einem Erfolg abhängen, ob Inhalte-Anbieter mitziehen werden. Sender wie RTL und Pro7 haben eigene Video-Portale im Netz, die man als ganzes oder inhaltlich für Google TV bereitstellen könnte. Fraglich ist, ob die Sender dazu Lust haben. Denn als App über Googles Android Market würden Gebühren an Google fällig. Unwahrscheinlich, dass man bereit ist, dafür zu zahlen.

Das beste aus beiden Welten

Was ist nun das Besondere an Google TV? Meiner Meinung nach ist es die gleichzeitige Nutzung zweier Infrastrukturen, die in der Vergangenheit seltenst intelligent verzahnt worden sind. Wir haben auf der einen Seite die DSL-Leitung. Die eignet sich ganz wunderbar, um Websites und gelegentliche Downloads durchzuschicken. Der Empfang von Qualitäts-Videosendungen im großen Stil ist dafür aber weniger geeignet: lange Ladezeiten oder mäßige Bildqualität und vor allem: ein Kollaps der Netze: Online-Videos machen bereits 26 Prozent des weltweiten Internet-Datenverkehrs aus, meldet Cisco. Tendenz steigend. Weitere 25 Prozent nimmt P2P-Filesharing ein, was ebenfalls einem großen Teil Videos geschuldet ist. Die Netze sind überlastet – dabei gibt es doch auf der anderen Seite Fernsehkanäle, die dafür viel besser geeignet sind.

Hier hätten wir Digitalfernsehen per Satellit, DVB-T oder Kabel. Das eignet sich ganz wunderbar für die Übertragung des Fernsehprogramms, gerade die Kabel-Anbieter können auch Internet. Aber ein Angebot aus beidem zusammen sucht man vergeblich. Kabel-Anbieter wie Kabel Deutschland schaffen es zwar, 32 Mbit/s und mehr an Daten über das Netz zu schicken. Ein einfaches Video-on-Demand-Angebot, sprich: die Verzahnung von Internet und Fernsehen, bekommen aber selbst diese Anbieter nicht hin, die alles aus einer Hand liefern. Das schafft zwar die Telekom mit T-Entertain, aber auch wieder nur zu Lasten des Internet-Backbones.

Besser als HbbTV

Und jetzt kommt Google mit seinem Betriebssystem für Fernseher daher und vereint Internet, Video on Demand und lineares Fernsehen. Während sich die Fernsehmacher noch streiten, ob das lineare Fernsehen nicht ausgedient hat und ob es Programme wie RTL 2 in zehn Jahren überhaupt noch geben soll, setzt Google einfach beides um. Und wir als Zuschauer haben nach wie vor die Wahl, ob wir uns lieber ganz gezielt eine Sendung ansehen oder uns nach einem harten Arbeitstag von egal-wie-sinnlosem Fernsehprogramm berieseln lassen. Und als positiver Nebeneffekt wird der Verkehr auf den Internet-Autobahnen nicht stärker belastet als bisher.

Google schlägt damit auch die pan-europäische Initiative HbbTV, die das Fernsehprogramm um einige Extra-Services aus dem Internet erweitert. Dabei handelt es sich aber um keine Verzahnung, sondern eine Widgetisierung in weit kleinerem Umfang. Ganze Webseiten oder Sendungen on Demand bietet HbbTV nicht. Es handelt sich dabei mehr um einen modernen Videotext. Google TV ist mit seiner Kombination aus TV, Internet, Spielen und Musik da einen großen Schritt voraus. Ich glaube, das könnte ein ganz großer Erfolg werden.

(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.