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AT&T übernimmt T-Mobile USA: Gewinner und Verlierer

Die Telekom wird ihre US-Mobilfunktochter T-Mobile USA für 39 Milliarden US-Dollar (28 Milliarden Euro) in bar und Aktien an AT&T verkaufen. AT&T wird damit seine Position als Marktführer unter den Mobilfunkprovidern in den USA ausbauen und kann Kapazitäten des T-Mobile-Netzes seinen Kunden zur Verfügung stellen. Sprich: Das eigene Netz wird auf Kosten der T-Mobile-Kunden entlastet, auch wenn T-Mobile den Vorwurf dementiert. Der Datenverkehr im AT&T-Netz war vor allem durch den jahrelangen Exklusivverkauf des iPhones und jüngst durch den Smartphone-Boom in den vergangenen Jahren um das 80-fache angestiegen.

Bis 2015 wird eine weitere Verzehnfachung des Datenverkehrs erwartet. Weitere Mobilfunkkapazitäten werden allerdings noch von den US-Behörden zurückgehalten, die neue Frequenzen einem aufwändigen Prüfverfahren unterziehen. Die einzige Möglichkeit, die Netzkapazitäten kurzfristig aufzustocken, war also durch eine Übernahme. Wie AT&T selbst schreibt, erhöht sich durch die Übernahme die Netzdichte um 30 Prozent. AT&T spart sich damit fünf Jahre Arbeit.

T-Mobile-Kunden dürften sich also schon bald über eine schlechtere Verfügbarkeit ihres Netzes „freuen“. Wenn überhaupt, dann profitieren sie langfristig von den 4G-Kapazitäten von AT&T und dem weiteren Netzausbau. Besser kommt dabei das Unternehmen Deutsche Telekom weg. Es erhält neben 25 Milliarden Dollar in bar ein Aktienpaket in Höhe von 14 Millionen Dollar und damit einen Anteil von 8 Prozent an AT&T. Die Telekom wird damit größter Einzelaktionär und erhält einen Posten im AT&T-Aufsichtsrat. Zwar gibt man damit einen Anteil am wohl stärksten Mobilfunkmarkt der Welt auf, dafür spart man sich die notwendige und teure Aufrüstung des dortigen Netzes. Hier hatte T-Mobile USA bislang kein Konzept vorgelegt, um das eigene Netz fit für den kommenden Mobilfunkstandard 4G/LTE (Long Term Evolution) zu machen.

Zurück zu den Wurzeln

Außerdem sind der Aufsichtsratposten und der Anteil am stärksten US-Mobilfunker nicht zu verachten. Die Telekom, die sich 2001 durch die Übernahme von VoiceStream für 39,4 Milliarden Euro in den US-Markt eingekauft hatte, kommt nun halbwegs versöhnlich aus dem Geschäft wieder raus. Das Geld für die Übernahme will sie nun für den Schuldenabbau und einen Aktienrückkauf nutzen. Die Börse reagierte prompt mit Kursgewinnen auf die Meldung über den Verkauf.

Interessant ist der Verkauf an AT&T auch deswegen, weil Ende vergangener Woche eigentlich Sprint als größter Kandidat für die Übernahme von T-Mobile gegolten hatte. Offenbar erwarteten viele Sprint-Mitarbeiter, dass sie T-Mobile übernehmen würden. Der nach AT&T und Verizon drittgrößte US-Mobikfunkprovider hätte damit zur Spitze aufschließen können. Es wird erwartet, dass Sprint nun seinerseits kleinere Anbieter aufkauft, um die beiden mächtigeren Konkurrenten nicht aus den Augen zu verlieren. Die Telekom will sich nun wieder ganz ihrem Europageschäft und hier dem Ausbau des 4G-Netzes widmen. Davon dürften vor allem ihre deutschen Kunden profitieren.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

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