Cloud Player: Musikindustrie droht Amazon mit Klagen

Jürgen Vielmeier

Da scheint jemand die Rechnung ohne den Wirt gemacht zu haben: Vertreter der Musikindustrie zeigten sich unzufrieden, als Amazon gestern seine neuen Services Cloud Drive und Cloud Player vorgestellt hat. Amazon-Kunden können ihre Musiksammlung dort online speichern. 5 Gigabyte sind kostenlos, weitere 15 GByte legt Amazon beim Kauf eines Albums obendrauf. Mehr Speicher lässt sich für einen Jahresbeitrag erwerben. Reuters zitiert dazu Liz Young, Sprecherin des Musiklabels Sony: „Wir hoffen, dass sie ein neues Lizenzabkommen abschließen, aber wir behalten uns rechtliche Schritte vor.“

Offenbar waren die Labels erst Ende vergangener Woche von Amazons Schritt informiert worden, Musik künftig zusätzlich aus der Wolke streamen zu lassen. Zusätzlich zu Käufen bei Amazon Musik, die von nun an automatisch im Online-Speicher abgelegt werden, können Kunden von Cloud Drive ihre eigene Musiksammlung dort speichern. Amazon verbietet in seinen Nutzungsbedingungen natürlich, dass Kunden illegal erworbene Musik hochladen. Kontrollieren will und kann man das aber nicht.

Kaum Klagen zu erwarten

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Reuters zitiert einen weiteren Manager des Musikbusiness‘, der in die Verhandlungen involviert war. Der nannte es „ein wenig verblüffend“, dass Amazon den Dienst ankündige und dann erst Verhandlungen über die Lizensierung aufnehmen will. Klingt als habe der Online-Buchhändler etwas vorschnell gehandelt. Verständlich in Anbetracht dessen, dass Google und Apple mit ähnlichen Musikdiensten in den kommenden Monaten starten wollen. EMI hatte in den Jahren 2007 und 2008 ein einen langen Rechtsstreit gegen MP3tunes angestrengt, das einen ähnlichen Service angeboten hatte wie Amazon jetzt.

MP3tunes gewann überraschend, spielt aber heute unter den Anbietern keine große Rolle mehr. Seitdem sind einige Jahre ins Land gezogen und selbst die konservativen Musiklabels haben sich für immer mehr Streamingdienste geöffnet. Amazon kann es sich erlauben, sich hier weit aus dem Fenster zu lehnen, denn mit Klagen gegen die ganz Großen zeigt sich selbst die Musikindustrie in letzter Zeit zurückhaltend. Eher zieht man seine Inhalte zurück, wenn einem die Geschäftsbedingungen nicht mehr gefallen. Ein Online-Musikdatenspeicher ist aber eine neue Herausforderung für die Plattenfirmen. In den kommenden Monaten wird es spannend werden zu sehen, wie sie auf die neuen Angebote reagieren werden. Die Zeiten der großen Gerichtsverhandlungen allerdings sind vorbei.

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.