Die Wahrheit über Mobile Web in Deutschland

Jürgen Vielmeier


Mobile Web, hier am Beispiel Fonic, wird günstiger, schneller und doch gibt es Luxusprobleme.

Die deutschen Mobilfunknetze sind für mobilen Datenverkehr vergleichsweise gut ausgebaut und schnell. Bald wird sogar LTE kommen, mit Datenraten die kein mobiler Mensch je zuvor gesehen hat. Real haben wir ganz andere Probleme. In Wahrheit scheitert der Genuss oft an Kleinigkeiten:

1. Erwarte nicht, dass es schnell geht. Auch wenn 3G mit voller Signalstärke drauf steht, bedeutet das noch lange nicht, dass man schnell Webseiten laden oder Mails abrufen kann. Warten ist angesagt.

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2. Wehe, du bewegst dich. Beim Spazierengehen kommt das Smartphone noch gut mit. Aber der Spaß ist schnell vorbei, wenn man im Auto oder im Zug ins Netz will. Der Doppelbelastung aus hoher Geschwindigkeit und beschichteten Fenstern sind Surfsticks und Smartphones nicht gewachsen, die Verbindung bleibt langsam und reißt immer wieder ab.

3. Immer wenn’s drauf ankommt. Dank Push kommen Mails oft auch bei einer Autofahrt aufs Handy, selbst wenn es in der Hosentasche versteckt ist. Es hakt aber immer dann, wenn es drauf ankommt, man also gerade etwas abschicken oder eine Nachrichtenwebsite abrufen.

4. Ist die Zelle vorbei, ist Schluss. Die Straßenbahn hat gerade eine Funkzelle verlassen. Noch immer steht UMTS mit vier Balken in der Anzeige, aber minutenlang tut sich nichts. Das Rädchen dreht sich, das Telefon behauptet, dass es lädt, aber nichts passiert. Manchmal minutenlang.

5. Unpraktisch. Auch zur Handhabung von USB-Surfsticks müssen ein paar Worte gesagt werden: Bis heute haben kaum Laptops und Netbooks integrierte Mobilfunkmodule, also sieht man grün oder rot blinkende USB-Sticks allerorten. Die steckt man ein, wartet, bis der Rechner sie gefunden hat, wartet, bis die Software dafür gestartet ist, wartet, bis die SIM-Karte initialisiert ist, wartet, bis die Verbindung aufgebaut ist. Wartet. Das kann Minuten dauern. Gleiches Spiel beim Ausschalten eines USB-Sticks: Verbindung trennen (kann dauern), Software schließen, Hardware abmelden, Stick herausnehmen. Praktisch ist was anderes.

6. EDGE, das Synonym für „null“. Mit EDGE sollten selbst langsame GSM-Netze aufgewertet werden. Bis zu 220 kbit/s kann EDGE erreichen. Man sollte meinen, das würde ausreichen, um eine E-Mail zu empfangen oder zu verschicken. Tatsächlich kommen aber oft nichtmal ein paar Kilobit/s zustande. Versucht damit bloß nicht, eine Website aufzurufen, denn bei EDGE tut sich de facto nichts. Die Technik ist zu einem Alibi geworden, um zu zeigen, man hätte ja eine solide Verbindung. Statt dessen hat man oft nicht einmal Modem-Geschwindigkeit.

7. Besserwisser. Was noch viel schlimmer ist als die Tücken der Technik, sind andere Leute, die sowas sagen wie „Haha, selbst Schuld, wenn du in dem Netz bist. Ich hab bei mir keine Probleme.“ Bei ihnen funktioniert immer alles reibungslos, sie haben nie eine schlechte Verbindung, haben die beste Funkversorgung. Ja, klar.

Ich freue mich auf LTE, wirklich. DSL-Geschwindigkeit über Funk bietet tolle Möglichkeiten: Musikstreaming unterwegs, Videos sowieso oder einfach nur von einem Ort der Wahl arbeiten. Mehr würde ich mich über eine bessere Funkversorgung gerade in Autos und Bahnen oder einfach nur in Gebäuden freuen. Ausbauen heißt auch Verbessern, nicht nur mehr Geschwindigkeit.

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.