Sonstiges

Die Wahrheit über Mobile Web in Deutschland


Mobile Web, hier am Beispiel Fonic, wird günstiger, schneller und doch gibt es Luxusprobleme.

Die deutschen Mobilfunknetze sind für mobilen Datenverkehr vergleichsweise gut ausgebaut und schnell. Bald wird sogar LTE kommen, mit Datenraten die kein mobiler Mensch je zuvor gesehen hat. Real haben wir ganz andere Probleme. In Wahrheit scheitert der Genuss oft an Kleinigkeiten:

1. Erwarte nicht, dass es schnell geht. Auch wenn 3G mit voller Signalstärke drauf steht, bedeutet das noch lange nicht, dass man schnell Webseiten laden oder Mails abrufen kann. Warten ist angesagt.

2. Wehe, du bewegst dich. Beim Spazierengehen kommt das Smartphone noch gut mit. Aber der Spaß ist schnell vorbei, wenn man im Auto oder im Zug ins Netz will. Der Doppelbelastung aus hoher Geschwindigkeit und beschichteten Fenstern sind Surfsticks und Smartphones nicht gewachsen, die Verbindung bleibt langsam und reißt immer wieder ab.

3. Immer wenn’s drauf ankommt. Dank Push kommen Mails oft auch bei einer Autofahrt aufs Handy, selbst wenn es in der Hosentasche versteckt ist. Es hakt aber immer dann, wenn es drauf ankommt, man also gerade etwas abschicken oder eine Nachrichtenwebsite abrufen.

4. Ist die Zelle vorbei, ist Schluss. Die Straßenbahn hat gerade eine Funkzelle verlassen. Noch immer steht UMTS mit vier Balken in der Anzeige, aber minutenlang tut sich nichts. Das Rädchen dreht sich, das Telefon behauptet, dass es lädt, aber nichts passiert. Manchmal minutenlang.

5. Unpraktisch. Auch zur Handhabung von USB-Surfsticks müssen ein paar Worte gesagt werden: Bis heute haben kaum Laptops und Netbooks integrierte Mobilfunkmodule, also sieht man grün oder rot blinkende USB-Sticks allerorten. Die steckt man ein, wartet, bis der Rechner sie gefunden hat, wartet, bis die Software dafür gestartet ist, wartet, bis die SIM-Karte initialisiert ist, wartet, bis die Verbindung aufgebaut ist. Wartet. Das kann Minuten dauern. Gleiches Spiel beim Ausschalten eines USB-Sticks: Verbindung trennen (kann dauern), Software schließen, Hardware abmelden, Stick herausnehmen. Praktisch ist was anderes.

6. EDGE, das Synonym für „null“. Mit EDGE sollten selbst langsame GSM-Netze aufgewertet werden. Bis zu 220 kbit/s kann EDGE erreichen. Man sollte meinen, das würde ausreichen, um eine E-Mail zu empfangen oder zu verschicken. Tatsächlich kommen aber oft nichtmal ein paar Kilobit/s zustande. Versucht damit bloß nicht, eine Website aufzurufen, denn bei EDGE tut sich de facto nichts. Die Technik ist zu einem Alibi geworden, um zu zeigen, man hätte ja eine solide Verbindung. Statt dessen hat man oft nicht einmal Modem-Geschwindigkeit.

7. Besserwisser. Was noch viel schlimmer ist als die Tücken der Technik, sind andere Leute, die sowas sagen wie „Haha, selbst Schuld, wenn du in dem Netz bist. Ich hab bei mir keine Probleme.“ Bei ihnen funktioniert immer alles reibungslos, sie haben nie eine schlechte Verbindung, haben die beste Funkversorgung. Ja, klar.

Ich freue mich auf LTE, wirklich. DSL-Geschwindigkeit über Funk bietet tolle Möglichkeiten: Musikstreaming unterwegs, Videos sowieso oder einfach nur von einem Ort der Wahl arbeiten. Mehr würde ich mich über eine bessere Funkversorgung gerade in Autos und Bahnen oder einfach nur in Gebäuden freuen. Ausbauen heißt auch Verbessern, nicht nur mehr Geschwindigkeit.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

29 Kommentare

  • Ich hab selbst bei W-Lan schon Angst vor der Strahlung. Denkt ihr nicht daß LTE da dann überall zur kleinen Gefahr wird? Frage mich ob die gesetzlichen Grenzen nicht bereits zu viel sind. Aber vielleicht mache ich mir auch unnötigerweise Sorgen?

  • Zum Punkt 7 kann man noch erwähnen, dass diese Leute meistens im Endeffekt im Gleichen Netz sind, nur durch einen anderen Provider (siehe Medion Mobile, Fonic, Blau usw.).

  • UMTS im Auto ist bis auf die Wechsel zwischen den Sendemasten eigentlich ganz gut nutzbar. Die metallbedampften Scheiben der Bahn allerdings eine Unverschämtheit, die kaum ein Signal durchlassen. Selbst in den ausgewiesenen „Handy-Bereichen“ ist der Empfang oft nicht besser. Aber die Bahn und die Telekom wollen ja WLAN in der Bahn ausweiten – ein Schelm wer Böses dabei denkt.

  • …“DSL-Geschwindigkeit über Funk bietet tolle Möglichkeiten: Musikstreaming unterwegs, Videos sowieso oder einfach nur von einem Ort der Wahl arbeiten.“…

    Das mag stimmen doch bei 5 oder 10 Gb Datenvolumen / Monat ist dieser Spass dann wieder schnell vorbei und man kaut für den Rest des Monat Geschwindigkeitsmäßig auf dem Zahnfleisch.
    Leider wurden die für viele wichtigen Kritikpunkte im Beitrag nicht Angesprochen:
    – viel zu hohe Preise gegenüber einem Festnetzanschluss
    – VoiP und P2P Einschränkung und vielleicht demnächst noch Mehr?
    – Volumentarife als Flatrate verkauft
    – keine garantierte Mindestbandbreite auch nicht bei LTS Wenn zu viele Nutzer gleichzeitig unterwegs sind.

  • Zumindest in Sachen Geschwindigkeit sollte LTE das Mobile Internet in Deutschland auf eine neue Ebene katapultieren. Auch Punkt 2 wird aller Wahrscheinlichkeit nach mit LTE kein Problem mehr. Tests in Zügen und fahrenden Autos wurden auf der letzten Cebit und IFA bekanntlich erfolgreich demonstriert. Der Rest wird sich zeigen. Neben Vodafone bietet übrigens seit heute auch die Telekom LTE in den ersten Regionen. Es geht also langsam los 🙂

  • Kann ich nicht bestätigen. Im Zug habe ich mit Telekom leidlich schnelles Netz (Edge, ab und an 3G), mit O2 habe ich durchgehend 3G (bis auf einen Tunnel). Ich fahre oft Zug (jede Woche gut 5-6 Mal für 2 Stunden) und surfe dabei eigentlich immer mit dem iPhone. Und nein, Edge ist nicht schlimm. Gedrosseltes Netz ist schlimm (theoretisch 64 kbit!).

    Mein UMTS Stick am MacBook ist auch kein Aufwand. Angeschlossen, Button gedrückt, alles über Bordmittel – perfekt.

  • Offline-Reader sind zwar total out, wären aber eine tolle, stabile, schnelle u billige Lösung. Ganz ohne cloud u flatrate f provider. Wohl deshalb ausgestorben.

  • Probleme sehe ich auch bei LTE wo anders.

    Zwar bietet diese auf den ersten Blick tolle Datenraten, aber wenn viele diese in eine Zelle benutzen sinkt die Datenrate pro Nutzer doch ab. Wenn dazu dann noch ein mäßige Empfang dazu kommt, dann gute Nacht. Selbst wenn überall zusätzliche Masten enstehen würden gibt es auch bei gut ausgebauten Netze immer wieder kleine meist eng begrenzte Bereiche wo der Empfang gelinde gesagt mäßig ist.

    Zudem die Preise

    Diese sind mit Preisen um die 50 Euro im Monat nicht gerade wenig. Vor allen wenn die maximale Geschwindigkeit nach 5 oder 10 GB pro Monat am ende ist. Diese Volumen hat man schnell beieinander. Warum gibt es keine Tarife die mindestens 20 GB oder mehr erlauben?

    Zu gute letzt.

    Es gibt bei alle Provider ein wahren Tarif Chaos. Selbst wer gerade sein Tarif gefunden hat, wird es vielleicht schon ein paar Monat später erleben das sein Provider ein vielleicht günstigeren Tarif einführt. Nur kommt man erst nach 24 Monate an so was überhaupt ran.

    Zu WLAN.

    Warum kostet deren Nutzung in Deutschland Geld während diese vielmals im Ausland kostenlos angeboten wird ?

  • Also ich kann Dir echt nicht wirklich zustimmen…

    wenn ich HSDPA-Empfang hab dann geht das auf meinem Defy wirklich ratzfatz – habe ich nur EDGE springe ich zu Opera Mobile der mir die Seiten trotzdem in aktzeptabler Geschwindichkeit aufbereitet.

    Also ich kann wirklich nicht klagen?!

    Kann Dir ehrlich gesagt in keinem deiner Punkte zustimmen…
    auch Tram oder U-Bahn fahrten sind 0 Problem!

    Handy: Moto Defy
    Netz: Fyve (D2)
    Ort: München

  • Nun muss man aber auch erwähnen, dass die mobile Datennutzung in den letzten Monaten sprunghaft zugenommen hat. Die Angegeben Bandbreiten für GPRS/EDGE/UMTS sind ja nur die maximal Möglichen.
    Je mehr Mobiltelefone in einer Zelle angemeldet sind und die Datenverbindug nutzen desto geringer ist auch die Geschwindigkeit.

    Zu mobilem Internet in Zügen sei zu sagen, dass dort mittlerweile ein großer Prozentsatz der Fahrgäste surft um die Zeit zu überbrücken. Sie alle fahren zur gleichen Zeit in eine Funkzelle ein und das Handy versucht sich dort anzumelden. Das dann schnell ene Überlastung zustande kommt dürfte allen klar sein.

    Zuguterletzt kommt es natürlich auch auf das Handy an und wie sie mit dem Wechsel der Funkzelle bei aktiver Datenverbindung zurecht kommen (RMNET/PPP), wie sensibel ihre Funkantenne ist und so weiter.

    Ich persönlich bin in einer mittleren Kleinstadt und habe selten Probleme mit geringen Datenraten. Vor kurzen hat Eplus hier auch UMTS eingeführt und ich vermute, dass es ziemlich wenige Leute gibt die das nutzen.

    handy: htc hd2/android
    provider: blau.de

  • Ich muss Christoph auch recht geben. Im umts netzt gehts zackig voran und auch mit edge hab ich keine Probleme. Klar dauert es länger aber ich kann alles nutzen, selbst Musik streamen…
    Klar gibts auch in machen Zellen hänger und ich könnte das Ding im nächsten Gulli versenken aber zu 95% habe ich gute Datenraten.

    Netz – O2

    Auch was die eingebauten umts Modems betrifft, ist das wohl eher ein Apple Problem, bei den meisten anderen Herstellern ist das mittlerweile standard.
    Apple preist das in der übernächsten Generation als bahnbrechende Neuerung an…

    Zudem sieht der ganze Artikel eher nach Aprilscherz aus…

  • Sitz soeben im ice von leipzig nach berlin… Eplus im iphone…
    Da hast du nen wichtigen punkt vergessen. Den kreis! Gprs… Furchtbar.
    Aber wie mab sieht ist es mir trotzdem moeglich einen kommentar zu schreiben. Btw. Wir deutschen sind was mobiles bzw. Generell internet angeht
    Denke ich wirklich gut dran ( schnell die meldung weggedrueckt das das mobile datennetzwerk nicht aktiviert werden kann )
    Schaut mal nach ozeanien… Die verkaufen dir dort 25GB fuer 70aus$ danach gibts gprs… ZU HAUSE!

  • Da ich häufig in Deutschland unterwegs bin, nutze ich auch einen USB-Stick an meinem Notebook.

    Wenn ich es aber zeitlich einrichten kann, dann nutze ich lieber die kostenlosen Hotspots in Deutschland. Ich sitze dann lieber im Cafe und bearbeite dort mein Mails.

  • @#17 Christoph: „Ort: München“. Fahr mal in einem Regionalexpress mit dem Ding raus nach Rosenheim oder Richtung Österreich und dann sprechen wir uns hier noch einmal. 😉 Ich hab neulich nicht mal auf der Fahrt von Köln nach Bonn mehr als zweimal eine stabile Verbindung hinbekommen. Eine Freundin, die mir gegenüber saß, auch nicht.

    @#20 Flo: Danke, dass du die Strapazen auf dich genommen hast. 😉 Im Endeffekt ist aber schlechtes EDGE doch auch nichts anderes als GPRS. Es heißt nur anders.

    @#19 Dieter B: Nein, der Artikel ist kein Aprilscherz. Dein Kommentar denn? 🙂 Würd mich interessieren, wo du das getestet hast, wo es so gut funktioniert. Zuhause oder auch unterwegs?

  • Ich kann nur von O2 sprechen. Ich bin oft im Dreieck Leipzig, Dresden, Chemnitz unterwegs. Wobei Leipzig das beste Netz bietet. Im Auto hab ich öfters Musikstreams laufen, klar sind Hänger dabei aber eher die Ausnahme.
    Wenn ich meine Eltern und Kollegen auf dem Land besuche, gibts nur edge, klar. Aber für edge wirklich zügig.
    Hatte aber im Leipziger umland auch schon eher schlechten edge Empfang mit einem Balken am Fenster. Das Hotel hatte kein wlan und musste daher das mobile Netz nutzen. Ok, mit wlan-thering machbar aber an einem Regenabend wars eher zum Kotzen…
    Überwiegend kann ich mich nicht beschweren aber manchmal ist auch Frust angesagt, aber wirklich selten.
    Kollegen im e-plus Netz sagen das umgekehrt, was ich aber nicht selbst getestet habe. (auch nicht will)

  • Bin auch sehr gespannt auf LTE, aber bis man mal Kilometerweit auf der Autobahn fahren und dabei richtiges Breitband Internet ohne Abbrüche genießen kann wird wohl noch ein paar Monate/Jahre dauern befürchte ich.

  • Das schlimmste am mobilen Internet, ich nutze es mit einem Surfstick am Laptop, da kein DSL verfügbar, ist die Drosselung ab 5 Gb, hier bei O2. Real sind es maximal 7 kb die dann zur Verfügung stehen. Das reicht gerade noch zum laden von Websites oder Emails. Uploads auf einen Server oder gar Downloads kann man komplett vergessen. Und auch ohne Streaming oder massive Downloads sind 5 Gb im heutigen Internet sehr schnell erreicht. Man darf nämlich nicht ausser acht lassen, das der Zähler permament mitläuft. Soll heißen, auch Websites zählen als Downloads!
    Das ist meiner Meinung nach der größte Kritikpunkt und sollte eher gelöst werden als noch mehr Geschwindigkeit.

  • Ich seh das ganz genauso. Shopping und wirkliches Mobile Web Erlebnis ist derzeit nur eingeschränkt über mobile Endgeräte möglich. Das liegt an den Shopbetreibern und an der Infrastruktur. Hier gibt es noch viel Nachholbedarf. Anders kann man das nicht ausdrücken. In einigen Jahren allerdings kann man davon ausgehen, dass diese Kinderkrankheiten beseitigt sind. Dann kann man sicher auch einkaufen und entspannt längere Internet Sessions haben.
    Beste Grüsse
    Plissee

  • Weiß jemand, ob das stimmt, dass Vodafone aktuell bei seinem LTE Angeboit nach Erreichen der Trafficgrenze die Geschwindigkeit noch gar nicht drosselt? Habe das nun von einigen Leuten gehört – vielleicht ist aktuell das Netz noch so „jungfräulich“ dass man sich das erlauben kann 😉

  • Man darf nicht immer so pessimstisch sein wenn es um das mobile Internet in Deutschland geht. Schauen wir doch mal im Vergleich auf andere Länder in Europa. Die meisten können nur träumen von so einer guten UMTS Netzabdeckung und so einer schnellen Geschwindigkeit mit der wir mobil surfen können. Außerdem wirds noch besser mit LTE. Das einzige was stört ist die Drosselung, die jeder Anbieter anwendet.

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