Sonstiges

Apple weiß, wo du letzten Sommer gewesen bist [Update]

Starkes Stück: Apple protokolliert offenbar schon seit Juni 2010 Aufenthaltsort und -zeit von iPhone- und iPad-Nutzern. Das haben die beiden Entwickler Alasdair Allan und Pete Warden herausgefunden. Eine Datei auf dem iPhone und dem 3G-fähigen iPad namens consolidated.db wird dabei im Speicher des jeweiligen Geräts abgelegt. Betroffen sind Geräte mit der iOS-Version 4.x, die Apple seit dem 21. Juni 2010 anbietet. Ob Apple die Daten selber nutzt, ist noch unklar. Was die beiden Entwickler herausgefunden haben, ist, dass die Datei unverschlüsselt ist, die Daten in jedem Land erhoben werden und bei Updates und Versionssprüngen nicht verloren gehen. Es ist eine Art digitaler Fingerabdruck und Apples Antwort auf die Vorratsdatenspeicherung.

Update: Die Datei gibt es offenbar schon länger und war in einem Entwicklerhandbuch dokumentiert. Besser macht das die Tatsache ihrer Existenz in meinen Augen aber nicht. Apple hat sich bislang noch nicht dazu geäußert.

Das Bild oben zeigt die Daten, die Apple während einer Fahrt von Washington D.C. nach New York protokolliert hat. Es entsteht ein detailliertes Bild darüber, wann man wo gewesen ist. Wer an die Daten herankommt, kann den Aufenthaltsort einer Person leicht nachvollziehen. Allan und Warden haben hierfür ein kleines Programm namens iPhone Tracker veröffentlicht, dass die persönlichen Aufenthaltsdaten anzeigt. In den USA gibt es eine ähnliche Vorratsdatenspeicherung wie in Deutschland: Die Telcos zeichnen Standortdaten und Zeitpunkt auf. Zugang zu diesen Daten erhält man aber nur über einen richterlichen Beschluss. Unklar ist, ob Apple damit den Behörden entgegen kommen wollte. Und wenn nicht, wofür sind die Daten dann?


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Ob es jetzt einen Aufschrei oder gar einen PR-Gau für Apple geben wird, glaube ich nicht einmal. Dafür haben wir uns schon zu sehr mit der Vorratsdatenspeicherung abgefunden. Es wirft jedoch weitere Fragen auf, die sich wohl in den nächsten Tagen klären werden, wie: Gibt’s das auch für Android? Wem das zu heikel ist, der sollte in iTunes in den Synchronisationsoptionen Datenverschlüsselung auswählen. Es soll jedoch Kopien der Daten geben. Wie und ob man sie löschen kann, ist noch unklar. Apple, das werdet ihr erklären müssen!

(Jürgen Vielmeier)

Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

43 Kommentare

  • Im Titel fehlt das Wort „seit“:
    Apple weiß, wo du – seit – letzten Sommer gewesen bist

    Kannste ja mal Ändern 😉

  • @ Matthias

    Ich habe es nun als Wortwitz verstanden, als es eine Persiflage auf Filmtitel wie „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“. So würde die Erkenntnis, dass Apple alle deine Standpunkte speichert schon an einen Horrorfilm anmaßen würde, womit ich diesen Titel gerade passend finde

  • Wollte nur mal kurz darauf hinweisen, dass es meines Wissens nach in Deutschland keine Vorratsdatenspeicherung gibt, das entsprechnde Gesetz wurde zum Glück vom Bundesverfassungsgericht gekippt. Die Chancen auf eine Wiedereinführung haben sich allerdings leider nach dem neusten Bericht der EU-Kommission wieder drastisch erhöht. Mehr dazu: http://www.spiegel.de/thema/vorratsdatenspeicherung/
    Ach ja, ich zumindest habe mich damit noch lange nicht abgefunden…

  • Das wär doch endlich mal n toller Titel für die Bildzeitung, bei der ich nicht sofort einen Brechreiz kriegen würde!
    Vielleicht ändert sich dann in der „Meinung“sbildung über Apple langsam was 😉

  • Jetzt kann ich wenigstens überprüfen ob Google Latitude und Apple die gleichen Daten aufzeichnen oder ob es da unterschiede gibt 🙂 Bisher finde ich arbeitet Latitude genauer als Apple.

  • Gibt’s das auch für Android?
    … und warum nicht die Frage für Microsoft ?

    Ich Denke das gibt es für jedes Betriebssystem aus den USA oder warum sollten sich „CIA und FBI“ die Chance entgehen lassen so weltweit über den Nutzern von Handys relativ einfach und kostengünstig Bewegungsprofile zu erhalten, ohne eine eigene Infrastruktur Aufbauen zu müssen ?
    Wer sich Wann und Wo in welchen Land aufgehalten hat ist sicher für jeden Geheimdienst Interessant.
    Zumal sie bei Entdeckung (wie in diesem Fall) nicht selbst in der Schusslinie stehen.
    Es wird sicher eher noch Schlimmer werden wenn wie Geplant das Handy zur persönlichen Kreditkarte und Geldbörse wird da dann Provider und Hersteller so gut wie alles über den Besitzer wissen.

  • Was mich am meisten beunruhigt: Das Programm zeigt mir an, ich sei in Wien gewesen – war ich aber nicht…! Auch bei anderen „hotspots“ war ich nie. Dagegen ist mein Wohn- und Arbeitsort, wo ich mich wohl am meisten aufgehalten habe, nicht auf den ersten Blick erkennbar.

    Machen andere ähnliche Erfahrungen?

  • ist schon ein unterschied, ob per gesetz und funkmastenortung auf richterliche anfrage oder direkt vom hersteller im gerät anhand des gps moduls etc. ein bewegungsprofil erstellt wird. hoffe, dass wirds für android nicht geben. wenn doch gibts dafür sicher auch eher einen hack. immerhin ist android ein offenes system.

  • Ich finde dies erstaunlich. Sofort hab ich es auf meinem iMac getestet und war erschrocken. Aber sich darüber den Kopf zerbrechen bringt auch nichts.

  • Android wurde auch untersucht, es wurde aber keine Datei mit Trackingdaten gefunden. Es bringt auch nichts mit den Finger auf Andere zu zeigen, das wirkt eh nur wie vom Thema ablenken.

    Ich erinnere mal an diese Werbung von Apple: http://www.youtube.com/watch?v=OYecfV3ubP8

    Zu dem was da angeprangert wird entwickelt sich dieser Konzern…

  • Ganz ehrlich wem das wundert, der tut mir echt Leid. Das war doch von Anfang an klar. Und was facebook mit euren Daten macht wollt ihr sicher auch nicht wissen. tz tz das so viele Menschen noch so naiv sind. Ein Unternehmen was aus reiner Nächstenliebe agiert, gibt es seid Ewigkeiten nicht mehr. Manche sollten echt aufwachen

    Ach und zu Kommentar 19

    Kann man nicht, es sei denn du hast dein Telefon die ganze Zeit aus. Wer weiß vielleicht überträgt der im Hintergrund immer noch…

  • >>Ob es jetzt einen Aufschrei oder gar einen PR-Gau für Apple geben wird, glaube ich nicht einmal. Dafür haben wir uns schon zu sehr mit der Vorratsdatenspeicherung abgefunden.<<

    Wir? Eher nur die Nutzer von Apple-Produkten oder Facebook…
    Andere schütteln nur den Kopf und sind froh, diesen Hype nicht mitzumachen… 🙂

  • Thank God! Ich habe kein iPhone und finde diese Nachricht abschreckender als jeden Bericht über Kinderkrankheiten der neuen Modelle die mich bis jetzt vom Kauf abgehalten haben!

  • Ich verstehe die Aufregung nicht so ganz. Ok, es ist nicht die feine Art, die Apple da vorzeigt und ich bin auch kein großer Fan der Firma. Aber was glauben denn alle was Apple jetzt mit den Daten macht? Wenn jeder wüsste wann ich zu Hause bin und wann nicht, ok, das würde mich stören. Aber Apple bekommt ja nicht nur einem Datensatz, sondern Millionen. Da geht doch keiner hin und guckt sich genau den Verlauf einer Person an. Die können das höchstens als Gesamtstatistik oder für lokalisierte Werbung nutzen. Ja und? Ist doch gut für mich wenn die Werbung mir endlich mal anbietet was mich interessiert. Das wollte ich mal loswerden.

  • Davon habe ich noch gar nichts gehört, wenn das tatsächlich Realität ist, dann bleibt das Ding aber ab jetzt in der Schublade. Ob es dann vielleicht nach Hause telefoniert, dass es „Schubladen-Arrest“ hat?

    Aber mal Spaß beiseite, das ist echt der Hammer…

  • Also jetzt mal wirklich eine ehrliche Frage:
    Glaubt ihr, dass macht nur Apple? Jedes GPS-System ist trackbar. Das ist der Nutzen daran. Was fängt den Apple mit diesen Daten an? Hier wird die Zielgruppe weiter analysiert. Um noch genauer verkaufen zu können. Noch genauere Zielgruppenansprache. Ein anderes Motiv steckt da nicht dahinter.
    Jedes Fahrzeug mit einem eingebauten Navi ist so analysierbar…
    Jeder Schritt im Internet ist nachvollziebar… Jedes X-beliebige Handy kann man so orten…

  • Z.z. sind diese Daten angeblich noch nicht besonders für den einzelnen gefährlich. Aber mit der immer fortschreitenden Vernetzung von Datenbanken wird der Mensch immer gläserner.
    Und das ist gewollt! Schon bald werden die Regierungen alle unsere Aktivitäten und Geheimnisse wissen, wenn sie es nicht schon jetzt tun.