Zynga verklagt mutmaßlichen Plagiator Vostu: Wie viel Kopieren ist okay?

Jürgen Vielmeier

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Im Prinzip könnten wir unsere Meldung an dieser Stelle auch schon beenden. Denn schaut man sich den Screenshot oben an und behält dabei im Hinterkopf, dass Zyngas „CityVille“ vor Vostus „MegaCity“ auf dem Markt war, dann dürfte ein entsprechender Gerichtsprozess recht schnell beendet sein. Zynga hat einen solchen jetzt angestrengt und verklagt Vostu wegen Urheberrechtsverletzung. Zynga-Rechtsberater Reggie Davis sagte dazu:

„Es ist eine Sache, sich von Zynga-Games inspirieren zu lassen, aber es ist etwas anderes, alle Eigenschaften und die Strategie unserer wichtigsten Produkte zu kopieren, sowie unsere Markenpolitik, unser Leitbild und unser Sozialleistungsprogramm für Mitarbeiter samt und sonders.“

Vostru soll sogar einige Fehler an gleicher Stelle übernommen haben, die Zynga in „CityVille“ noch nicht ausgebessert hatte. Mit anderen Worten: Das ging zu weit. Einzelnes Abkupfern lässt man sich – aus gutem Grund – gefallen, ein Klonen von allem aber nicht. Schaut man sich Zyngas Geschichte an, wirft das aber die Frage auf, wie viel Kopieren eigentlich okay ist und wann es zu viel wird.

Zynga ist kein Unschuldiger

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Das New Yorker Unternehmen Vostu, das die Marktführerschaft in Brasilien anstrebt, brachte stets wenige Monate nach Zyngas Veröffentlichungen ähnliche Spiele auf den Markt. Ein Jahr nach dem Start von „Farmville“ ging Vostu mit „Mini Fazenda“ an den Start. Auf „ZyngaPoker“ folgte „VestuPoker“, auf „Petville“ Vostus „Petmania“, auf „CaféWorld“ „CaféMania“ und auf „CityVille“ schließlich „MegaCity“. Das sind die Plagiatvorwürfe, die Zynga angibt. Und man könnte noch mit den Websites beider Seiten weitermachen. Vostru bezeichnete die Vorwürfe als vorschnell und unseriös, weist alle Plagiatsvorwürfe von sich und statt dessen darauf hin, dass Zynga in der Vergangenheit selbst mächtig abgekupfert habe.


Denn was Zynga interessanterweise verschweigt: Dass Vostu mit „Redo de Crime“ auch ein Spiel im Programm hat, das dem eigenen „Mafia Wars“ gleicht. Hier bleibt der Marktführer für Social Games aber lieber still, denn vor zwei Jahren hatte sich Zynga für das Spiel selbst beim Entwickler David Maestri und dessen Original „Mob Wars“ bedient. Maestri hatte Zynga daraufhin verklagt und sich schließlich außergerichtlich auf eine Zahlung zwischen 7 und 9 Millionen US-Dollar geeinigt. „Mafia Wars“ hat nicht unwesentlich zum rasanten Aufstieg von Zynga vor allem dank millionenfacher Benachrichtigungen via Facebook beigetragen.

Wie darf man Zyngas Unmut jetzt also zusammenfassen? Ein paar Dinge kopieren ist okay, alles klonen ist zu dreist? Oder geht es um Gerechtigkeit nach dem Motto: Wenn wir früher für ein paar Kopien zahlen mussten, dann soll das gefälligst für alle gelten? Verklagen ist jedenfalls wieder schwer in Mode. Sowohl bei Hardware als auch bei Software-Patenten und eben auch Games.

(Jürgen Vielmeier, Screenshots: Zynga, Vostru via t3n)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.