Projekt "RePro3D": Schieb mal den Avatar beiseite!

Christian Wolf

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So wie Jules Verne mit der Nautilus einst die Entwicklung der Unterseeboote literarisch vorausnahm, könnte „StarTrek“-Vordenker Gene Roddenberry irgendwann einmal als Visionär virtueller begehbarer Umgebungen gelten. Zwar ist es bis zu einer echten Variante des „Holodecks“ wahrscheinlich noch ein unendlich weiter Weg, wobei wohl nicht einmal klar ist, ob dies jemals technisch so umsetzbar sein wird. Allerdings gibt es auch immer wieder Forschungsansätze, die ohne Frage eben diesen zarten Hauch Science-Fiction verströmen und dennoch längst Realität sind.

Zuletzt hatte ich etwa auf dem Mobile World Congress in Barcelona selbst Gelegenheit, ein spezielles 3D-Touchscreen-Display des japanischen Mobilfunk- und Elektronikkonzerns NTT docomo in Augenschein zu nehmen. In Kombination mit einem speziellen Stift konnte dieses die Illusion erzeugen, von der ohne Brille sichtbaren 3D-Animation – einem Chamäleon – mit der Zunge über eine Art haptisches Feedback plastisch berührt zu werden. Mir fiel damals vor Schreck fast der Stift aus der Hand – auf jeden Fall eindrucksvoll.

Über TechCrunch bin ich gerade wieder auf ein ähnliches Projekt aus Japan aufmerksam geworden, das gerade an der Keio University entwickelt wird und noch einen Schritt weitergeht. „RePro3D“ ermöglicht es, selbst virtuelle Figuren zu „berühren“ und diese etwa nach Lust und Laune mit den Fingern hin- und herzuschieben. Auch hier ist zwar keine 3D-Brille notwendig, jedoch ein Apparat von der Größe eines Umzugskartons.

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Dieser ist im Inneren mit speziellen reflektierenden Materialien beschichtet, die das Licht gezielt in bestimmte Richtungen lenken und so ein 3D-Bild erzeugen können. Schaut man durch einen halbdurchsichtigen Spiegel auf das darunter befindliche Display, wird eine 3D-Figur sichtbar, die sich beliebig anstupsen lässt. Ein haptisches Feedback bei Berührung kann zusätzlich über eine Art Finger-Manschette erzeugt werden. Die jeweilige Position der Hand erfasst eine Infrarot-Kamera. In der Folge scheint die Animation tatsächlich auf jeden Wink zu reagieren.

Wie die japanische Online-Video-Website diginfo.tv berichtet, wird nun an der Erweiterung des 3D-Systems gearbeitet. Künftig sollen so auch größere 3D-Bilder darstellbar sein, die dann sogar von verschiedenen Personen im selben Raum gleichzeitig berührt werden können. Es bleibt also spannend, was in den nächsten Jahren noch alles kommen wird. Vielleicht ist das Holodeck ja doch näher, als gedacht.

Man munkelt, dass gewisse freizügige Industriezweige schon länger ein Interesse an derlei Virtualität hegen. Und was Hustler, Playboy und Co. erst einmal für gut befunden haben, soll ja angeblich bereits früher nicht einfach ins Archiv der großen Technik-Flops durchgereicht worden sein. Ob das wahr ist, weiß ich natürlich nicht. Aber irgendwas sagt mir, dass es stimmen könnte.

(Christian Wolf; Bild: Keio University)

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Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.