Weltbilds Kindle-Rivale für 60 Euro: Qualität erst einmal nebensächlich

Jürgen Vielmeier

Das eine muss man den Buchketten lassen: Sie wollen alles daran setzen, die Fehler der Musik- und Filmindustrie bei der Digitalisierung nicht zu wiederholen. Und deswegen hagelt es seit geraumer Zeit E-Book-Reader. Denn das aggressive Vorpreschen des Online-Kaufhauses Amazon hat die Händler das Fürchten gelehrt. Da droht ihnen das Geschäft wegzubrechen, wenn sie nicht schnell reagieren.

Weltbild hat jetzt reagiert und heute einen neuen E-Book-Reader vorgestellt, der sich mit einem Kampfpreis gegen Amazons Kindle stemmen soll: 60 Euro kostet das neue TrekStor-Gerät, das in Deutschland exklusiv von der Buchkette und seiner Marke Hugendubel verkauft werden soll. 2.000 E-Books sollen in den 2-GByte-Speicher des 7-Zoll-Readers passen. Deutlich billiger als der günstigste Kindle ist der Ebook Reader 3.0 auch – dafür hält der Akku nur ein paar Stunden durch.

Farbdisplay und Musik

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Denn der Ebook Reader 3.0 verwendet ein Farbdisplay und nicht die E-Ink-Technik des Kindle, der nur alle paar Wochen ans Netz muss. Das legt den Verdacht nahe, dass uns hier einfach nur ein abgespecktes Tablet ohne Touchscreen verkauft werden soll, mit dem man hauptsächlich Bücher lesen kann. Dass dem so ist, daraus macht Weltbild-Chef Carel Halff gegenüber der „FTD“ keinen Hehl, indem er sagt, das Gerät sei „Mittel zum Zweck“. Immerhin verfügt der Ebook Reader 3.0 auch über einen Kopfhörerausgang, einen Kartenleser, über den sich der Speicher bis 32 GByte aufrüsten lässt, einen USB-2.0-Anschluss und einen Lautsprecher. Neben Büchern sollen sich also auch Bilder vorführen und Audiodateien abspielen lassen. Nur leider keine Videos.

Leseratten an sich binden

Der Reader ist mit 13 Millimetern recht dick und dafür mit 270 Gramm Gewicht wiederum recht leicht. Der Akku hält laut Weltbild 8 Stunden durch, was das reine Lesevergnügen angeht. (Beim Kindle bis zu 1 Monat!) Musik soll sich bis 30 Stunden abspielen lassen, ehe der Akku wieder ans Netz muss. WLAN oder ein Mobilfunkmodul fehlt beim Reader ganz. TrekStor bestätigte uns auf Anfrage, dass der Reader 3.0 in Deutschland exklusiv über Weltbild verkauft wird. Im Ausland verkauft TrekStor den Reader über andere Händler zu vergleichbaren Preisen.

Nachdem Thalia mit dem Oyo einen vergleichbaren Reader kürzlich im Preis auf 99 Euro gesenkt hat, ist die Ansage gemacht: Die Zukunft heißt E-Book und man will Amazon das Geschäft nicht alleine überlassen – auch wenn der große Nebenbuhler das bessere Gerät verkauft. Jetzt geht es darum, Leser an sich zu binden und auf der Frankfurter Buchmesse Präsenz zu zeigen, die kommenden Mittwoch beginnt. Die Preise der E-Reader dürften weiter ins Bodenlose fallen, vielleicht bald in Bündelung mit einem Abo ganz kostenlos angeboten werden.

Hat euch der E-Book-Trend schon gepackt, lest ihr Bücher lieber gedruckt oder digital? Oder lest ihr gar keine Bücher?

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(Jürgen Vielmeier, Bild: Weltbild/TrekStor)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.