Muss man Böses tun, bevor man Gutes tun kann?

Jürgen Vielmeier

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Die Faszination des Bösen treibt Menschen dazu, ihm zu verfallen. Oder zumindest dazu, unliebsame Dinge auszublenden: Gefällt einem etwa das neue Smartphone, denkt man nicht unbedingt daran, wer wie dafür schuften musste oder unter welchen Bedingungen die Rohstoffe dafür gewonnen wurden. Solange man verliebt ist, kann man schon mal ausblenden, wenn der neue Partner die Freunde abschätzig behandelt. Und wenn mir das Social Network technisch gut gefällt und alle meine Freunde sich dort tummeln, dann denke ich nicht bei jedem Besuch daran, dass es meine Daten als seine betrachtet und sie an Unternehmen verschachert, nur um Geld damit zu verdienen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg scherte sich jahrelang nicht die Bohne um Nutzerrechte, Privatsphäre und Datenschutz, jubelte seinen Nutzern sogar sooft neue Richtlinien unter, bis sie es irgendwann müde wurden, dagegen zu protestieren. Und doch kamen und blieben die Nutzer in Scharen. Gut 800 Millionen dürften es zur Zeit sein, bis zur Milliarde ist es nicht mehr weit. Und jetzt, wo Facebook der größte Börsengang eines IT-Unternehmens in der Geschichte bevorsteht, geht es plötzlich auf Datenschützer zu. Scheint es zumindest: Zuckerberg hat vor der US-Handelsbehörde FTC eingeräumt, in der Vergangenheit Fehler gemacht zu haben. 20 Jahre lang muss Facebook seine Datenschutzrichtlinien nun von unabhängigen Experten prüfen lassen. Es dürfte dem Unternehmen dabei auch um gute PR gehen. Und doch ist es zumindest interessant, dass das Thema Datenschutz plötzlich für Facebook ein Thema ist, was jahrelang keines war. Muss man erst Böses tun, bevor man Gutes tun kann?

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CNet-Korrespondent Declan McCullagh stellt leicht zynisch fest, dass sich durch Facebooks Selbstverpflichtung vor der FTC so gut wie nichts ändern wird. Das Netzwerk hat praktisch schon alle Regeln der Privatsphäre ausgehebelt und zurück muss es nicht gehen. Zuckerberg hat gewonnen. Er hat es geschafft, die Spielregeln so zu verändern, dass er gegen den Willen der Nutzer mit ihren Daten Milliarden umsetzen kann. Jetzt kann er es sich leisten, tatsächlich ein paar Schritte zurückzugehen. Also das, was er eigentlich von Beginn an hätte tun müssen, wenn er den Wünschen der Nutzer hätte nachkommen wollen.

Die große Frage ist: Wäre Facebook jemals so erfolgreich geworden, wenn man Datenschutz und Privatsphäre von Anfang an ernst genommen hätte? Wenn man keine Daten hätte verkaufen können? Ich behaupte: Nein, nie im Leben. Woher hätte man sonst das Geld nehmen sollen, um neue Designs zu entwickeln, neue Ideen umzusetzen, die inzwischen gut 2.500 Mitarbeiter zu bezahlen, Investoren davon zu überzeugen, dass man ein Geschäftsmodell hat?

Microsoft-Mitgründer Bill Gates wird fast sein gesamtes Vermögen der Bill and Melinda Gates Stiftung vermachen, die sich unter anderem den Themen globale Gesundheit und globale Entwicklung angenommen hat. Wäre er jemals zum seinerzeit reichsten Mann der Welt geworden, wenn er die IT-Hersteller nicht dazu bekommen hätte, Verträge mit ihm zu schließen und die halbe Welt mit unausgereiften Windows-Systemen in den Wahnsinn zu treiben? Natürlich kann man auch Milliardär werden, ohne seine Kunden auf die Barrikaden zu bringen. Warren Buffett soll das im Alter von fast 50 geschafft haben. Mark Zuckerberg war schon im Alter von 25 Milliardär.

(Jürgen Vielmeier, Bild: Guillaume Paumier/Wikimedia Commons, CC BY 3.0)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.