Zyngas Geistesblitz: ein Einkaufszentrum musst du sein

Jürgen Vielmeier


Stellt euch vor, ihr hättet das schönste und bestbesuchte Café in einem gut florierenden Einkaufszentrum. Ihr wärt gut Freund mit dem Pächter, bräuchtet ihn genauso, wie er euch. Alles ist schön, die Welt sowieso. Dann aber lässt der Pächter auch andere, wenn auch weniger chice Cafés in seinen Komplex. Die Leute wollen halt Abwechslung, argumentiert er. Ihr seid natürlich etwas sauer, habt ihr doch Geldgeber im Rücken, die Wachstum sehen wollen. Ihr müsst irgendwie raus aus dieser Abhängigkeit, ohne den Pächter vor den Kopf zu stoßen, und – noch viel wichtiger – ohne auf die Einnahmen zu verzichten, die der Einkaufskomplex euch bringt. Was also macht ihr?

Ganz einfach: Ihr eröffnet draußen auf der anderen Straßenseite ein weiteres, kleines Café, nennt es „Café Express“ und teilt die Einnahmen mit dem Pächter von gegenüber. Eigentümer aber seid diesmal ihr. Und neben eurem eigenen „Super Creamed Latte“ verkauft ihr künftig auch Kaltgetränke fremder Hersteller an einer eigenen Erfrischungsbar – ihr werdet im kleineren Stile selbst zum Einkaufszentrum. Das ist das, was Social-Games-Anbieter Zynga derzeit plant. Noch in diesem Monat soll eine eigene Spieleplattform auf Zynga.com starten.

Vom Mieter zum Vermieter

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Dort wird es die bekannten Spiele von CityVille bis HiddenChronicles geben, die weiterhin einen Facebook Connect voraussetzen. Erste Partner, die mit eigenen Spielen in der „Erfrischungsbar“ auftauchen, sind MobScience, Row Sham Bow und Sava. Zynga bleibt mit Facebook verbunden, hätte es aber auch ganz gerne, dass die Spieler sich künftig unabhängig vom großen Pächter nebenan miteinander vernetzten. Dazu erhalten sie einen Social Stream, der dem von Facebook ähnelt, und einen Live Chat. Die Pläne dafür hatte Zynga bereits im vergangenen Oktober vorgestellt.

Der Anbieter musste etwas tun. Seit dem Börsengang Mitte Dezember ist finanzielles Wachstum oberstes Gebot, zumal der Börsengang angeblich viel Geld verschlungen hat und Zynga im 4. Quartal in die roten Zahlen trieb. Neue Einnahmequellen müssen her. Also warum nicht fortan etwas Extra verdienen, indem man andere Spiele zulässt und selbst vom Mieter zum Vermieter wird? Eine Plattform werden, eine eigene API anbieten (noch Ende des Jahres) und damit selbst Abhängigkeiten schaffen. Das ist ein Weg, der Erfolg verspricht. Andere wie Evernote und Spotify gehen ihn bereits.

Je stärker Zynga dabei wird, desto mehr verärgert man den alten Freund und Pächter Facebook. Und irgendwann könnte es zum Bruch kommen.

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(Jürgen Vielmeier, Bild: Zynga)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.